Positive Psychologie für seelisches Wohlbefinden

- Vortrag mit Siegfried Schreiber aus Villingen -

Er ist kein Psychologe und kein Psychotherapeut. Er ist nicht wissenschaftsgläubig und schon gar nicht wissenschaftshörig. Im Gegenteil, er ist sehr skeptisch. Er hat erleben müssen, wie furchtbar seelische Krankheit ist und wie sie nahezu den ganzen Menschen zerstört. Siegfried Schreiber aus Villingen und bekannter ,typisch frau`-Referent, litt unter Depressionen, hat etliche Suizidversuche hinter sich und musste viele Jahre auf der ,,dunklen", der therapeutischen Seite der Psychologie leben.
Jetzt, wo er wieder gesund ist, hat er durch seine monatlichen Beratungsstunden für Depressive und deren Angehörige immer noch eine sehr starke Beziehung zum ,,Krebs der Seele", wie manche Experten psychische Erkrankungen bezeichnen. Doch die wichtigste Frage, die ihn lange Zeit beschäftigt hat, lautet: Was ist seelische Gesundheit und wie erlangt man sie?
Seine ureigene, ganz persönliche Antwort hat Siegfried Schreiber gefunden und möchte sie in einem Referat allen Betroffenen und deren Angehörigen und natürlich allen interessierten ,typisch frau`-Leserinnen und - Lesern näher bringen. Gemeinsam mit Dipl.-Pädagoge Michael Nopper, als Leiter des Bildungswerks der Erzdiözese Freiburg, Bildungszentrum Villingen und ,typisch frau,` startet er durch - und bietet zusätzlich vier weitere Themenabende zum Nachdenken, Gedankenaustausch und miteinander sprechen an (näheres siehe Info- Kasten).
Wie seine Antwort lautet, verrät er schon heute: ,,Positive Psychologie, heißt mein Zauberwort", sagt Siegfried Schreiber .Und: ,,Seit ich mich mit der Positiven Psychologie auseinandersetze, habe ich unheimlich viel über seelisches Wohlbefinden gelernt. Jedenfalls sehr viel mehr als in der langen Zeit meiner Krankheit!" Und was er könne, dass können andere auch, vorausgesetzt, sie haben den Willen dazu. Die Weichen für diese neue Richtung wurden schon vor unendlich langer Zeit gestellt. Denn vor ungefähr 2.500 Jahren, in der griechischen Antike, stellt der große Philosoph Aristoteles die Frage: ,,Was ist das gute Leben?" 1998 auf der Halbinsel Yukatan in Mexiko, stellen drei hochkarätige Experten der Psychologie diese bedeutende Frage neu und die Suche nach frischen, wissenschaftlich fundierten Antworten beginnt. Die drei renommierten US-Psychologie-Professoren lassen nicht locker. Tatsache ist, dass sich die Psychologie in den letzten hundert Jahren vor allem auf die ,,dunkle" Seite der menschlichen Existenz konzentriert hat. Die Erforschung seelischer Störungen und ihre Behandlung standen meist im Mittelpunkt psychologischer Gedanken-gänge. Doch was hat die Psychologie bisher zum Verständnis menschlicher

