1996 wurden in einer repräsentativen Auswahl knapp 5.000 in Privathaushalten lebende Deutsche im Alter von 40 bis 85 Jahren interviewt. 2002 wurden alle Teilnehmerinnen der ersten Befragung erneut aufgesucht und befragt. An dieser Zweiterhebung nahmen ca. 1.500 Personen im Alter von 46 bis 91 Jahren teil. Zusätzlich wurden erneut rund 3.000 Personen im Alter von 40 bis 85 Jahren befragt, um eine vergleichbare Analyse mit den 1996 40- bis 85-jährigen zu erhalten. Und zum ersten Mal wurden etwa 600 ausländische Personen mit Wohnsitz in Deutschland befragt. Umfangreiche Fragen zu beruflicher und nachberuflicher Lebenssituation, ihren Familienbeziehungen, ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ihren Vorstellungen und Lebensentwürfen im Alter wurden gestellt. Erste Ergebnisse liegen in Kurzberichten vor, der zusammenfassende Endbericht wird im Laufe dieses Jahres zu erwarten sein.
Hier einige Fakten: Mit ihrer Wohnsituation sind fast alle Menschen dieser Alterklasse zufrieden. Mehr als 84 % geben sogar die Note ,,sehr gut" und lediglich 4 % der 40- bis 85-Jährigen sprechen von einer schlechten oder sehr schlechten Wohnsituation. Bleiben sie deshalb so viel zu Hause? Denn fragt man nach Tätigkeiten, egal ob sie produktiv oder lediglich mit Einkäufen verbunden sind, zeigt sich fast durchweg ein deutlicher Rückgang, je älter die Menschen werden. Ein Viertel der 70- bis 85-Jährigen ist denn auch die ganze Woche über und den ganzen Tag zu Hause. Einzige Ausnahme: Kleine Spaziergänge oder kurze Einkäufe. Doch auch bei den 55- bis 69-Jährigen liegt dieser Anteil schon bei 14 %. Man findet die Alten weder in Seniorenbeiräten oder -Akademien und auch nicht in Weiterbildungs- oder Selbsthilfegruppen, denn hier liegt der Anteil der älteren Mitglieder gerade einmal bei 3,5 % und der Anteil der Aktiven (Alten) bei nur 0,8 %. Immer größere Bedeutung im Alter erlangt der Fernseher, sowie das Lösen von Kreuzworträtseln oder sonstigen Denksportaufgaben. Stark ist die Gruppe der ehrenamtlich Engagierten. Ca. 22 % der 40- bis 54-Jährigen und über 13 % der 55- bis 69-Jährigen arbeitet in Sportvereinen oder geselligen, religiösen oder wohltätigen Organisationen und allein 27 % der 55- bis 69-Jährigen hüten mehr oder weniger regelmäßig die Enkelkinder. Auch die Pflege einer Person, die nicht zur Familie gehört wird von 22 % der 55- bis 69-Jährigen und sogar von 28 % der 70- bis 85-Jährigen ehrenamtlich übernommen. Ganz davon abgesehen, dass die Pflege des eigenen Partners, wenn sie nötig wird, oft ein ,,rund um die Uhr" - Job ist. Das Geld liegt eindeutig in Händen der älteren Generation. Erwachsene Kinder müssen nur in Ausnahmesituationen für ihre Eltern aufkommen, die Älteren können im Gegen-
teil aus ihren laufenden Einkünften oder ihrem Ersparten den Kindern aushelfen. Insgesamt sind die Ergebnisse des Alters-Survey äußerst positiv und nicht dazu angetan das heutige Alter zu dramatisieren. Auch für die nähere Zukunft sind die Alten von Morgen nicht dramatisch schlechter gestellt. Ganz im Gegenteil: Sie haben ein höheres Ausbildungsniveau, eine bessere Gesundheit und - zumindest bislang - eine Menge Geld zur Verfügung. Was die stetige Zunahme der Altern für die Gesellschaft bedeutet, welche finanziellen Belastungen auf den Sozialstaat zukommen und welche Folgen das wiederum auf die direkt betroffenen Älteren hat, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Wir sind heute länger jung und früher alt. Bis 35 zählt man als ,,Jugendlicher", kann man in den Jugendgruppen aller Parteien tätig sein, doch ab 45 ist man dann schon ,,älterer Arbeitnehmer", ab 50 gilt man schon als ,,zu alt" und hat wenig Berufschancen und ab 55 wird man zu den Senioren abgeschoben - obwohl man weit gesünder und kompetenter ist als es unsere Eltern und Großeltern waren. Doch Ursula Lehr sagt es in ihrer Untersuchung ,,die Jugend von gestern und die Senioren von heute" ganz deutlich: ,,Wir brauchen das Wissen, die Erfahrung, die Übersicht, die besonderen Problemlöse-Fähigkeiten der Älteren, die gleichzeitig sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen erfassen und soziale Verknüpfungen erkennen".
