Den ganzen Tag auf den Füssen wie die Kinder: Das beste Gesundheitsmittel!
Früher sind die Mönche lesend und parlierend durch die Klostergänge gewandelt, um "erleuchtet" zu werden. Schon sie haben gemerkt, dass einfaches Auf- und- ab- Gehen dem Gehirn mehr Sauerstoff schenkt. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf die Denk-fähigkeit aus. Ein strammer Spaziergang kann die Sauerstoffversorgung im Gehirn um 100 % verbessern. "Warum sollten wir dem Beispiel der Mönche nicht folgen und Ähnliches in freier Natur tun?" fragt Dr. Petra Mommert-Jauch. Sie gehört zu den führenden Fachkräften im Bereich wissenschaftlicher Evaluation und Konzepte für den Bereich Gesundheits-sport, insbesondere für Walking und Nordic Walking. Sie ist bekannte TV-Ratgeberin und bekannte ,typisch frau`- Referentin. Und durch die Konzeption neuer Gesundheitsprogramme sowie als Aus- und Fortbildungsreferentin ist sie eine national und international bekannte Expertin.
"Gehen können Sie bereits, trotzdem sollten Sie versuchen, das schnelle Gehen noch etwas bewusster und damit effektiver auszuführen", sagt sie in ihrem neuen Buch "Gesund mit Nordic Walking" (ISBN 978-3-8354-0178-5). Doch darin geht es um viel, viel mehr. Es geht um den Körper, um die Psyche, um die Bewältigung von Stress, um Konzentration, Koordination und Zufriedenheit. Es geht um Herz und Kreislauf, um Knie- und Hüftprobleme, um Athrose, Bluthochdruck, Übergewicht oder Gangunsicherheit. Es geht um die Gesundheit schlechthin, um das bedeutendste Gut des Menschen. Trotz körperlicher Einschränkung oder besser: Gerade bei körperlicher Einschränkung ist Bewegung das A und O. Jeder Schritt trägt erheblich zur Steigerung der Lebensqualität bei. Nordic Walking ist mehr als ein reiner Ausdauersport.
Durch die hohe Schrittfrequenz und die aktive Fuß- und Beinarbeit wird die Beinmuskulatur beansprucht und die Gefäße entlastet. Generell kann Nordic Walking sowohl untrainierten, älteren oder übergewichtigen Personen als auch Menschen mit körperlichen Ein-schränkungen empfohlen werden. Es eignet sich für Herz-Kreislauf-Patienten, Rheumatiker, Venenpatienten, Patienten mit orthopädischen oder psycho-somatischen Beschwerdebildern und für Krebspatienten.
Tja, und zum leidigen Thema "Anti-Aging" hat Petra auch was zu sagen: "Das ist wissenschaftlich gesehen noch völlig ungesichert. Ob die Hormonproduktion geringer wird, weil man älter oder ob man altert, weil die Hormonproduktion geringer wird, ist nicht ungeklärt", führt sie in ihrem neuesten Buch aus. So gibt es viele Anti-Aging-Produkte auf dem Markt, die eher was mit Glauben und Hoffen zu tun haben, als mit wissenschaftlich bewiesener Wirkung.
Was zählt ist folgendes: Man ist so jung, wie man sich fühlt. Das biologisch "gefühlte" Alter kann durchaus ein anderes sein, als das in unserem Reisepass. Fazit für Petra: Die Frage ist also nicht: Was müssen wir einnehmen, eincremen oder per Operation ersetzen, sondern: Was können wir selbst für uns tun, damit wir uns möglichst lange jung und fit fühlen? Die Antwort hat immer etwas mit "Bewegung" zu tun, denn auch die psychischen Wirkungen sind nicht zu verachten.
Nach einem strammen Marsch löst sich so manches Problem im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auf. Man atmet wieder frei und unbeschwert und der Stress von eben hat seine Bedeutung verloren. Sie sind nicht mehr "geladen", sondern "entladen". Außerdem fördern Petras Walking-varianten die Ausschüttung von sogenannten Glücksbotenstoffen. Sie lindern nicht nur die Sorgen, sondern fördern gute Laune. Aus schlechter Energie wird gute Energie.