Stärken wie Liebe, Freundlichkeit, Dankbarkeit, Mut, Hoffnung, Freundschaft, Optimismus, Religiosität beigetragen? Die Erkenntnis ist ernüchternd, denn leider ist es nicht allzu viel. Doch dann steigt eine Vision wie eine Wolke vor den Seelen-Experten auf: Sie wollen innerhalb der Psychologie eine Bewegung in Gang bringen, die sich auf die positiven Eigenschaften der Menschen konzentriert und nicht an ihren negativen Wesensmerkmalen herumdoktert und herumtherapiert. Sie haben es geschafft, das Ergebnis liegt vor, die ,,Positive Psychologie" ist eine neue akademische Bewegung geworden und der Renner der psychologischen Bewegung. Martin E.P. Seligmann, Leitwolf dieser neuen Richtung und Bestseller-Autor , formuliert es so: ,,Die Positive Psychologie soll herausarbeiten, was seelische Gesundheit ist, nachdem die Psychiatrie uns gelehrt hat, was seelische Krankheit ist." (Quelle: ,,Der Glücks-Faktor - Warum Optimisten länger leben", Taschenbuch € 8,90) Oder wie es Siegfried Schreiber ausdrückt: ,,Nicht erst dann etwas tun, wenn die Karre schon im Dreck steckt!"
Doch was sich dahinter verbirgt ist kein neuer Aufguss der Methode des ,,Positiven Denkens", kein neues alternatives Heilverfahren aus dem esoterischen Bereich, keine neue Psycho-Mode, die von irgendwelchen selbst ernannten Gurus zum Geld verdienen herbeigezaubert worden ist und vor allem keine neue Richtung der Psychotherapie, die Heilung von seelischen Störungen verspricht; beispielsweise bei Depressionen, Neurosen oder Angsterkrankungen.
Die Positive Psychologie richtet sich auf das Positive im Menschen, die wissenschaftliche Fundierung und die positive Wirkung auf Erleben und Verhalten im Alltag des Menschen. Sie nutzt das Wissen der alten Philosophen für den Menschen von heute, damit er seinen Alltag bejahend gestalten und erleben kann. Sie konzentriert sich auf die Tugenden, Stärken und Ressourcen des Menschen. Sie hat keine Entschuldigungen parat, sondern beinhaltet, dass es für die seelische Fitness sehr wichtig ist, die persönliche Verantwortung für unsere Gedanken, Gefühle, Entscheidungen, Handlungen und die wahrscheinlichen Folgen dieser Handlungen zu übernehmen. Denn nur durch die Veränderung unseres Denkens, unserer Gefühle, unserer inneren Einstellungen, können wir unsere Entscheidungen und unser Verhalten beeinflussen. Sie teilt die Dinge des Lebens nicht nur in schwarz oder weiß, in gut oder böse, falsch oder richtig ein. Die Positive Psychologie weiß um das oft Wesentliche des Dazwischenliegenden. Sie ist eine seelische Hausapotheke für das Wohlbefinden, die die richtige Medizin anbietet, wenn man weiß, wie man sie

anwenden soll.

Möchten Sie ihr Wissen über die Positive Psychologie vertiefen, reicht nicht nur Siegfried Schreibers Referat. Sie sollten auch an seinen Themenabenden zu ausgewählten Forschungsfeldern dieser neuen psychologischen Bewegung teilnehmen. Dort moderiert Siegfried Schreiber den Gedanken- Meinungs- und Erfahrungsaustausch psychologisch Interessierter in einem Kreis von maximal 15 Teilnehmern (siehe Infokasten). Doch vorher der ,typisch frau-`Vortrag am 27. Oktober mit Siegfried Schreiber, Dipl.Päd. Michael Nopper und den beiden ,typisch frau`-Autorinnen.

Reaktionen:
Zwei Leserinnen meldeten sich mit dem gleichen Anliegen zum Thema ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom), über das wir in ,typisch #frau` am 10. Oktober berichteten. Obwohl sie die Problematik eines ADS-Kindes nur zur Genüge kennen, fanden sie sich dort nicht wieder, denn ihre Kinder haben ADS ohne Hyperaktivität. Sie sind nicht überdreht, lieben Körperkontakt, haben Spaß an der Bewegung und sind kontaktoffen. Doch im Grundschulalter häufen sich die Probleme, die Kinder erleben Misserfolge, sind gedrückt, verstimmt und oft schon depressiv. Wie das Leben mit ADS-Kindern ohne Hyperaktivität aussieht, schildert eine Mutter in eine der kommenden ,typisch frau. ck
,typisch frau-`Vortrag
Am 27. Oktober, 19.30 Uhr im Gasthaus ,Jägerhaus`in Villingen, Kalkhofenstraße, referiert Siegfried Schreiber aus Villingen über ,,Positive Psychologie", eine Methode, die zukunftsorientiert, also präventiv arbeitet und den Abschied vom Krankheitsmodell einleiten könnte. In Kooperation mit dem Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg, Bildungszentrum Villingen unter der Leitung von Michael Nopper finden vier weitere Themenabende zum Nachdenken, Gedankenaustausch und miteinander sprechen statt. Und zwar am 8.11. zum Thema: Vergeben/Verzeihen, am15.11. steht das ,,Positives Denken"im Mittelpunkt, am 22.11. ,,Selbstvertrauen" und am 29.11. zum Thema ,,Mut", jeweils dienstags, 19 - 21 Uhr im Gemeindezentrum Münster, Konferenzraum 1. Die Moderation übernimmt Siegfried Schreiber, die Kosten betragen € 20,--, die Teilnehmerzahl ist auf ca. 15 Personen begrenzt - bei großem Bedarf werden Wiederholungstermine angeboten. Auskunft und Anmeldung unter Tel. 07721-51080. Der Vortrag am 27. Oktober ist - wie immer bei ,typisch frau` - kostenlos.

Barbara Dickmann