Wenn Isabella in der Küche wirbelt

- ein ,typisch frau-Abend` vom feinsten -

Die Luft ist lau und der Tag vorbei. Der Computer ist ausgeschaltet und die Kinder vielleicht schon im Bett. Doch der Kopf ist noch lange nicht frei. Noch im Auto und auf dem Weg nach Donaueschingen, kreisen die Gedanken. Ist alles O.K., habe ich nicht irgendetwas vergessen? Was steht Morgen an und war da nicht noch ein Termin, der eingeschoben werden muss? Keine Frage, spätestens um 10 Uhr gehe ich nach Hause, sonst ist die Nacht zu kurz und der nächste Tage im Eimer.
Mitten in Donaueschingen, gleich gegenüber von Rathaus, ist ein kleines, hell erleuchtetes, italienisches Ristorante unser Ziel. Nicht um über irgendwelche Krankheiten oder neue Therapien zu reden, selbst Cellulite lässt uns heute völlig kalt und auch keine Diät soll die neuesten Rettungsringe um die Hüften bekämpfen. Heute wird getratscht und gelästert, über Gott und die Welt geredet, vielleicht über unsere Männer und vielleicht auch über andere Frauen, doch ganz bestimmt werden wir ordentlich essen, denn ,typisch frau` und Isabella Campa, Eigentümerin und Chefin der Küche des Ristorante ,,d`Isabella" laden zu einem typisch italienischen Drei-Gänge-Menü ein.
Schon von weitem ist es nicht zu leugnen, das ,,d `Isabella" kann nur voll bis unter die Halskrause sein, denn dieses Geräusch, dieser Lärmpegel von 60 schnatternden Frauen ist unverkennbar. Und tatsächlich, im Ristorante sind Stühle mittlerweile Mangelware, auf den weiß gedeckten Tischen brennen Kerzen, stehen Blumen und ein Willkommens- Aperitiv. Mmm, was ist denn das? Es schmeckt ein bisschen nach Erdbeerbowle mit Campari und ganz viel nach Italien. Und schon ist das erste Thema da, denn in Italien war schon jeder. Und während wir in die erste Schnatterrunde einsteigen und unsere Stimmen erheben, schuften Isabella und ihr Sohn Antonio in der Küche. Geschäftig eilt sie von Topf zu Topf, rührt mal hier und rührt mal da, greift zum Olivenöl und Oregano und nach den Garnelen, denn als ersten Gang (oder stilecht auf italienisch: Antipasto) gibt's heute exklusiv nur für Frauen: Piatto Ionioco. Und was das ist, sehen wir nach dem ersten Glas Wein. Zucchini, Auberginen, Paprika, Tomaten, Rucola und Garnelen, zubereitet nach original Kalabresischer Art. Ob Isabella wohl noch an ihre Heimat im fernen Kalabrien denkt, wenn sie die typischen Gerichte kocht? Ob sie wohl das Meer mit seiner unendlichen Weite vor sich sieht, die kahlen Felsen und sich in der Hitze der Küche nach einem für unsere Verhältnisse heißen Tag, so richtig wohl fühlt? Denn Isabella ist noch in ihrer Heimat aufge-

