KrĂ€uter-Expertin Betty Sobiech fasziniert die Zuhörerinnen bei ihrem Vortrag fĂŒr "typisch frau" nicht nur mit ihrem Wissen, sondern brachte auch einen frischen WiesenkrĂ€uter-StrauĂ zum Anschauen mit.
Es beginnt vor langer, langer Zeit. WĂ€hrend die MĂ€nner auf die Jagd gehen, sammeln die Frauen FrĂŒchte und KrĂ€uter. Schon damals haben wir Frauen den Blick dafĂŒr und leben in einer sehr engen Verbindung zur Natur. Auch in spĂ€teren Kulturen sind Mensch und Heilpflanze, Botanik und Medizin praktisch dieselbe Wissenschaft. Aus den sammelnden, erfahrenen Frauen werden im Mittelalter "Hexen" - hochangesehene, weise Frauen. Doch HeilkrĂ€uter sind gleichzeitig unausweichlicher Bestandteil der Magie, der Zauberkraft, des Aberglaubens schlechthin. Aus der weisen Frau wird durch den Einfluss der Kirche ein böser, weiblicher Geist, der mit dem Teufel im Bunde steht und ĂŒber magische, ĂŒberaus schĂ€dliche KrĂ€fte verfĂŒgt. Parallel dazu werden in ganz Europa im sechzehnten Jahrhundert in den Mediziner-Schulen erste, botanische GĂ€rten zum Studium "lebender" Pflanzen errichtet.
Der Hexenglaube steigert sich immer mehr zum Hexenwahn - vom vierzehnten Jahrhundert an werden Frauen wegen ihrer besonderen FĂ€higkeiten und ihres Wissens als Hexen verteufelt, verfolgt und oft auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Kaum vorstellbar, dass die letzte Hexen-Hinrichtung noch 1793 in Posen stattgefunden haben soll! Gott sei Dank hat man nicht alle erwischt, denn am 5. Juli treffen sich mindestens neunzig unmittelbare Nachfahren, um einer ganz besonderen Hexe zuzuhören. Betty Sobiech, ausgebildete Heilpflanzenexpertin oder Super-KrĂ€uterhexe ist ins Gasthaus "JĂ€gerhaus" in Villingen gekommen. Ihr Thema: Heilpflanzen! Ihr ganz spezielles Thema: Frauenheilkunde unterstĂŒtzt mit Heilpflanzen. Oder anders gesagt: Egal ob PubertĂ€t, Kindererziehungszeiten oder Wechseljahre, egal ob seelische oder körperliche VerĂ€nderung, egal ob gereizt oder traurig - fĂŒr jeden Lebensabschnitt und fĂŒr jede Begleiterscheinung ist ein Kraut gewachsen. Das Wichtigste vorneweg: Es ist nie zu spĂ€t sein Leben umzustellen, es umzuwandeln und sich neu zu finden - Alchemilla vulgaris, Frauenmantel, hilft beim Wandel. Und: Bei
Krankheit steht die Diagnose an erster Stelle, HeilkrÀuter ersetzen keine Medikamente (obwohl eine ganze Reihe von wirksamen Medikamenten aus Pflanzen stammen oder aus pflanzlichen Stoffen weiterentwickelt wurden). Und doch sind HeilkrÀuter eine Alternative zur Schulmedizin, die auch ihre Grenzen hat. Wer HeilkrÀuter nimmt, schöpft aus dem Erfahrungsschatz vieler Generationen.
Denn dieses natĂŒrliche Heilmittel ist ideal fĂŒr die vorbeugende Gesundheitspflege und fĂŒr Menschen, die auf die bequeme Tablette verzichten wollen, aber bereit sind, sich lieber Tag fĂŒr Tag einen Tee zu kochen, eine Tinktur zu erstellen oder sogar selbst ĂŒber Feld, Wald und Wiese gehen und einzusammeln, was die Natur zu bieten hat. An diesem Abend will Betty Sobiech nur eine TĂŒr aufstoĂen, denn mehr geht auch nicht. Selbst nach zwanzig Jahren intensiven Lernens kennt sie nicht alle Heilpflanzen. Wie soll sie auch? Bis heute gibt es mehr als 400 StudiengĂ€rten auf der ganzen Welt, in denen die heilende Wirkung der KrĂ€uter erforscht wird.
FĂŒr Betty wirkt eine Pflanze auf drei Ebenen: Auf der rein körperlichen, der geistig spirituellen und der feinstofflichen. Doch sie wirkt nicht sofort. Erwarten Sie keine Wunderheilung - oft dauert es drei bis sechs Wochen, bis Sie eine Besserung verspĂŒren. Doch wenn Sie die Wirkung erhöhen wollen, nehmen Sie sich Zeit fĂŒr ein besonderes Ritual: Trinken Sie den Tee nicht zwischen TĂŒr und Angel, das ist Ihre Viertelstunde. GenieĂen Sie ihn, gönnen Sie sich eine kleine Auszeit in der Hektik des Alltags.
