Kochen - ein Fest für alle Sinne

- Pädagogin Renate Storch: Mit Kindern in der Küche fängt das Leben richtig an -

Starke Nerven und kein Putzfimmel sind gefragt, wenn Sie mit Ihrem Kind kochen. Foto: fotolia

Kinder haben ein natürliches Hungergefühl. Sie werden nicht mit der Vorliebe für Pommes Frites geboren, sind ausgesprochen neugierig und immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. "Kochen Sie mit Ihren Kindern", sagt Renate Storch, "denn beim Kochen lernt man für das Leben!" Zugegeben, das klingt jetzt etwas übertrieben und doch ist eine Menge dran an dieser These. Kochen strengt an, Kochen ist richtig Arbeit mit allen Sinnen. Und Kochen ist ein Fest für alle Sinne: Sie Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken. Ihr Kind konsumiert nicht nur, es lernt so nebenbei, dass nicht alles im Leben Spaß macht und kann den Erfolg der Anstrengung förmlich auf der Zunge zergehen lassen.

Kochen verbessert die motorischen Fähigkeiten, Kinder lernen selbständig zu arbeiten und müssen sogar eine gewisse Verantwortung übernehmen. Beim Kochen müssen sie lesen, schreiben, rechnen, erlernen Verständnis für elementare Zusammenhänge. Planmäßiges Arbeiten schafft Sicherheit, Ihr Kind lernt, sich an gewisse Regeln zu halten und übt zum ersten Mal, im Team zu arbeiten. Selbst Kochen und danach gemeinsam zu Essen, heißt von Anfang an aktiv dabei und bereit zu sein, eine Leistung zu bringen und nicht darauf zu warten, dass die gebratenen Tauben von alleine in den Mund fliegen.
Ursula Storch, Jahrgang 43, verheiratet, zwei Kinder, drei Enkel, Studium Biologie, Chemie, Physik, Promotion Biologie, Realschullehrerin, 13 Jahre im Schuldienst, Ausbildung zur Meisterin der Haus-wirtschaft und Fachfrau für Kinder-ernährung, Dozentin an Volkshochschule und Pädagogischer Hochschule Heidel-berg, geht sogar noch weiter: "Sie sind das Vorbild für Ihre Kinder.
Leben Sie Ihre Werte beim Kochen vor. Ist Ihnen die Nahrungsvielfalt wichtig, der Zugang zur Natur, Ökologie und/oder Ökonomie? Sauberkeit und Ordnungssinn! Es gibt nichts, was Sie nicht aktiv angehen können!" Wie bei allen gemeinsamen Aktionen erfahren die Kinder Geborgenheit und Zuwendung. Nebenstehend einige praktische Tipps.

Hier die Vorschläge zur Verbesserung der Ernährungssituation von der Pädagogin Dr. Renate Storch aus Heidelberg, die sich an alle richten:
- Regelmäßig essen, keine Mahlzeiten auslassen und erst recht nicht, wenn Sie abnehmen möchten

- Familienmahlzeiten so oft wie möglich, sie sind besonders für die Sozialkompetenzen von großer Bedeutung
- Ist das nicht möglich, sollten Versorgungsbetriebe ein Ort des Lebens-alltags werden, an dem gut gegessen wird
- Den Verbraucher aufklären und unterstützen und nicht maßregeln, wenn er immer zur Tiefkühlpizza greift
- Die Nahrungsmittelindustrie sollte ihre Werbung zumindest für Kinder massiv einschränken
- Mit Aroma- und Zusatzstoffen versehene Lebensmittel, die die Geschmacksprägung irritieren, werden verboten
- Transfettsäuren in Lebensmittel (z.B. Margarine) sind in Deutschland erlaubt, in Amerika schon verboten, da gesundheits-schädlich, warum hier nicht?
- Cerealien (Sammelbegriff für verschiedene Getreideprodukte wie Müsli) mit einem Zuckergehalt bis zu 50 % dürfen nicht in den Handel gebracht werden
- Politiker haben dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Richtlinien durchgesetzt und kontrolliert werden
- Ernährungslehre und Hauswirtschaft müssen im Lehrplan aller Schularten verankert sein
- Jeder sollte seine Vorbildfunktion akzeptieren. Erzieher müssen Vorgaben machen, Grenzen setzen und Reibungsflächen bieten, um Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen. Sie müssen sich Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen und geschult werden, um neben den körperlichen Bedürfnissen auch die sozialen und psychischen Funktionen von Mahlzeiten zu vermitteln - also Esskultur
- Hausarbeit im weitesten Sinne muss sich auch finanziell lohnen

Barbara Dickmann