Was sich alle wünschen

Urte Skorinski schreibt über erfüllte Sexualität Tipps für das Abenteuer einer Zweisamkeit

Dr. Urte Skorzinski schreibt in ihrem Buch über erfüllte Sexualität
Bild: B. Dickmann

Donaueschingen :Träumen Sie auch manchmal ohne zu schlafen. Vielleicht von einer heilen Welt, von etwas mehr Wohlstand, einigen Pfunden weniger, dem nächsten Karrieresprung oder einem eigenen Haus? Dr. med. Urte Skorzinski, Mitte 40 aus Donaueschingen, von Beruf Gynäkologin, Referentin, Buchautorin, hat einen ganz besonderen Traum. Er handelt von einem Thema, mit dem wir heute tagtäglich bombardiert werden und es trotzdem anscheinend nicht in den Griff bekommen. Es geht um die Sexualität. Genauer gesagt, um eine erfüllte Sexualität, eine Sehnsucht, die viele Paare im Verborgenen in sich tragen, doch deren Umsetzung ein Leben lang nicht schaffen. Warum das so ist und wie man es ändern kann, fasst Urte Skorzinski in ihrem neuesten Buch zusammen: FrauSein MannSein in Balance, Kraft und Schönheit in der Körpersprache (ISBN: 978-3-8370-4932-9) das 2009 verlegt wurde. Ihr Buch endet mit ihrem Lieblingstraum. Einem Tagtraum, der in wunderbarer Weise zusammenfasst, was sie mit ihrem sehr klar geschriebenen und doch sehr fein formulierten Buch erreichen möchte. Hier ist er:
"Ich habe den Traum, dass wir lernen können, unsere Ängste, Enttäuschungen und Verletzungen, die uns blockieren, und auch unsere einengenden Konzepte loszulassen. Dass wir verzeihen und neu auf den anderen zugehen, unsere Augen öffnen für das, womit wir den anderen verletzt, in seinen Gefühlen missachtet und abgewertet haben. Dass wir dies erkennen, anerkennen und uns dafür entschuldigen und daraus für die Zukunft lernen. Dass wir auf diese Weise anfangen, uns neu zu öffnen, neu aufeinander einzulassen - immer wieder in Freiheit, ohne den anderen besitzen zu wollen oder zu besitzen. Und dass wir lernen, den Raum der Lust jenseits von Scham und Tabu zu betreten. Dass nicht nur unsere Körper sich dabei berühren, sondern gleichzeitig auch unsere Worte, Gedanken und Gefühle.

