Ob große, kleine dicke, dünne schwarze, weiße, alte, junge: Alle Frauen und natürlich ihre Männer sind bei der Geburtstagsparty von "typisch frau" willkommen. Wie in der Kunstsammlung von Beate Berg-Haller (im Bild). Die Leiterin der "pro familia"- Beratungsstelle in Villingen nimmt auch mit einem Stand teil. Bild: S. Przewolka
Vor drei Tagen gab's Zoff. Na ja, nicht so richtig. Eigentlich war es mehr ein Missverständnis, eine Meinungsver-schiedenheit, entstanden durch den häufigsten Fehler überhaupt: durch mangelnde Kommunikation und den Fehler Nr. 2: durch Zeitdruck, der im Nachhinein hausgemacht war. Nichts besonderes und weiß Gott nicht das erste Mal, wenn man seit 10 Jahren beruflich miteinander verheiratet ist. Doch was wir geschafft haben, ist nachahmenswert: Wir kommen ziemlich schnell wieder ins Reine, ziemlich schnell auf einen Nenner und dann geht es weiter. Einfach so, als wäre nichts gewesen. Warum: weil wir uns in der Sache einig sind. Wir wollen "typisch frau" so gut schreiben, präsentieren, mit Leben ausfüllen wie wir es können. Weil wir nur zu genau wissen, was wir voneinander und aneinander haben, wenn es hart auf hart kommt. Und weil wir uns gegenseitig respektieren, akzeptieren, helfen, den nötigen Freiraum lassen und gemeinsam wild verteidigen, was wir uns in zehn Jahren aufgebaut haben.
Tja, werden Sie jetzt denken, das sind komische Gedanken für unser Jubiläum der besonderen Art. Denn "typisch frau" wird zehn. Zehn Jahre Woche für Woche und zehn Jahre in der gleichen Besetzung. Worüber soll man sich da mehr wundern. Über das lange Haltbarkeitsdatum "einer Ghetto-Seite, die ja eigentlich keiner braucht und keiner liest" (O-Ton einiger Kollegen, die bis heute nicht verstummen)? Oder über die Kunst, dass zwei Frauen es so lange miteinander aushalten, ohne sich gegenseitig die Haare auszureißen (was bei Sabine viel wirkungsvoller wäre als bei mir)? Oder über unsere Leserinnen und Leser, die "typisch frau" vom ersten Tag an lesen und es bis heute spannend finden?
Die sich auf unsere Vorträge freuen und uns anrufen, wenn sie sich persönlich angesprochen fühlen, selbst betroffen sind oder einfach nur ihre Erfahrungen weitergeben möchten?
Tja, wir beide wundern uns eigentlich nur darüber, wo die Zeit geblieben ist. Dass Sabine mittlerweile drei Kinder hat und die ersten grauen Haare ihre lange Mähne durchziehen. Dass ich mittlerweile drei Enkelkinder habe und ohne die segens-reiche Erfindung brauner Haarfarbe komplett grauweiß wäre. Dass wir immer noch die gleichen Männer haben und auch das nicht ändern wollen. Und unsere Männer anscheinend auch nicht.
Und wir beide freuen uns natürlich über unseren Erfolg. Haben mit Wonne den Konrad-Adenauer-Preis, einem der begehrtesten Lokaljournalistenpreise Deu-tschlands im Jahr 2000, entgegen genommen. Freuen uns noch mehr über Ihre Begeisterung, liebe Leserinnen und Leser, über Ihre Anregungen, über Ihr Lob und denken über Ihre Kritiken nach, die Gott sei Dank, sehr selten sind. Wir haben unser kurzes "typisch frau" - Gastspiel in der Gesamtausgabe des SÜDKURIER in 2007 verdaut, den Rausschmiss aus dem Gesamtblatt überlebt und sind wieder glücklich in unserem Revier oder besser gesagt: in unserem Schwarzwald-Baar-Kreis- Leser-Revier.
