Lauftreff für Frauen

- wie Schritt für Schritt das Wirrwarr im Kopf verschwindet -

Es war morgens, so gegen 10 Uhr vor fünf Jahren. Sabine Kluzik, 31 Jahre jung, sitzt über ihren Büchern und versucht zu lernen. Die zwei großen Kinder sind in der Schule, die Kleine im Kindergarten und Sabine macht gerade in der Abendschule die Fachhochschulreife nach. Doch irgendwie klappt das nicht so ganz, ihr Kopf ist zu, ihre Gedanken sprunghaft, sie kann sich einfach nicht konzentrieren und sucht nach einer Möglichkeit, sich zu entspannen. Etwas Bewegung wäre gar nicht so schlecht, denkt sie, zieht ihre Schuhe an und läuft einfach los. Sabine läuft, so lange sie kann und schafft gerade einmal 500 Meter, dann ist sie fertig und kriecht förmlich nach Hause. Vom Joggen hat sie keine Ahnung und schlappe 500 Meter sind mehr Frust als Lust. Doch am nächsten Tag rafft sie sich wieder auf und läuft los, denn selbst diese paar Minuten bringen sie auf andere Gedanken. Zwei bis dreimal in der Woche läuft Sabine relativ regelmäßig, aus 500 Metern werden schnell 1000, aus drei Minuten, sieben, dann zehn. Plötzlich sind drei Kilometer überhaupt kein Problem und mit jedem Kilometer wächst die Lust. ,,Ich hatte auf einmal richtig Spaß an der Bewegung und was damit verbunden war", erinnert Sabine sich. Denn mit jedem Meter wird ihr Kopf frei und je mehr sie an ihre Grenzen geht, desto reinigender ist die Wirkung. Das Wirrwarr im Kopf verschwindet, nur noch jeder Schritt ist wichtig und am Ende ist der Stress eines anstrengenden Tages zwischen Kinder, Küche und Beruf wie weggeblasen. Nach einem Jahr läuft Sabine zehn Kilometer und erst jetzt kauft sie sich ein ,,Laufbuch" (Das Laufbuch - Training, Technik, Ausrüstung, ISBN 3499194651), eine Laufuhr und lernt, wie man es richtig macht. Nach zwei Jahren ist Sabine fit und hat keine Lust mehr, einfach ohne Ziel durch die Gegend zu rennen. Sie beschäftigt sich mit dem Marathon, besorgt sich Trainingspläne und setzt sich als Ziel, einen Halbmarathon von 21 Kilometern zu laufen. Sabine trainiert jetzt ganz gezielt, schafft den Halbmarathon und läuft im gleichen Jahr einem richtigen Marathon, was schlappe 42 Kilometer sind, in gut vier Stunden. Natürlich trainiert Sabine jetzt auch anders und läuft manchmal über 20 Kilometer am Stück und doch steht der Spaß nach wie vor im Vordergrund. Heute, in ihrem dritten Marathon-Jahr läuft sie 42 Kilometer locker unter vier Stunden, doch das reicht ihr völlig, sie ist nicht vom Ehrgeiz zerfressen und hat nach wie vor etliche andere berufliche und private Interessen und Träume, die sie ebenfalls umsetzen will.
In diesem Jahr steht wieder ein Marathon in Berlin auf dem Programm und noch etwas anderes hat sie sich laufmäßig vorgenommen. Sabine möchte einen Frauen-Lauftreff gründen, denn immer nur allein zu laufen, ist nicht ganz ihr Ding. ,,Ich will interessierte Frauen nicht in kürzester Zeit zu Marathon-Läuferinnen trainieren", erzählt Sabine. Ihre Motive sind ganz andere: ,, Die Frauen sollen einfach auch spüren wie schön das ist und wie viel man

für sich dabei herausholen kann!" Denn beim Laufen würden Glückshormone freigesetzt und das wäre nur einer von vielen Gesundheitsaspekten, die das Laufen mit sich bringe, berichtet Sabine aus eigener Erfahrung. Und überhaupt, über wichtige Entscheidungen nicht nur zu Schlafen, sondern auch zu Laufen, hat ihr persönlich immer viel geholfen. Sollten Sie Lust haben unter kompetenter Anleitung , ohne Leistungsstress dafür aber mit viel Freude das Laufen in einer Gruppe von Frauen zu lernen, freut sich Sabine Kluzik auf ihren Anruf unter Tel. 0771/8979776, FAX 0771/8979842, E-mail: kluzik@acca-beratung.de. Geplant sind folgende Termine: Jeden Montag, von 18 Uhr bis 19 Uhr in Donaueschingen und jeden Mittwoch, von18 Uhr bis 19 Uhr in Villingen. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, egal ob jung oder alt, Sabine Kluzik holt jede Frau dort ab wo sie steht. Das Ziel lautet: Ich will laufen und nicht reden, ohne Vereinsbeitritt oder sonstige Verpflichtungen. Übrigens, reden kann man natürlich hinterher, denn auch das gehört manchmal dazu. Wie Sabine Kluzik ihren ersten Marathon erlebt hat, lesen Sie in nebenstehendem Bericht.

