Riesen-Andrang mit guter Laune

Referentin Petra Mommert-Jauch lockt bei `typisch-frau`-Veranstaltung die Massen

Auch auf dem Basar wÀhrend des `typisch-frau`-Events geht es turbulent, aber fröhlich zu.
Bild: S. Przewolka

Schon um 15.30 Uhr gibt es keine ParkplĂ€tze mehr und weitere StĂŒhle mĂŒssen her. Das Markenzeichen etlicher "typisch frau" -Veranstaltungen in den vergangenen elf Jahren. Mein Gott, wir staunen manchmal selbst darĂŒber. "Typisch frau" gibt es jetzt tatsĂ€chlich seit ĂŒber elf Jahren, 52 Mal im Jahr und immer noch von den gleichen Autorinnen. Mal ehrlich, kennen Sie zwei Frauen, die so lange miteinander arbeiten ohne sich gegenseitig die Augen auszukratzen? Vielleicht sollten wir Zwei mal einen Vortrag darĂŒber halten? Nein, nein, nicht heute, denn Sie, liebe Leserinnen und (immer mehr) Leser, die uns die Treue halten und nur so strömen, warten auf Dr. Petra Mommert-Jauch, die mit einem heißen Thema um 16 Uhr den Nachmittag eröffnet:
Balanciertes Denken und Bewegen - ein Beitrag zur LebensqualitÀt, nennt sie ihren Vortrag und hier die wichtigsten Punkte:
Petra geht es um die LebensqualitĂ€t im Allgemeinen, um Anti-Aging, um Pro-Aging und was wir fĂŒr ein langes Leben tun mĂŒssen. Zuerst die schlechte Nachricht: Wissenschaftlich gesehen, gibt es keine Anti-Aging-Produkte die das Leben verlĂ€ngern könnten. Und ob unsere Hormone sich reduzieren, weil wir alt werden oder wir alt werden, weil sie sich reduzieren, ist bis heute ungeklĂ€rt.
Weltweit versuchen Forscher den Geheimnissen eines langen Lebens auf die Spur zu kommen. Studien an MÀusen, Ratten und jetzt auch an Affen zeigen schon Erfolge, allerdings zu einem ziemlich hohen Preis. Man kann sein Leben nur dadurch verlÀngern, indem man nur ein Drittel von dem isst, was man im Augenblick isst. "Bitte verstehen Sie das

nicht falsch", sagt die Diplomsportlehrerin und Lehrbeauftragte der UniversitĂ€ten Karlsruhe (TH) und Konstanz, Inhaberin des ISR-Instituts fĂŒr Sport und Rehabilitation, Buchautorin, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin, Ausbildungsleiterin des Deutschen Walking Instituts und bekannte "typisch frau" -Referentin.
"Das gilt im Augenblick nur fĂŒr die Affen, wir sind noch nicht soweit". Und doch ist die Pharmazie schon in der Phase zu ĂŒberlegen, wie das eine Drittel ohne HungergefĂŒhl zu bewĂ€ltigen ist.
Wie alt wir werden, hĂ€ngt von den unterschiedlichsten Faktoren ab. UngefĂ€hr 50 % sind externe wie ErnĂ€hrung, Medizin, Umwelt. Unsere genetische Ausstattung ist zu 25 % verantwortlich, doch zu 25 % kommt es auf die ersten 30 Lebensjahre an. Je gesĂŒnder und besser Sie sich ernĂ€hrt, bewegt und verhalten haben, desto lĂ€nger leben Sie - egal welche Veranlagung Sie haben. "Was wir unseren Kindern in jungen Jahren mitgeben, das werden sie behalten. Es ist wie eine Rente", sagt Petra. Selbst wenn Sie 20 Jahre lang keinen Sport treiben, werden Sie zur Bewegung irgendwann zurĂŒckfinden, wenn Sie in jungen Jahren viel Bewegung bekommen haben. Eine große Verantwortung, die Eltern, Erzieher, PĂ€dagogen tragen, aber ĂŒberhaupt noch nicht im Bewusstsein verankert ist. Etliche Studien zeigen es deutlich: Gerade junge MĂ€dchen werden zunehmen fauler, haben mit 15 Jahren das GefĂ€ĂŸalter einer 45jĂ€hrigen und die Jungen leider unter Bluthochdruck. Die Folgen sind schlichtweg eine Katastrophe: Denn leben wir in der mehr oder minder stĂ€ndigen Angst vor Brustkrebs, liegt die Bedrohung ganz woanders. Die wirklich entscheidende, tödliche Bedrohung sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
MĂ€nner und Frauen erkranken vergleichbar hĂ€ufig an Herzinfarkt, doch von den jungen Frauen unter 50 sterben doppelt so viele daran als die MĂ€nner. Der Grund liegt auf der Hand: Junge MĂ€dchen sind bewegungsfauler als junge MĂ€nner und das einzigste, was unsere GefĂ€ĂŸe sauber hĂ€lt, ist schlicht und ergreifend Bewegung. "Was Sie fĂŒr ein langes Leben tun können, was absolutes Pro-Aging ist

machen uns ungeliebte Nager vor: Laufen Sie wie die MÀuse. Weibliche MÀuse laufen sechs Kilometer am Tag! Die Fortbewegung ist das wesentliche, was uns fit hÀlt. Und jetzt kommt ein ganz provokativer Satz von Petra: "Sich nicht bewegen, also faul zu sein, macht DICK, DUMM und TRAURIG".
Wow, typisch frau, beziehungsweise typisch Petra. Doch solche SĂ€tze rĂŒtteln auf und machen nachdenklich. Wie Sie aus der bewegungslosen Falle wieder heraus - oder gar nicht erst hereinkommen, berichten wir in der kommenden "typisch frau" , denn das ist eine zweite Folge wert.
In den Augen der Zuschauer ist Nachdenklichkeit zu lesen und so manche von uns denken wohl gerade ĂŒber das kĂŒnftige Bewegungsprogramm fĂŒr unsere Kids nach und den Schwachsinn, die Kinder zum Sport zu fahren! Denn von den ersten dreißig Lebensjahren haben wir zumindest die ersten vierzehn in der Hand. Weiter im Text mit Uli Kirndorfer (siehe nebenstehenden Bericht).

Barbara Dickmann

Das muss ja mal gesagt werden:
Es war einfach wunderbar, gemeinsam Ihnen einen Nachmittag der besonderen Art zu verbringen. Es war faszinierend vier Referentinnen, mit wissenschaftlichem Hintergrund, ĂŒber reine Praxis bis zur fernöstlichen Lehre und mit oft kontroversen Ansichten zu erleben, die Kleiderbilder von Sandra Tröltsch an richtigen Frauen (und keinen magersĂŒchtigen Hungerhaken) anzuschauen, zwischendurch den Ausstellungsraum zu besuchen und etwas leckeres zu Essen. Ganz zu schweigen von der Disco nach 10 Uhr, die den Abend so richtig abgerundet hat. 700 Besucher zeigen, dass wir damit richtig lagen und die ganze Geschichte nach Wiederholung schreit. Sie wird kommen, garantiert im nĂ€chsten Herbst. Vielen Dank, dass Sie da waren und vielen Dank an unsere Referenten und Aussteller, die ohne Honorar so engagiert diesen Tag gestaltet haben.