Tja, was wir beide genau wissen, ist folgendes: Wir wollen so weitermachen, so lange es geht, solange Sie unsere Reportagen lesen möchten, unsere Vorträge besuchen, uns anrufen, uns teilhaben lassen an Ihrem Leben - soweit Sie wollen und wie wir es auch tun. Unser Ehrgeiz, Ihnen ein gutes Blatt, eine interessante, anspruchsvolle eigene Seite in Ihrer Tageszeitung zu bieten, ist ungebrochen. Ja eigentlich ist er stärker als zuvor, denn eins hat sich wesentlich verändert in den letzten zehn Jahren. Wir sind von Woche zu Woche reicher geworden. Dabei denken wir jetzt nicht an unser Honorar, (was leider auch nicht möglich wäre). Wir denken an Wissen, an Erfahrungen, an interessante Menschen, die wir ständig kennen lernen.
Denn das Schöne an "typisch frau" ist gleichzeitig das, was heute Mangelware ist. Wir brauchen Zeit. Und wir nehmen uns die Zeit. Sitzen oft stundenlang mit unseren Gesprächspartnerinnen zusammen. Wir fragen nach, wir lesen, wir surfen im Internet. Und wir wägen ab, was in die Zeitung kommt und was nicht. Es gibt keine Tabu-Themen auf der Seite "typisch frau"! Doch es gibt Themen, die einfach
schwierig sind, die verletzen können, die weh tun und bei denen man jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Sollte uns das nicht immer gelungen sein in den vergangenen zehn Jahren, tut uns das Leid.
Doch jetzt was anderes. Unser "typisch frau-Fest" am Sonntag in der Neuen Tonhalle wird einfach anders sein. Erwarten Sie keine langatmigen Reden mit Blumen für die Damen und so... erwarten Sie leichte Unterhaltung, lockere Reden, witzige Einlagen und einen kleinen Basar mit Ständen und Angeboten, die so bunt und vielfältig sind wie ein Frauenleben. Was wir erwarten an diesem Tag: ganz einfach, wir erwarten nichts, sondern wir warten auf Sie, wir freuen uns auf Sie - lassen Sie uns einfach feiern, gemeinsam, einen ganzen Tag...
Über Sabine
Manche können bis heute noch nicht ihren Nachnamen aussprechen, doch das ist ihr eigentlich egal. Sie hört einfach auf Sabine. Ja selbst ihre Kinder rufen sie so. Ihre Interessen: Familienfrau mit ganzem Herzen für Ehemann Rainer, drei Sonnenschein-Kinder und viele, viele Tiere. Leitsatz geklaut von Philosoph Albert Camus: "Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." Ein Leben ohne Pferde nicht denkbar. Leidenschaftliche Dressur-Reiterin ohne Turnier-Ambitionen, bildet ihre Pferde selbst aus bis zur schwierigsten Klasse. Immer Buntes im Kopf und im Garten, Faible für Kitsch und "Kruscht". Auch bekannt als "rasende Reporterin", wenn sie zu Terminen mit ihrem Motorrad fährt. Von Erfolg - aber auch Ärger - gekröntes Lebensmotto: Regeln sind dazu da, dass man sie bricht.
Über Barbara
Mitten in einer Großstadt zu leben, kann sie sich überhaupt nicht mehr vorstellen, obwohl sie in Essen, einer 600.000 Einwohner- Stadt im Ruhrgebiet geboren und bis 1989 gelebt hat. Seitdem genießt sie ihr Bauernhaus mitten im Wald, ihre Tiere. Wichtig außer "typisch frau": ihr Engagement bei pro familia, in ihrer Stiftung und ihrer Vortragsreihe im Europa-Park, deren Einnahmen immer gespendet werden. Ihre Interessen: mit Wonne Ehefrau, gluckenhafte Mutter, leidenschaftliche Oma, Freizeittierpflegerin ihrer Esel, Hunde, Katzen, Hasen. Nächte lang lesen, lernen und darüber schreiben. Ihre Schwächen: rechthaberisch disku-tieren - am liebsten mit ihrem Mann, bei Käse und Rotwein. Ck.
Ihre Barbara Dickmann
und Sabine Przewolka
