Zu viele Menschen beißen sich fest

- "Heike Höflers neues Buch "Entspannungstraining für Kiefer, Nacken und Schultern" -

Ein lockerer Kiefer entspannt die gesamte Hals- und Schulterpartie
Bilder: Privat

Wissen Sie, was CMD ist? Also: CMD heißt "Craniomandibuläre Dystonie", "Cranium" steht für Schäden, "Mandibula" für Unterkiefer und "Dystonie" hat die Bedeutung von Fehlfunktion. Bei diesem verdammt schweren Wort geht es um Kiefergelenks- und Kaumuskelprobleme in Verbindung mit Rücken- Nacken- und Kopfschmerzen, um Tinnitus, Schwindel, Sehstörungen oder Gleichgewichtsprobleme. Die Ursache liegt oft in ungenügend durchgeführten zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Maßnahmen. Rund 7 Millionen Menschen in Deutschland, und mehr als 30 Millionen in der westlichen Welt, sind von CMD betroffen (Quelle: CMD-Dachverband) - Tendenz steigend.
Der Kaumuskel ist der stärkste Muskel im Körper und kann eine enorme Kraft entwickeln. Sehr viele Menschen knirschen nachts mit den Zähnen oder pressen tagsüber die Kiefer zusammen. Warum? Weil man in unserer Gesellschaft lieber die "Zähne zusammenbeisst", als Meinungen oder Emotionen herauszulassen. Auch mangelnde Bewegung, Fehlhaltungen, Schlafstörungen, ganz besonders hohe Leistungsanforderungen in Schule, Beruf und Haushalt führen zu vermehrter Anspannung und Verspannung im Kopf- sowie Nackenbereich. Und viele Menschen reagieren auf seelische Belastung, aber auch auf vermehrte geistige Konzentrations-Arbeit mit Anspannung genau in diesen Bereichen. Auch das Zähneknirschen ist eine unbewusste Reaktion des vegetativen

Nervensystems auf Stress und Belastung. Es stellt ein Ventil dar, um nachts unverarbeitete tägliche Probleme zu verarbeiten. "Hier hilft nur eins", sagt Heike Höfler, staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrerin, Buchautorin und Erfinderin der Gesichtsgymnastik, "Kau- und Nackenmuskeln müssen entspannt werden." Doch wie fühlt sich Entspannung dieser Muskeln überhaupt an? Denn genau das hat das Gehirn meistens über all die Jahre der Anspannung verlernt. Die Lösung: Es muss wieder neu programmiert werden. Wie, das zeigt sie in ihrem neuesten Buch "Entspannungstraining für Kiefer, Nacken, Schultern - 10 Programme zum Loslassen und Wohlfühlen"(ISBN 978-3-8304-3541-9, € 14,95.
Übrigens: Der Funktionszusammenhang zwischen Kopf- und Schulterorganen wurde lange Zeit nicht erkannt. Von vielen Ärzten und Therapeuten wird sie auch heute noch übersehen oder ignoriert. Doch eine gestörte Funktion des Kauorgans kann zu ernsthaften Problemen im ganzen Körper - von Kopf bis Fuß - führen. Der CDM Dachverband empfiehlt zur Behandlung eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Zahnärzten, Orthopäden und anderen Fachärzten, Physiotherapeuten, Osteopathen und so weiter...., rät aber auch zu Wärme- und Kältetherapien, manuelle Therapien, Akupunktur, Pflanzenheilkunde und zu Entspannungstechniken - je nach individuellen Bedürfnisse und Beschwerden. Im nebenstehenden Bericht eine kleine Übung, die Sie ganz leicht nachmachen können.

Übung: Kiefermuskeln lösen:
Beugen Sie den Kopf ein wenig vor und legen Sie beide Mittelfinger in die Kuhlen der Kiefergelenke, die Daumen unter das Kinn (wie auf dem Foto). Öffnen Sie den Unterkiefer ganz weit, so dass der Masseter (Kaumuskel) gedehnt wird. Halten Sie die Dehnung etwa 10 bis 20 Sekunden und schließen Sie dann den Mund ganz entspannt bis auf einen kleinen Spalt. Die Hände können Sie nun gelöst auf den Oberschenkeln ablegen. Jetzt bewegen Sie den Unterkiefer langsam ein wenig (es sollte nie wehtun) nach rechts und links, hin und her und spüren dabei die Bewegung im Kiefergelenk. Der Kopf bleibt dabei leicht vorgebeugt (siehe Foto). Achten Sie darauf, wie sich das anfühlt. Nach einigen Wiederholungen die Hände gelöst ablegen und den Kiefer sanft schließen, bis die Lippen ganz weich aufeinander liegen. Nachspüren. Nehmen Sie dabei bewusst die Entspannung im Kiefergelenk und in den Kaumuskeln wahr. Die ganze Sequenz 4mal wiederholen. Variation: Öffnen Sie den Mund weit und schieben Sie den Unterkiefer sanft hin und her. Dann den Mund weich schließen und nachspüren.

Barbara Dickmann