Und wenn Sie keinen grĂŒnen Daumen haben, keinen Garten oder wirklich keine Lust, durch Feld und Wiese zu laufen und nach KrĂ€utern zu suchen, dann schaffen Sie es bestimmt bis zur nĂ€chsten Apotheke. Hier gibt es nicht nur Tees und pflanzliche Arzneimittel (Phytothera-peutika), die das pflanzliche "Material" ausschlieĂlich in Form der Gesamtpflanze bzw. von Pflanzenteilen oder AuszĂŒgen verwenden, es gibt auch eine kompetente Beratung. Kompetente Beratung erfahren unsere Zuhörer am 5. Juli fast drei Stunden lang. Betty Sobiechs Vortrag wird zum intensiven GesprĂ€ch, zum Frage- und Antwortspiel. Neunzig Hexen, von jung bis jung geblieben bis zur weisen Frau, sind begeistert, denn Betty Sobiech ist eins - sie ist absolut authentisch. Einige Tipps finden Sie im untenstehenden Bericht.
Gut fĂŒr Körper, Geist und Seele
Tipps von Betty Sobiech:
Im Leben einer Frau kommen immer wieder wichtige Lebensabschnitte, die körperliche wie seelische VerĂ€nderungen mit sich bringen. Gereiztheit und traurige Zeiten sind normale Begleiterscheinungen. Die Produktion des Hormons Ăstrogen
lÀsst ab dem 35sten Lebensjahr deutlich nach. Unangenehme Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen, trockene Schleim-hÀute, Herz/-Kreislaufstörungen und Oestoporose, Depressionen, Antriebs-schwÀche und AngstzustÀnde können auftreten.
Hier bietet die Phytotherapie eine Vielzahl von helfenden Pflanzen an und zwar: Frauenmantel, Salbei, Hopfen, Brom- und HimbeerblĂ€tter, schwarze Johannis-beerblĂ€tter, Traubensilberkerze, SĂŒĂholz-wurzel, Ginseng. Auch sollte die Leber unterstĂŒtzt werden, da sie fĂŒr den Ăstrogenhaushalt verantwortlich ist. Nehmen Sie die Samen der Mariendistel, zerkauen Sie sie gut oder zermahlen Sie sie mit der PfeffermĂŒhle.
Auch Löwenzahn, Schafsgabe, Arti-schocke, sowohl als WildgemĂŒse, Frischpflanzensaft oder aber als Tee eingenommen, zeigen gute Wirkung. In Sojaprodukten und HĂŒlsenfrĂŒchten sind Phytoöstrogene enthalten, die unser Körper wie das eigene Ăstrogen verwenden kann. Dazu gehören: Karotten mit Schale, Bohnen, natĂŒrlich alle Sojaprodukte, Sesam, Granatapfel, Rhabarber, schwarze Johannisbeere, Heidelbeere, Brombeere. Nehmen Sie mineralstoffhaltige Pflanzen als WildgemĂŒse oder Tee zu sich. Beispiel: Beinwell, Löwenzahnwurzel, Acker-schachtelhalm.
Heilpflanzen, die unsere Psyche positiv beeinflussen, nennt man Seelenpflanzen. Beispiel: Johanniskraut, Passionsblume, Melisse, Hopfen, Baldrian, Lavendel, Rose, Engelwurz können Sie als Tee, Likör oder Wein einnehmen. Erwarten Sie keine Wunder, sie wirken erst nach lĂ€ngerer Einnahmezeit. Gegen Hitzewallungen helfen: Salbei, WeiĂdorn, Steinklee als Waschungen oder Tee.
Heilpflanzen können die Geburt erleichtern und schwangere Frauen unterstĂŒtzen. Brennnessel, wirkt anregend auf die Nieren, fördert die Eisenresorption, Frauenmantel die hormonelle Unter-stĂŒtzung. HimbeerblĂ€ttertee fördert die Gewebeauflockerung des kleinen Beckens und aktiviert die Darmschleimhaut. Wichtig: Erst 6 Wochen vor dem Geburtstermin nehmen. Johanniskraut stĂ€rkt die Nerven, Melisse beruhigt, Schafgabe unterstĂŒtzt die normale Blutgerinnung und entkrampft. Zinnkraut (Ackerschachtelhalm) wirkt anregend auf die Nieren.
Generelle Empfehlung: Auch gegen HeilkrĂ€uter kann man allergisch sein, kaufen Sie sich ein Buch oder besuchen Sie ein Seminar. (Betty Sobiech bietet eine ganze Reihe zu unterschiedlichen Themen und fĂŒr Erwachsene ebenso wie fĂŒr Kinder an, Infos unter Telefon 07724/ 918839,
E-Mail: Achillea6@gmx.de, Homepage: www.naturerlebniswerkstatt-kraeutermuehle.de). Denn nicht alles, was aus der Natur kommt, ist vertrÀglich.
Barbara Dickmann
