Ehre für ein außergewöhnliczhes Mutterherz

- Gertrud Götz bekommt den Vedienstorden des Landes für die Pflege ihres Sohnes -

Gertrud Götz - hier mit ihrem Sohn Herbert - freut sich auf den 8. Mai
Bild: B. Dickmann

Auf dem Tisch liegt ein seltsamer Brief. Der Absender: Staatsministerium des Landes Baden-Württemberg. Gertrud Götz aus Wolterdingen hat ein mulmiges Gefühl. Was hab ich angestellt? Denkt sie?
Sie zögert, doch dann reißt sie ihn auf und liest…
"das Land-Baden-Württemberg ehrt jedes Jahr wenige, besonders verdiente, Persönlichkeiten mit seiner höchsten Auszeichnung, dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. So möchte Herr Ministerpräsident Stefan Mappus sie als Dank und Anerkennung für die liebevolle und aufopferungsvolle Pflege, mit der sie sich seit vielen Jahren um ihren schwerst kranken Sohn Herbert kümmern, gerne in diesem Jahr mit unserem Landesorden auszeichnen. Der Verdienstorden wird im Rahmen eines Festaktes am Samstag, 8. Mai, 2010, 11 Uhr, im Ordenssaal des Ludwigsburger

Schlosses überreicht. Hierzu lade ich sie im Namen von Herrn Ministerpräsident Mappus herzlich ein und ich würde mich freuen, wenn sie uns eine Nachricht zukommen lassen könnten, ob ihnen eine Teilnahme möglich ist..."
Gertrud Götz ist fassungslos und muss sich erst mal setzen. Ist der Brief wirklich an sie gerichtet? Aber ja, da steht es ja: "Sehr geehrte Frau Götz..."Neugierig kommt ihre Enkelin ins Zimmer, auch sie hat den seltsamen Brief registriert und ist voller Erwartung. "Was hast du denn?" fragt sie ihre Oma. Doch die kann gar nicht schwätzen, sondern reicht nur den Brief wortlos weiter. Gertrud Götz braucht eine Weile. Ihr Leben zieht in Sekundenschnelle an ihr vorbei. Der Unfalltod ihres Mannes und ihres ältesten Sohnes am 16. Oktober 1978. Allein mit sieben Kindern, mit der Trauer im Herzen und einer kleiner Rente. Ein knappes Jahr später wird Herbert, ihr zehnjähriger von einem Auto erfasst und in die Luft geschleudert. Klein- und Großhirn werden schwer verletzt, Herbert wird nie mehr laufen können, nicht sprechen, bald muss er künstlich ernährt werden. Es geht ihm kontinuierlich schlechter. Herbert braucht ständige Pflege - tagtäglich und rund um die Uhr. Trotzdem: "Herbert gehört zu uns, er bleibt bei uns, solange es geht", beschließt die ganze Familie... Seitdem sind viele Jahre ins Land gegangen. Herbert ist in seiner Familie geblieben. Er reagiert auf die vertrauten Stimmen und wird unruhig, wenn er fremde

hört. Gertrud Götz ist über siebzig, doch Kinder und Schwiegerkinder und 21 Enkel stehen ihr zur Seite. Für den 8. Mai ist alles organisiert und das war ein hartes Stück Arbeit. Telefonate mit der Sozialstation mit der Pflegekasse. Seit dem 1. April weist sie eine Schwester ein. Herberts Pflege ist kompliziert, die künstliche Ernährung äußerst schwierig. "Es muss jemand sein, der sich auskennt und der den Herbert kennt. Bei Fremden bekommt er sofort hohes Fieber", sagt die pflegende Mutter, die von Beruf examinierte Krankenschwester ist.
Gertrud Götz freut sich auf diesen Tag, den sie mit ihren Kindern und einigen Enkeln erleben wird. Vorgeschlagen für diese Ehrung hat sie Reinhard Müller, der Ortsvorsteher von Wolterdingen. Doch `typisch frau` habe es ins Rollen gebracht, sagt Gertrud Götz. Unsere Reportagen haben bewirkt, dass viele Menschen aufmerksam wurden auf Frauen wie Gertrud Götz. Auf pflegende Angehörige, die Unvorstellbares leisten - still und im Verborgenen und immer im Kampf mit den Kostenträgern. Und wenn sie diese Ehrung entgegen nimmt, dann fühlt sie sich als Stellvertreterin all dieser Menschen. Liebe Gertrud Götz, wir `typisch frau`-Autorinnen freuen uns mit Ihnen. Es wird bestimmt ein toller Tag. Genießen Sie ihn, keiner hat es mehr verdient als Sie.

Barbara Dickmann