wachsen, sie war gerade 18 als sie mit ihrer Familie nach Deutschland zog.
Linda und Serafina, ihre beiden erwachsenen Töchter haben diese Gedanken sicher nicht. Sie haben alle Hände voll zu tun, um 60 Frauen zu bedienen, die nicht nur großen Durst, sondern auch noch mächtig Hunger haben, denn im Schwarzwald wird zu Abend gegessen, wenn die Italiener noch satt vom Mittagessen sind.
Das Gemüse ist nur fein und die Körbe mit hauchdünnem, knusprigem Pizzabrot sind im Nu leer. Doch keine Sorge, Linda sorgt sofort für Nachschub und während wir noch schwärmen von der Vorspeise und überlegen, wie man das wohl hinkriegt, zaubert Isabella den Hauptgang. Ein Lächeln liegt auf ihrem Gesicht, während sie die Auberginen im Ofen überwacht und die Linguine abschüttet. Wussten Sie eigentlich, dass man Liebe auch ins Essen hineinkochen kann? Dass manche esoterisch angehauchten Ernährungs-spezialisten sogar behaupten, dass ein einfaches Brot mit Liebe und mit liebevollen Gedanken an denjenigen, der es essen soll, zubereitet wird, viel besser bekommt, als das tollste Drei-Sterne-Menü, dass ein muffeliger Koch, perfekt nach den neuesten Erkenntnissen zubereitet? Na ja, zugegeben, so ganz erwiesen ist es nicht und Sie können jetzt ruhig sagen, dass das etwas zu abgehoben klingt, doch die Gesichter von 60 Frauen drücken schon viel Wohlgefallen aus, als sie den Hauptgang probieren. Denn vor uns steht, der secondo Piatto, der zweite Gang und zwar: Contorno di Linguine, was Roulade von der Pute gefüllt mit Ricotta-Käse und Spinat bedeutet. Für die Vegetarier gibt es gefüllte Aubergine und bei beiden Linguine als Beilage. Eine Weile ist es sogar fast still, denn das muss man einfach still genießen und selbst Frauen kann man sprachlos machen. In der Küche hat Isabella jetzt einen kleinen Moment Ruhe, denn bis zum Dessert ist erst mal Pause. Dass sie einmal Köchin im eigenen Ristorante wird, hat sie sich wohl nicht vorgestellt. In Italien besucht sie das Gymnasium, in Deutschland arbeitet sie in einer Fabrik und als im Restaurant ihres Mannes der Koch schon nach einem Monat die Segel streicht, steigt sie auch dort noch zusätzlich ein. Isabella arbeitet wie eine Sklavin rund um die Uhr, trotz Kinder und Haushalt. Doch sie schafft es, sich zu lösen, hat die Kraft sich zu befreien, trennt sich von ihrem Mann und führt seit drei Jahren ihr eigenes, kleines Ristorante mit großem Erfolg. Denn ihr Konzept ist einfach: Gutes, selbst gemachtes Essen für kleines Geld. Und

wenn sie Hilfe braucht, springt die ganze Familie ein, was natürlich wirtschaftlich gesehen die ideale Lösung ist. Auch heute ist die Familie da, um zu helfen und eine Freundin um zu singen. Denn den ganzen Abend werden wir mit klassischen italienischen wie deutschen Songs verwöhnt. Doch nach dem Hauptgang werden die italienischen Frauen unter uns so richtig warm. Sie tanzen - mal alleine, mal zu dritt und wenn italienische Frauen einmal tanzen, bleibt kein Auge trocken. Warum haben wir Deutschen nicht so viel Temperament, sondern sind oft hölzern, wie ein Stock?
Essen ist nicht nur satt werden, um zu leben und zu arbeiten - essen ist viel, viel mehr. Beim gemeinsamen Essen in der Familie wird der Tag besprochen, manchmal Probleme gelöst, doch immer die Beziehung zueinander gefestigt. Oft ist das gemeinsame Abendessen der einzige Zeitpunkt am Tag, an dem die Familie komplett beisammen sitzt. In Italien ist Essen ein Ereignis, ein Genuss und ein Italiener würde nie das Billigste kaufen und auf Qualität verzichten.
Isabella hat auch nicht gespart - der Nachtisch Panna Cotta con frutti die bosco oder Sahnepudding mit Waldfrüchten, zergeht auf der Zunge und lässt die Seele baumeln. Habe ich heute Urlaub? Heute Abend bestimmt, es gibt kein Morgen mit tausend Terminen, sondern nur noch einen vollen Wohlfühl-Bauch, gute Laune und Antonio Campa, der jetzt sein Akkordeon herausholt und spielt. Der Abend ist zur Nacht geworden und ich bin immer noch da, die Stimmung könnte nicht besser sein - ein voller Erfolg für Isabella und ihre Familie, die mit glänzenden Augen auf ihre Gäste schauen und sich nur noch freuen. Danke, Isabella für diesen wunderbaren italienischen Urlaubsabend und Dank an Sie, liebe typisch-frau-Leserinnen, die immer mitspielen wenn wir zu einem besonderen Abend aufrufen, der oft das angenehme mit dem nützlichen vereint. In diesem Fall besonders, wir haben alle wunderbar gegessen und so ganz nebenbei eine Frau unterstützt, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hat. Sie waren nicht dabei? Kein Problem, am Dienstag, 5. Juli heißt es wieder: Italienischer Abend für ,typisch frau-Leserinnen` bei d`Isabella, mit dem gleichen Drei-Gänge-Menü zum Sonderpreis von € 19,30. Reservierung unter Tel. 0771/2995 (Dienstag ist ansonsten immer Ruhetag und jeden Mittag gibt es für € 5,80 zwei verschiedene Hauptgänge und wahlweise Salat oder Suppe dazu.

Barbara Dickmann