Während alternde Männer oft nach Beendigung ihres Arbeitslebens nicht so recht in die Gänge kommen und einen Durchhänger haben, überprüfen gerade die Frauen alte Muster und Werte und überlegen sehr genau, wie sie ihre zweite Lebenshälfte verbringen möchten. Psychologen betrachten diesen Lebensabschnitt als denjenigen, in dem Frauen ihr Selbstbewusstsein am stärksten entwickeln. Schaffen sie es, sich den Veränderungen in der Mitte des Lebens zu stellen, statt sie zu verdrängen und liebevoll aber konsequent dem Partner die eigenen Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen, gehen sie als gestärkte Persönlichkeit daraus hervor ohne die Partnerschaft in Frage zu stellen. Was bei unserem neuen ,typisch frau` - Treff herausgekommen ist, lesen Sie im nebenstehenden Bericht.
Erster typisch frau-Treff für Frauen ab 55plus - Wenn der Mann auf den Keks geht -
Spricht man mit älteren Frauen, die ihr aktives Arbeitsleben hinter sich haben, hört man das Wort ,Langeweile` selten. Da ist immer noch der Haushalt zu erledigen, lang gehegte Wünsche werden erfüllt, vielleicht endlich der Sprachkurs besucht, für den so viele Jahre keine Zeit war. Doch ist dann auch der Mann zu Hause und so plötzlich von Heute auf Morgen, sieht die ganze Geschichte auf einmal anders aus. ,,Jetzt
machen wir es uns so richtig schön und gemütlich", ist ein beliebter Spruch und was der langjährige Intensivsozialpartner damit meint, lässt manche Frauen erschaudern. Zuerst einmal wird Hand an den Haushalt gelegt, doch das natürlich nur bildlich gesprochen, denn die Krone der Schöpfung übernimmt lediglich die Organisation, gibt gute Ratschläge und weiß natürlich viel, viel besser, wie man Betten bezieht, die Spülmaschine einräumt oder Staub saugt. Manchmal rafft er sich auf und geht einkaufen und deckt auch schon mal den Tisch, doch dann reicht`s ihm mit der Hausarbeit. Und sind sie aktiv - dann aber richtig: Beim Radfahren immer vorneweg, beim Ski alpin ist kein Hang zu steil und sollten sie tatsächlich schon am zweiten Urlaubstag schlapp machen, dann liegt das am Schnee oder an Gott und der Welt, doch bestimmt nicht daran, dass sie sich einfach überschätzen und es etwas langsamer angehen sollten. Dass ihre Frauen auch noch nach zwei Wochen fit sind, weil sie genau das tun, nämlich einfach und vorsichtiger sind und an ihr Alter denken, ignorieren sie schlichtweg. Manchmal geht das ganz schön auf den Keks, doch noch schlimmer ist es, wenn man(n) gar nichts tut, immer träger wird und seiner Frau hinterher rennt. Keine Frage, Männer sollen Hobbys haben, nicht so bequem sein und auch mal etwas Neues ausprobieren. Und vor allen Dingen sollten sie bereit sein, ihre Frauen gehen zu lassen, denn die brauchen oft genug einfach Zeit für sich selbst und ihre Aktivitäten. Oft geht das nicht ohne Kampf und das ist eigentlich schade, denn ein Partner sollte Kraft schenken und nicht Kraft kosten. Fünf Frauen erscheinen zu unserem neuen ,typisch frau` - Treff am Mittwoch im ,Gasthaus Jägerhaus` in Villingen. Die ersten kommen um 17.30 Uhr und die letzten gehen um 21 Uhr. Sie tauschen sich aus und lachen viel, ein guter Kontakt ist gleich vorhanden und der nächste Treff bereits organisiert. Was sie im einzelnen besprechen, bleibt ihr Geheimnis, doch was sie alle gerne machen würden, kann jede von uns nachvollziehen, denn es ist wohl das Los der meisten Frauen - egal ob 18 oder 80. Sie möchten mal wieder richtig tanzen gehen! Denn welcher Mann tanzt schon gerne, wenn es nicht gerade darum geht eine Frau kennen zu lernen? ,,Vielleicht schaffen wir es, unsere Männer zu einem Tanzkurs zu bewegen?" Wäre ein Wunsch, den sie zum Abschied äußern. Der nächste ,typisch frau-Treff ` für Frauen ab 55plus, die ihre zweite Lebenshälfte und die ihrer Männer noch sinnvoller gestalten wollen, findet am 14. April ab 15 Uhr statt. Wo? Das wird nur am Telefon verraten. Der Grund ist klar: Die Anonymität der Frauen soll konsequent bewahrt werden. Sollten Sie Interesse haben - einfach anrufen.
Barbara Dickmann