Mein erster Marathon
Sabine Kluzik berichtet über die Erfüllung eines Traumes
Wie oft hatte ich schon bewundernd bei Triathlons und Marathons zugeschaut und immer gedacht wie kann man das nur schaffen. Und jetzt war es soweit, mein erster Marathon erwartete mich, denn nach drei Jahren Laufzeit wollte ich es endlich wagen. Doch eigentlich war es undenkbar, wo ich die Kraft, Motivation und Energie hernehmen sollte, denn in der Trainingsphase war ich nur einmal 30 Kilometer gelaufen und war danach völlig fertig. Tja und jetzt stand ich hier, zwischen 6000 Läufern, nicht wissend wirst du erster oder letzter sein oder überhaupt nicht ankommen, denn jetzt lagen 42 Kilometer vor mir - eine Strecke, die ich noch nie vorher an einem Stück gelaufen war. Am Vortag war ich angereist, hatte mir ein nettes Zimmer gesucht, Kohlehydrate und ein Glas Rotwein bei einem Italiener gegönnt und versucht, relativ früh zu schlafen. Am Tag X hatte ich nur ein Müsli gegessen und war auf einmal aufgehoben in einer riesigen Menschenmenge. Bei Musik machten wir uns warm und ich war sehr gerührt. Es war ein wahnsinniges Gefühl mit dabei zu sein, denn heute ging mein Traum in Erfüllung - egal auf welchem Platz ich landete. Der Startschuss fiel. Mit großem Gejohle setzte sich die Menge in Bewegung. Meine Angst war weg. Ich wusste, ich würde es schaffen. Es war ein irres Gefühl und unendlich schwer, es zu beschreiben. Nur nicht zu schnell loslaufen, mich nicht mit der Menge wegtragen lassen, denn die meisten Läufer sind am Anfang zu schnell und irgendwann können sie einfach nicht mehr. Doch ich wollte durchkommen - ohne Krämpfe, ohne Erbrechen und ohne Kollaps.

Schon nach drei Kilometern merkte ich, dass ich zu schnell war. Ich versuchte, mein Tempo zu drosseln, es ging mir gut. Die ersten 10 Kilometer lief ich in einer Zeit von 1.00.54 und damit genau in meiner Vorgabe und mein Rhythmus war gut. Nach 2.08.54 hatte ich die Halbmarathonstrecke erreicht. Die ersten Läufer gingen, lagen am Straßenrand oder hatten Krämpfe - mir ging es prächtig. Am Straßenrand wurde ein Volksfest gefeiert und mit jedem Kilometer merkte ich, dass meine Energie und Kraft nachließ. Jetzt begann der eigentliche Marathon und ich fing an, rückwärts zu rechnen. Noch 18, noch 17, noch 10 km. Was sind denn schon 10 Kilometer, das läufst du doch 4 Mal in der Woche! Jetzt begann das, was man wohl Eigenmotivation nennt. Nach 30 Kilometern hatte ich eine Zeit von 3.14.33. Damit war ich sehr zufrieden. Ich konnte es unter 4.30 h schaffen. Aber meine Beine wurden immer schwerer.Ich war nicht mehr in der Lage drei und drei zusammen zu zählen. Ich fing an, mit mir selbst zu reden. Meinen Beinen, meinem Körper gut zuzureden. Es war jetzt wichtig, dass wir alle - mein Körper wie mein Geist zusammenarbeiteten. Und doch wurde es unendlich schwer. Immer öfter ging ich an die Verpflegungsstellen, gönnte mir auch mal eine ,,Laufpause", um nicht die Hälfte des Getränks zu verschütten. Aber dadurch wurde es nicht leichter. Inzwischen war ich bei Kilometer 34 angelangt. Es waren nur noch 8 Kilometer. Theoretisch hätte ich das in 40 Minuten gelaufen, doch jetzt wollte ich einfach nur noch ins Ziel. Jetzt spürte ich meinen Körper überhaupt nicht mehr. Meine Gedanken drehten sich nur noch um Zeit und Kilometer. Ich konzentrierte mich stark auf die Uhr und wusste, alle 6 Minuten war wieder ein Kilometer geschafft. Doch mit jedem Schritt nahmen die Partys am Straßenrand zu und die Stimmung motivierte total. Noch 4 Kilometer und ich verspürte einen Kraftschub. Noch 2 Kilometer und da waren schon die Lautsprecher des Zieleinlaufs und die johlenden Zuschauer. Ich lief und lief, wie wenn ich um mein Leben laufen müsste. Und da sah ich es - das Ziel und die große Uhr und ich freute mich tierisch. Noch 500 Meter und die Menschen am Straßenrand riefen - super genial, fast geschafft. Ich spürte nichts mehr, hatte nur noch das Ziel vor Augen, setzte ein Bein vor das andere....und bin durch, Zeit: 4.33.25 h. Doch meinetwegen könnte die Zeit stehen bleiben , ich habe es geschafft, meinen ersten Marathon und ich bin so stolz, dass ich es nicht beschreiben kann. Sabine Kluzik - protokolliert von Barbara Dickmann

Barbara Dickmann