Dass wir in diesem Austausch und in diesen Berührungen unsere eigene Natürlichkeit und Schönheit entdecken und die des anderen. Dass wir wagen, unsere Vielfältigkeit zu entdecken und zum Ausdruck zu bringen und dabei auch Achtsamkeit dem anderen gegenüber zu bewahren. Dass wir lernen, Geist, Körper und Seele im Akt der Liebe und der Lust miteinander zu verbinden, indem unser Körper lernt, sich frei zu bewegen und wir unsere Gefühle und Gedanken dabei gleichzeitig auszusprechen wagen. Dies alles eingebettet in eine Atmosphäre der Achtsamkeit und Wertschätzung, der Verbundenheit, der Sinnlichkeit und der Ehrlichkeit. Es entspricht unserer eigenen Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit. Es stillt unsere Sehnsucht nach Lust und Erweiterung. In dieser Natürlichkeit ist alles erlaubt und wir finden alles: Gehalten werden und Halt schenken. Tiefe und Lust, Geborgenheit und neugieriges Entdecken. Es ist mehr als wir uns vorstellen können. Es ist eine Quelle der Kraft und es stillt unseren tiefsten Hunger, und mit dieser Energie genährt, können wir uns den größeren Herausforderungen des Lebens stellen. Möge dieser Traum wahr werden!" Sie merken es deutlich, es geht hier nicht um platte Ratschläge, um irgendwelche Techniken oder Medikamente. Der Gynäkologin geht es um das tiefe Verständnis für die Andersartigkeit. Denn Männer und Frauen sind nicht gleich. Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus, was nicht bedeutet, dass irgendeiner von beiden wichtiger oder unwichtiger ist. Ganz im Gegenteil, gerade diese Verschiedenartigkeit ist schön und kraftvoll. Nehmen wir sie wie selbstverständlich an und entwickeln daraus ein neues Selbstbewusstsein, ist das eine gute Grundlage, um eine Beziehung dauerhaft, kraftvoll, lebendig und anziehend zu gestalten. Vielleicht ist das der Weg und nicht die Trennung, oder die Suche nach dem Prinzen auf dem weißen Pferd.
Urte Skorzinski, Jahrgang 64, ist eine ungewöhnliche Frau. Sie steigt gerne in Tabu-Themen ein und ist keine Unbekannte. Ihr erstes Buch "FrauSein und Krebs", das sie 2006 im Eigenverlag herausbringt (ISBN 978-3833442780) greift gleich zwei Tabu-Themen auf - Krebs und Sex. Bereits in 2002 hält sie für pro familia Villingen und in Zusammenarbeit mit `typisch frau`, zwei Vorträge, die einschlagen wie eine Bombe. Erstes Thema: Weibliche Sexualität - ein Vortrag nur für Frauen. Wir sitzen mit über zweihundert Geschlechtsgenossinnen aller Altersklassen dichtgedrängt, um uns zu informieren, um über unsere Probleme zu sprechen und Lösungen zu suchen. Zweites Thema: Weibliche Sexualität - ein Vortrag nur für Männer! Das kann nur ein Reinfall werden, denken wir und rechnen mit 10 Männern (zwei davon sind unsere, die sich auch nicht gerade freiwillig auf den Weg machen).

Die Überraschung: Es kommen über zweihundert - von 18 bis 68! Für uns der Beweis, dass unsere Männer genau das gleiche suchen wie wir: eine erfüllte Sexualität, ein Abenteuer in der Zweisamkeit, das auch noch nach vielen Jahren lebendig ist. Wie gesagt: Urte Skorzinski hat einen Traum! Träumen Sie doch einfach mit - oder noch besser: arbeiten Sie daran, dass dieser Traum Wahrheit wird.

Was die Lust beeinflusst:
Nicht nur Hormone, auch die Psyche spielt in unserer Lust eine große Rolle. Angst vor Schmerzen blockiert sie total und Unsicherheit lässt sie erlahmen. In Situationen, die uns viel Kraft kosten, versiegt die Lust, wie in Zeiten hoher beruflicher Anforderung oder in Zeiten schwerer Schicksalsschläge. Auch mit zunehmendem Alter lässt sie nach. Wenn wir darauf warten, dass sie irgendwann wieder an die Tür klopft und wir sie nur hereinlassen müssen, können wir womöglich ewig warten. Urte Skorzinski vergleicht diese Zeiten gerne mit dem Joggen nach der Winterpause. Man weiß noch, dass es früher gut getan hat, aber Lust mit dem Joggen anzufangen, hat man keine. Da hilft nur die Erinnerung und sich aufzuraffen und es wieder zu tun. Aber mit der Zeit wird es besser und es fängt wieder an Spaß zu machen. So kann es auch mit der Lust ergehen. Die körperliche Sehnsucht danach, so wie früher, spüren wir nicht, aber wir wissen noch: Früher hat uns das gut getan, Spaß gemacht. Und dann müssen wir uns einen Anstoß geben, eine schöne Atmosphäre schaffen, den anderen mit einer sanften Massage verwöhnen und erleben, wie sich beim gegenseitigen Verwöhnen die Freude an der Körpersprache der Lust wieder einstellt. Liebe und Lust ist nicht einfach da, sie will immer wieder neu geschaffen werden. (Quelle: FrauSein MannSein in Balance, ISBN 978-3-8370-4932-9).

Barbara Dickmann