Schluss mit Schweben auf Wolken

-"typisch frau" feierte Zehnjähriges: Es gilt wichtige Themen anzupacken-

Das war für viele Gratulantinnen Herzens- wie Ehrensache: In der Tonhalle vorbeigehen, mitfeiern, und beiden Macherinnen der Frauenseite, Barbara Dickmann und Sabine Przewolka, herzlich zu gratulieren.

Zehn Jahre "typisch frau" sind kein Pappenstil. Keine Frage, wir sind aufgeregt. Doch dann geht ein Raunen durch die Neue Tonhalle in Villingen, an diesem berühmten 6. Juni, dem großen Tag im Leben Ihrer beiden "typisch frau" - Autorinnen. Was ist denn da passiert? Beim Interview auf der Bühne sieht man es sehr deutlich! Was denn, werden Sie jetzt fragen, falls Sie nicht kommen konnten? Hier die Sensation: Sabine hat rot lackierte Fußnägel! Und ich trage einen weißen Rock! Der männliche Teil unserer Gäste merkt natürlich nichts, doch der weibliche Teil steht vor einem Rätsel? Was soll das bedeuten? Attribute an eine neue Weiblichkeit? Sind das die Zeichen der Zeit, wenn zwei Frauen plötzlich eitel werden? Oder etwa ein Symbol, dass auch wir uns durchaus verändern können?
Tja, liebe Hobbypsychologinnen, die Antwort auf diese wichtigen Fragen ist denkbar einfach. Bei Sabine war es ein Pferd, dessen nicht gerade kleiner Huf, einen ihrer Fußnägel auf dem Gewissen hat und ich, ich konnte einfach nicht widerstehen, angesichts des absoluten Sonderpreises Marke Schnäppchen und bei dem Gedanken an die verblüfften Gesichter der männlichen Mitglieder meiner Familie. Also keine Panik, 150 Jahre Frauenbewegung werden nicht durch solche Kleinigkeiten erschüttert.
Denn zehn Jahre "typisch frau" fallen fast genau mit 50 Jahre Gleichberechtigung zusammen. Seit dem 1. Juli 1958 dürfen wir per Gesetz arbeiten, ohne unseren Mann zu fragen, wird unser Geld nicht mehr vom Mann verwaltet und darf eine "ledige, weibliche Person sich nun amtlich "Frau" anstatt "Fräulein" nennen. Seitdem hat sich viel verändert. Frauen haben sich

Die orientalische Tanzformation "Ashira" zeigte, was wahre Weiblichkeit ausmacht. Egal ob es Problemzonen gibt oder nicht, es kommt auf das Innen an.
In den Pausen sorgten die Jongleure des Europapark für Spaß.

Positionen in Politik und Wirtschaft erobert, die bis dahin ausschließlich Männern vorbehalten waren. Und die Geschichte mit dem "arbeiten" haben wir ziemlich wörtlich genommen. Wir arbeiten zu Hause, wir arbeiten im Betrieb und wir erziehen unsere Kinder.
An diesem wunderbaren Sonntag, unserem "Zehnjährigen" arbeiten wir auch. Rund um die Uhr. Von morgens um 8 bis Abends um 18 Uhr. Und doch ist es das reinste Vergnügen. Denn wir machen das, was wir am liebsten tun. Wir sind mitten im Geschehen. Mitten im Tumult und haben Kontakt mit den Menschen, für die wir die Seite schreiben - mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.
Doch zehn Jahre "typisch frau" sind auch zehn Jahre Männeremanzipation. Denn die Quote unserer Leser ist so in die Höhe geschossen, wie es viele Börsianer bei ihren Aktien so gerne sehen würden. Das ist ein großes Kompliment für uns. Denn "typisch frau" heißt nicht automatisch "Anti-Mann", sondern ist ein Blatt, das unsere ureigenen Themen behandelt und so manchem Mann zeigt, wie wir fühlen, denken, handeln. Das kann sehr hilfreich sein!
Das Spannende: in zehn Jahren "typisch frau" ist eine neue Generation von Frauen herangewachsen, die wieder Kinder wollen, die versöhnlicher mit Männern umgehen und den Ausweg aus dem

Dilemma "Beruf und Familie" nicht in einer Entweder- oder -Entscheidung sehen - trotz aller Widerständen.
Und es ist eine neue Generation von Männern herangewachsen, die sich nicht nur um ihre Karriere kümmern, sondern auch um ihre Kinder - trotz aller Widerstände. Am 6. Juni sind wir im Dialog auch mit ihnen. Denn diese Männer sind da, mit ihren Frauen und Kindern. In zehn Jahren "typisch frau" haben wir eine kleine Revolution erlebt.
Wieso? Fragen Sie mal junge Frauen und Männer unter 20, seit wann in Deutschland eine Frau gesetzlich nicht mehr zu Absolvierung ihrer so genannten ehelichen Pflichten gezwungen werden kann und seit wann ein Ehemann seine Frau nicht mehr vergewaltigen darf ? "Das war doch im vorletzten Jahrhundert, oder gleich kurz nach dem Mittelalter", lauten dann die Antworten.
Es war 1997 - ein Jahr bevor die erste "typisch frau" erschien! Und erst seit 2001 haben die Frauenrechte in der Bundesrepublik UN-Menschenrechts-standard erreicht. Eigentlich sind Männer und Frauen erst seit 6 Jahren völlig gleichberechtigt, zumindest nach dem Gesetz. Zehn Jahre "typisch frau" bedeuten, dass das Feiern jetzt endgültig vorbei ist. Dass jetzt Schluss ist mit unserem Schweben auf Wolke sieben. Dass wir uns ab sofort wieder Themen zuwenden werden, die interessant, wichtig, vielleicht sogar Welt bewegend sind.
Doch nur ein klitzekleiner Satz noch: Am 6. Juni haben Sie uns beiden gezeigt, dass wir auf dem richtigen Dampfer sind, dass Sie sich freuen, dass es "typisch frau" gibt, dass wir "Ihr" Blatt sind. Danke! Übrigens: der Lack ist ab und der weiße Rock hängt wieder im Schrank! Also alles wieder paletti!

Ihre Barbara Dickmann
und Sabine Przewolka