Sibylle Pfeiffer und ihr Hund. Bild: B. Dickmann
Sie studiert Landwirtschaft, wird Diplom-Agraringenieurin und will hinaus in die Welt. Über zwanzig Jahre lang lebt sie im Ausland. China, Afrika, Asien, Lateinamerika, davon acht Jahre lang in Mexiko City. Dort eröffnet sie ein Sportstudio und kommt mit Pilates, ein systematisches Körpertraining zur Kräftigung der Muskulatur, in Berührung. "Ein Zufall", sagt Sibylle Pfeiffer heute. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und wird noch spezifiziert. Denn Sibylle Pfeiffer lernt Stott Pilates, eine Schule die von Moira Merrithew (deren Mädchenname ist Stott) und ihrem Ehemann Lindsay G. Merrithew gegründet wurde. Moira Merrithew lernte noch bei Romana Kryzanowska, der Ziehtochter von Joseph Pilates (siehe nebenstehenden Bericht).
2005 geht sie wieder zurück in die Heimat, doch ihre Kurs- und Ausbildungs-nachweise, die in Mexiko ausgestellt wurden, werden in Deutschland nicht anerkannt. Da kann ja jeder kommen, ist die Begründung und Sibylle Pfeiffer absolviert in München noch einmal eine Stott-Pilates-Trainer-Ausbildung für An-fänger und Fortgeschrittene. Natürlich ist sie zuerst ziemlich sauer, doch "eigentlich hat es mir sehr viel gebracht", sagt sie im Nachhinein, denn die Ausbildung ist sehr detailliert und hat schon fast therapeutische Ausrichtung. Doch in einem Punkt bleibt sie stur: Sie holt die Leute dort ab, wo sie sich gerade befinden. Ihr Unterricht hängt also von ihrem Klientel ab. Die Übungen sind für die Menschen da und nicht umgekehrt. Pilates muss sich fügen und ist halt manchmal nicht das "Original", sondern eine leicht abgeänderte Form. Heute gibt sie die unterschiedlichsten Kurse in Villingen-Schwenningen, Obere Str. 8 (Tel. 07721-2067978). Sollten Sie also Interesse haben, einfach anrufen und nachfragen.
So, jetzt könnte die Geschichte zu Ende sein, doch genau das Gegenteil ist der Fall, jetzt wird es richtig spannend. Sibylle Pfeiffer bietet in besonderen Seminaren ein "interkulturelles Training" an. Was soll so ein Training, wo wir doch heute schon so viel über die Unterschiede der Kulturen wissen? werden Sie sich vielleicht fragen. "Das ist schon der erste Denkfehler", sagt sie. Wenn es Verständnisprobleme mit Mitgliedern anderer Kulturen - egal ob im täglichen Leben oder bei der Arbeit - gibt, liegt es fast immer daran, dass weder wir noch unser Gegenüber erkennt, dass jeder völlig unterschiedliche kulturell bedingte Verhaltensweisen hat. Wir betrachten,
verhalten und bewerten nur durch die "eigene Brille".
Interkulturelle Kompetenz erlangt man aber nur, wenn man die Unterschiede erkennt, versteht und letztendlich im Umgang mit anderen Kulturen umsetzen kann. Empathie (Einfühlungsvermögen) ist die wichtigste Voraussetzung dafür. Doch wie läuft die ganze Geschichte ab? Sibylle Pfeifer sensibilisiert in Ein-, bzw. Zwei- Tages-Kursen die Teilnehmer durch bestimmte Übungen und Spiele auf kulturbedingte Unterschiede. Sie informiert, problematisiert und produziert letztendlich Lösungen. Kein interkulturelles Training gleicht dem anderen, denn jede Gruppe braucht andere Inhalte. Menschen, die im täglichen Arbeitsleben viel mit anderen Kulturen interagieren müssen, brauchen ein anderes Training als Menschen, die ins Ausland gehen.
Der Erfolg der Zusammenarbeit unterschiedlicher Kulturen hängt oft davon ab, die Stärken und Schwächen des anderen zu kennen. Erst dann kann man sie positiv nutzen. Was Sibylle Pfeiffer unheimlich spannend findet, ist ein interkulturelles Training, an dem Menschen verschiedener Kulturen teilnehmen. "Das ist dann sehr realistisch und man kann gleich Lösungen erarbeiten".
