Dieser Untermieter fliegt auf jeden Fall raus

- "typisch frau" - Vortrag über Schimmelgefahren in Häuser - Hoher Männeranteil und lange Gespräche -

Schimmel-Spezialist Flecki auf vier Pfoten. Bilder: S. Przewolka

Sie sind ein Ort der Geborgenheit. Sie lassen uns aufatmen und durchatmen, in ihnen können wir uns verkriechen, wenn es mal ganz dicke kommt und wild drauflos feiern, wenn das Leben es gut mit uns meint... Die eigenen vier Wände! Was gibt es Schöneres? Egal ob unser Eigentum oder angemietet - wir pflegen sie, wir lieben sie! Und manchmal - leider Gottes - riechen wir sie sogar und dann kann die ganze Geschichte ziemlich eklig werden.
Mittwoch 16. September, 20 Uhr, im Gasthaus Jägerhaus in Villingen. "Typisch frau" lädt ein zu einem kostenlosen Vortrag. Das Thema: Es geht um Schimmel, genauer gesagt, um schlechten Schimmel und Bakterien, der genau dort sein kann, wo er nicht sein sollte. In unserem Wohnzimmer mit der Kuschelecke, gerne ist er auch im Badezimmer, im Schlafzimmer oder in der Küche, im Keller, oder, oder, oder... Mit einem Wort: Schimmeln kann es in der ganzen Wohnung geben, im ganzen Haus, in jeder Etage.
Das Ungewöhnliche zuerst: Ein Referent ist auf den Hund gekommen und unser Männeranteil bei den Zuhörern beträgt über 40 Prozent! Das haben wir in elf Jahren "typisch frau" noch nicht erlebt.
Die Referenten des Abends sind ein gemischtes Doppel auf zwei Beinen und vier Pfoten: Peter Scheu, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Konstanz, Hanno Hör, Parkettleger und ausgebildeter Schimmel-Techniker, seine Frau Sabine und Flecki, ein schöner, schlauer, äußerst wertvoller Schäferhund, der für sein Fressen gerne arbeitet und schon Schimmel riecht, wenn wir noch gar nicht daran denken.
Was Flecki riecht, stinkt uns später oft gewaltig, denn dann kann es richtig teuer werden. "Doch keine Panik" sagt Peter Scheu. Das Vierer-Team will einfach nur sensibilisieren, was es heißt, wenn der Schimmel als Untermieter einzieht. Also: Schimmel ist eigentlich überall zu Hause.

Die Referenten: Von rechts Peter Scheu, Flecki, Hanno und Sabine Hör.

Er liebt das Dachgebälk, Silikon, Raufasertapeten und Schmutz (was nicht bedeutet, dass Sie nicht richtig putzen, wenn Sie Schimmel haben). Er braucht keinen Sauerstoff und kein Licht. Auch bei der Temperatur ist er nicht wählerisch. Es reichen Null Grad oder 10 Grad, 38 Grad schaden ihm nicht und manche Arten können sogar in der Arktis leben. Für ihren Stoffwechsel brauchen sie lediglich ein bisschen Feuchte, Wärme und ein wenig in irgendeinem Material gebundenen Kohlenstoff.
Sie können ziemlich lange ohne Nahrung sein und wachsen sofort wieder, sobald sie entsprechende Bedingungen vorfinden. Und leider, leider ist der sichtbare Teil nur die Spitze des Eisbergs. Lediglich 5 Prozent des tatsächlichen Befalls sind sichtbar, während 95 Prozent irgendwo versteckt lauern. Was auch wieder folgendes erklärt: Nach einem Mieterwechsel ist auf einmal Schimmel da. Warum? Der neue Mieter heizt weniger oder mehr oder anders. Auf diese Chance hat der Schimmelpilz nur gewartet. Er legt los und wächst und wächst.
Es gibt 250.000 verschiedene Pilzarten, die mit Pfifferlingen nichts zu tun haben, 25 Gattungen sind die gängigsten und es gibt sogar zehn Pilzgifte.
Peter Scheu und Hanno Hör haben ziemlich fiese Bilder vom sichtbaren Befall mitgebracht und wie es darunter aussieht, mag man sich gar nicht vorstellen. 30 Zuhörer sind äußerst interessiert und stellen immer wieder Zwischenfragen. Langsam entwickelt sich die ganze Geschichte zu einem Fachgespräch, das einfach nicht enden will. Immer neue Fragen tauchen auf. Doch Peter Scheu scheut die Ferndiagnose - was alle gut verstehen können.
Ist der Schimmel einmal da, will er nicht wieder weg. Ihn loszuwerden kann einen Hauseigentümer bettelarm machen. Und wer oder was nun der Verursacher ist, muss oft vor Gericht geklärt werden. Sind

es Baumängel oder "Bewohnungsmängel"? Kommt der Pilz von einer defekten Regenrinne oder lüftet und heizt der Mieter einfach nicht richtig? "Im Augenblick sind es lediglich 10 bis 15 Prozent Lüftungs- und Heizungsfehler, Tendenz steigend", sagt der Bausachverständige. Doch er sagt auch eins: "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand".
Was alles beim Bauen und Sanieren schief gehen kann, füllt etliche Seiten. Warum das so ist, wird am Schluss, so gegen 23.15 Uhr ziemlich deutlich (Ja, Sie lesen richtig, so begehrt waren die Experten und so wichtig das Thema). Gut ausgebildete Handwerker kosten einfach Geld. Vernünftiges Bauen oder Sanieren dauert seine Zeit. Und ein, vielleicht auf den ersten Blick, ziemlich teurer Schimmelhund kann noch viel mehr sparen, nämlich ziemlich teure Arztkosten. Fest steht durch wissenschaftlich fundierte Studien, dass Schimmel krank macht.

Barbara Dickmann

Kosten
Bei dem Bausachverständigen Peter Scheu ist die Kostenfrage ziemlich einfach. Er berechnet € 75,-- netto die Stunde zuzüglich Fahrtkosten. Kommt Schimmelfachmann Hanno Hör, berechnet er außer den Fahrtkosten und Kilometergeld € 85,-- die Stunde. Steigt jedoch Flecki, der vierbeinige Partner mit der kalten Schnauze aus dem Auto, wird das anders berechnet - und zwar nach qm. Herrchen und Hund gemeinsam € 2,30 pro qm, was bei einem 100 qm Haus € 230,-- netto, zuzüglich Fahrtkosten ausmacht. Info unter www.schimmeltechnik.de oder über Tel. 0771-1713858. ck

Tipps gegen Schimmel
Viele Schimmelpilze lieben Essigsäure, das bringt also gar nichts. Hören Sie auf Ihre Frau, wenn es um den Geruch geht. Frauen riechen viermal besser als Männer und wenn sie schwanger sind sogar achtmal. Das Finster zu kippen ist kein Lüften, ganz im Gegenteil. Also Fenster richtig aufreißen und stoßlüften - mindestens 5 Minuten. Kalte Schlafzimmer und warme Wohnzimmer fördern Schimmelbefall. Niemals unter 15 Grad heizen, lieber etwas mehr. Luftfeuchtigkeit einfach mal messen, Schimmelpilze lieben 65 - 85 Grad. Nicht zu viele Topfpflanzen haben und Wäsche nicht in der Wohnung trocken. Schon vor dem Immobilienkauf kann Flecki, der Schimmelhund hilfreich sein. Lassen Sie mehr Luft an Ihre Wände - einfach mal die Möbel etwas wegrücken. ck.