Vital und glüklich mit den insgesamt sieben "L"s

- Vortrag mit Professor und Medizin-Journalist Hademar Bankhofer im Europapark bei Rust -

Jennie, die Fitness-Frau, die lächeln quälen kann.
Bild: B. Dickmann

St. Georgen. Sie heißt Jennie und ist auf der Welt um mich zu quälen. Vielleicht auch Sie, Sie oder Sie, denn Jennie arbeitet in einem Fitnessstudio im Schwarzwald-Baar-Kreis und hat sich darauf spezialisiert, ein Programm zusammen zu stellen, das schon in vier Wochen aus schwabbeliger Haut straffere macht, den Stoffwechsel aktiviert und den Rettungsringen an den Hüften den Kampf ansagt. "Figurprojekt 2010 - jetzt beginnen und im Sommer eine gute Figur machen..." so nennt sich die ganze Geschichte, die mir im April in die Hände fällt. "Erfahren sie die wichtigsten Schritte für einen erfolgreichen Weg zu ihrer Wunschfigur..." 88 Interessierte werden gesucht, die vier Wochen lang zweimal pro Woche ca. 45 Minuten nach einen speziellen Konzept und unter Anleitung gezielte Bewegungsprogramme absolvieren. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen soll damit eine Figurverbesserung, eine deutliche

Anti-Cellulite-Wirkung und ein entsprechender Gewichtsverlust erzielt werden... Vier Wochen kann man ja mal etwas für die Figur tun und so lerne ich an einem trüben Nachmittag Jennie und die Foltergeräte des Fitnessstudios kennen. Zuerst fängt es harmlos an. Jennie ist wirklich nett, hat natürlich eine tolle Figur, fragt so dies und das und checkt mich ordentlich durch. Die Waage zeigt ein einigermaßen zufrieden stellendes Gewicht an (wenn man nicht gerade Modell werden will) und auch der Belastungstest auf dem Ergometer ist noch O.K. Denn Gott sei Dank sorgen meine Hunde dafür, dass nicht nur sie, sondern auch ich genügend "Auslauf" habe. Doch das ist auch alles. Bauch und Arme haben irgendwie zu viel überflüssige Haut (oder zu wenig Muskeln - oder so ähnlich) und die sollte eigentlich straffer sein.
"Da kannst Du lange mit den Hunden laufen, " sagt Jennie, drückt mir einen Plan in die Hand und dann geht es weiter in den Fitnessraum. Hier wimmelt es nur so von Laufbändern, Ergometern und Muskelaufbau-was-weiß-ich für Geräte. Tja, und genau die hat Jennie für mich ausgesucht. Nach dem Aufwärmen beginnt die Quälerei. Zehn verschiedene Übungen an acht unterschiedlichen Folterinstrumenten. Jennie kontrolliert genau und mir bricht schnell der Schweiß aus. Das zieht ganz ordentlich in den Beinen, in den Armen und am Bauch. 45 Minuten zweimal in der Woche - ein

minimaler Aufwand (denke ich).
Doch wie schwierig wird es in der Praxis. Die Zeitdiebe sind unterwegs und es fällt unheimlich schwer das durchzuhalten. Nach vier Wochen und wirklich guter Betreuung durch Jennies kritische Augen ist alles ein bisschen fester, ein bisschen straffer und ich fühle mich gut. Jetzt einfach weitermachen, zweimal die Woche 45 Minuten und der Erfolg wäre garantiert...(zumindest so weit wie es als Frau im Mittelalter möglich ist). Leider habe ich es kein einziges Mal wieder ins Fitnessstudio geschafft. Der Bikini liegt jetzt im Schrank und dafür hat ein Badeanzug Einzug gehalten. Habe jetzt beschlossen, dass man zu seiner schwabbeligen Haut stehen muss, die gut zu den (Lach-)Falten passt und hoffe auf die Mode. Vielleicht werden ja mal wieder Badeanzüge mit halblangem Arm und bis zum Knie modern. Doch für die vielen älteren Frauen und Männer, die tatsächlich regelmäßig so hart im Fitnessstudio trainieren, dass der Schweiß in Strömen rinnt, habe ich großen Respekt. Und erst recht vor den Frauen, die sich richtig quälen, die mehr als ein paar Pfund zu viel haben und dieses Problem so mutig in Angriff nehmen.

Barbara Dickmann

Der Wochenspruch zum Thema:
Eine straffe Muskulatur ist das Make-up von innen