Interkulturelles Training kann das manchmal schwierige Zusammenleben der unterschiedlichsten Kulturen vereinfachen, weil es Bewusstsein für die Probleme des Anderen schafft und die Hintergründe von Verhaltensweisen aufzeigt, die wir dann zumindest verstehen - auch wenn wir sie vielleicht nicht so ohne weiteres akzeptieren können. Sibylles Training hat schon etlichen Pädagogen geholfen und damit auch automatisch den Schülern. Wer ihr Training absolut nicht braucht, sind ihre Kinder. Sie sind im Ausland groß geworden, sprechen drei Sprachen fließend ohne auch nur nachdenken zu müssen und sind einfach offen. Offen für alles, akzeptieren was ist, haben eine völlig andere Sichtweise und ihr zu Hause ist die Welt. Sie gehen dahin, wo es gerade gut für sie ist. Sie bewegen sich völlig frei und mehrgleisig. "Das ist sehr schön, aber auch manchmal schwierig für mich", sagt Sibylle, "denn meine Kinder sind dadurch auch wurzellos und ich sehe sie sehr wenig. Doch dass das so kommen wird, war mir vollkommen klar". Voraussetzung für ein Interkulturelles Training sind mindestens 8 Personen, Kosten: € 50,-- pro Person und Tag.
Was ist Pilates
Pilates ist ein ganzheitlich ausgerichtetes Fitnesssystem, das den Einklang zwischen Körper und Geist herstellen soll. Gearbeitet wird im langsamen, fließenden Bewe-gungsrhythmus. Wichtig ist die Präzision der Bewegung. Dabei wird die Wahrnehmung für den eigenen Körper so sensibilisiert, dass Position, Balance, Haltung und damit die innerkörperliche Harmonie erspürbar werden können. Komplexe Dehn- und Kräftigungsübungen bauen die Tiefenmuskulatur auf, stärken die Körpermitte ohne Zuwachs an Muskelmasse und helfen so stressbedingte Spannungen zu lösen. Bauch- und Rückenmuskeltraining bilden einen wich-tigen Schwerpunkt der Pilates-Methode,
da diese Bereiche als Stützapparat des Körpers für Haltung, Stabilität und Körpergefühl verantwortlich sind. So kann man Rückenschmerzen vorbeugen und ungesunde Haltungs- und Bewegungs-gewohnheiten korrigieren. Pilates stärkt die Muskelelastizität und Gelenkbeweglichkeit und führt so zu einem ausgeglichenen Verhältnis von Flexibilität und Kraft. Obwohl bei der Formung der Muskeln äußerst effizient, ist Pilates so sanft, dass es problemlos auch als Schwanger-schaftsgymnastik eingesetzt werden kann.
Stott Pilates setzt die Arbeit von Joseph Pilates konsequent fort und entwickelt sie ständig weiter, damit den Übenden die beste Betreuung zugute kommen kann. Stott Pilates basiert sowohl auf dem äußerst effizienten Mattentraining als auch auf Geräte, die weitestgehend auf die Originalentwürfe von Joseph Pilates zurückgehen. (Quelle: Fitness-one-on-one). ck.
Daumen hoch: Hop und top
Ihr Chef schickt sie nach China, dann müssen Sie mit den Brasilianern verhandeln...Nicht unproblematisch, doch so weit muss man gar nicht gehen. Denn selbst die Schweizer haben schon andere Macken als wir Deutschen und sagen noch lange nicht das, was sie meinen - oder meinen nicht das, was sie sagen. Und Sie? Sie verstehen nur Bahnhof und Koffer klauen! Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Leben und seine eigene Kultur. Wir werden geographisch, ethnisch, moralisch, politisch, historisch geprägt. Stoßen also verschiedene Kulturen aufeinander, kann es Missver-ständnisse über Missverständnisse geben. Im Wikipedia, der freien Enzyklopädie, fanden wir folgende Beispiele von Verhalten und Gesten und ihre unterschiedliche Auslegung:
Ein aufwärts gerichteter Daumen bedeutet in Europa, den USA und Lateinamerika, insbesondere in Brasilien, "alles in Ordnung", während es in einigen islamischen Ländern als ein unanständiges Zeichen verstanden wird. Daumen und Zeigefinger, die ein O bilden, bedeuten in westeuropäischen Ländern, besonders zwischen Piloten und Tauchern, "alles in Ordnung". In Japan dagegen: Wir können jetzt über Geld sprechen, im südlichen Frankreich bedeutet es das Gegenteil, nämlich: Es gibt nichts ohne einen Wert". In einigen lateinamerikanischen Ländern, Osteuropa und Russland ist es eine unanständige Geste.
In Indien, Bulgarien und Griechenland bedeutet das Kopfschütteln "ja". Wenn man in Afrika südlich der Sahara einer Freundin, die man eine Weile nicht gesehen hat, sagt, sie hätte zugenommen, ist dies ein Kompliment für ihre gute Gesundheit. In Europa, Nordamerika und Australien würde diese Aussage als Beleidigung aufgefasstwerden. Augenkontakt zu vermeiden oder auf den Boden zu starren, während man mit seinen Eltern oder einer höher gestellten Person spricht, ist in Afrika ein Zeichen von Respekt. Im Gegensatz dazu gilt dieselbe Handlung in Nordamerika und dem größten Teil Europas als Signal von unangemessener Scheu oder Unehrlichkeit.
Barbara Dickmann