Und was Thomas Hochmann als "Kraft der Gedanken" bezeichnen würde, nennt die Psychologie "Selbstwirksamkeit". Wenn Sie von Ihrer Fähigkeit überzeugt sind, eine bestimmte Situation erfolgreich zu meistern, oder Ihre Ziele zu erreichen, steigert nachweisbar die Wahrschein-lichkeit, dass Sie sich so verhalten, dass Sie tatsächlich das Erwünschte erreichen. Petras neues Buch behandelt viel, viel mehr, als Nordic Walking, es ist ein zuverlässiger Gesundheitsberater. Ein paar Tipps finden Sie im nebenstehenden Bericht.
Tschüss Herztod
- Petra Mommert-Jauch meint: Bewegung das A und O bei Bluthochdruck -
Bluthochdruck ist maßgeblich an vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzin-farkt oder Arteriosklerose beteiligt. Durch eine Normalisierung des Blutdrucks lässt sich das Sterblichkeitsrisiko um 42 % senken. Durch viele Studien ist jetzt bewiesen, dass körperliche Bewegung von Menschen mit Bluthochdruck (Hypertonikern) sowohl eine akute als auch eine chronische Wirkung zeigt. Die akute Wirkung: Körperliche Bewegung reduziert den Blutdruck bis zu 24 Stunden. Der chronische Effekt: Bei 1200 Patienten wurde nachgewiesen, dass bis zu 80%
aller Bluthochdruckpatienten durch körperliche Betätigung ihren Bluthochdruck entscheidend senken konnten. Der Trainingstipp: Beginnen Sie als Einsteiger 2- bis 3-mal pro Woche 20 bis 30 Minuten mit einer Intensität von 60 % der maximalen Herzfrequenz (gibt es eine Formel, aber auch Tabellen, je nach Alter) zu walken.
Versuchen Sie nach vier Wochen ihr Trainingspensum pro Woche um jeweils 5 Minuten zu steigern, so dass nach ca. 10 bis 12 Wochen Ihre Trainingsdauer auf 60 Minuten erhöht haben. Wichtig ist dabei, dass Sie weiterhin versuchen mindestens 2- bis 3-mal pro Woche zu walken. Bluthochdruck ist kein Schicksal. Mit regelmäßigem Training können Sie diese Krankheit in den Griff bekommen.
Bei Venenproblemen: Venenwalking ist ein ideales Venentraining. Durch die besondere Technik wird das Blut aus der "venösen Sohle" dem tiefsten Punkt unseres Blutsystems -mit Hilfe der Bewegung des Sprunggelenks und der Waden-Muskel-Pumpe nach oben getrieben. Die Wirkung: Durch Venenwalking wird die Muskel-Venen-Pumpe der Beine aktiv, die Muskulatur der Beine gestärkt, die venöse Sohle wechselnd belastet und Blut herzwärts hoch gepresst, die Zwerchfellbewegung durch verstärktes Atmen erhöht, das Venengewebe besser durchblutet, Abfallstoffe besser abtransportiert. Die zunehmende Venenschädigung kann gestoppt werden, Schmerzen gelindert, es kommt zum Rückgang von Ödemen und zu verbesserter Wundheilung.
Die Technik: Versuchen Sie es auf der Stelle und setzen Sie die linke Ferse auf den Boden auf, die Zehen zeigen hoch zum Schienbein. Rollen Sie jetzt den linken Fuß ganz bewusst am Boden bis auf den Fußballen ab. Drücken Sie den Fußballen intensiv in den Boden nach unten als wollten Sie etwas unter ihren Füßen zerquetschen. Dabei strecken Sie das Sprunggelenk, die Ferse wird maximal angehoben. Gleichzeitig setzt der andere Fuß bereits steil mit der Ferse auf den Boden auf und weiter wie oben beschrieben... Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, wenn man den Dreh raus hat.
Setzen Sie die Technik des Venenwalkings maximal über 20 bis 50 Meter oder ca. 2 bis 5 Minuten ein. Venenwalking ist sowohl muskulär als auch koordinativ sehr anstrengend. Entspannen Sie sich zwischendurch immer wieder ganz bewusst, indem Sie normal und locker weiter walken und auch die Waden dehnen. Ideal ist es, wenn Sie im Sommer zusätzlich eine Kneipp-Anlage nutzen oder auch zu Hause Wassergüsse anwenden können. (Quelle: Gesund mit Nordic Walking ISBN 978-3-8354-0178-5).
Barbara Dickmann
