Susanne Engesser mit ihrer selbstgezogenen Ananas. Bild: Barbara Dickmann
Wenn der Tag geht und der Abend kommt, wenn die Kinder im Bett liegen, der Mann vielleicht den SÜDKURIER liest und die Hausarbeit halbwegs erledigt ist, dann kommt ihre Zeit. Susanne Engesser, knapp vierzig Jahre jung, berufstätige Mutter zweier quirliger junger Männer im Alter von 3 1/2 und knapp 5 Jahren, geht in ihren Wintergarten. Seit drei Jahren hegt und pflegt sie dort die unterschiedlichsten Pflanzen. Sie gießt und schaut nach, ob Läuse drin sind, ob sie vielleicht einen größeren Topf brauchen und manchmal streichelt sie ganz zart die Blätter. " Das ist Entspannung für mich", sagt sie, "ich freue mich, wenn alles blüht und gedeiht, dann komme ich zur Ruhe und schöpfe wieder neue Kraft." Es ist einfach ein tolles Gefühl.
Ganz am Anfang, als der Wintergarten frisch fertig gestellt ist, hat Susanne einfach nur irgendetwas reingestellt. Doch egal was es ist, alles grünt und blüht um die Wette. Dann kommt System in die ganze
Geschichte. Susanne beginnt, ihre Pflanzen selbst zu ziehen. Vor zwei Jahren schneidet sie den oberen, beblätterten Teil einer Ananas ab, behandelt ihn vorsichtig und stellt ihn dann ins Wasserglas. Er soll Wurzeln ziehen. Das ist ein Experiment. Susanne weiß, wie schwierig das ist. Nach drei Monaten klappt es tatsächlich und dieses winzigste Pflänzchen landet im winzigen Topf. Zugegeben, es wächst, doch von schöner Pflanze keine Spur. Eigentlich sieht dieser aus mehreren Etagen bestehende Kranz aus graugrün, ledrig-harten Blättern ziemlich hässlich aus, findet Susanne. In der Natur soll dieser Kranz das Regenwasser in die Mitte leiten.
In deren Mitte bildet sich langsam eine Rosette und jeden, aber auch jeden Tag schaut Susanne dort hinein. Vielleicht hat sie ja Glück und es kommt eine Blüte? Eine Ananas braucht viel Licht und pralle Sonne, das ganze Jahr über. Schafft das der Wintergarten? Nach zwei Jahren wächst tatsächlich eine lilafarbene Blüte. Und dann? Susanne kann es kaum fassen..., dann bildet sich tatsächlich in der Mitte an einem Stil eine Frucht. Eine Sensation, denn in Mitteleuropa erlebt man das normalerweise nicht. Susanne ist ganz erfüllt. Zwei Jahre geduldige Pflege, das ist einfach "typisch frau" und bestimmt nicht "typisch mann". "Männer sind viel zu ungeduldig", sagt sie. Im Augenblick freut sich jeder an der Ananas und ganz besonders Franz-Felix, Susannes Großer. Denn der wird im Oktober 5 Jahre und dann, ja dann wird die Ananas aufgegessen werden.
Sobald die Frucht geerntet wird, stirbt die Mutterpflanze, doch schon jetzt sind junge Triebe da, die Susanne gleich wieder einpflanzen wird. "Eigentlich ist es kein Hobby mehr, sondern eine Leidenschaft", sagt sie. Eine Leidenschaft, die ihren beiden Söhnen schon in ganz jungen Jahren vermittelt, Pflanzen zu lieben, zu hegen, zu pflegen und sorgsam mit der Natur umzugehen. Schon jetzt sind sie oft mit dabei und möchten helfen. Auch ihr Mann freut sich über den sensationellen Pflanzerfolg seiner Frau und schaut mal ab und zu vorbei, wenn sie ihren grünen Daumen schwingt. Und sollten Sie einen Platz in der prallen Sonne haben, hier nachfolgend noch ein Ananasrezept. Das hat dann doppelte Wirkung: Sie haben den oberen Teil zum Züchten und die Frucht zum Essen. Guten Appetit wünscht Barbara Dickmann
Gegrillte Ananas mit Käse
(nicht nur für Vegetarier) Man nehme: Eine Ananas, schneide sie in Ringe und legt jeden Ring auf ein Stück Alufolie. 200 g Gorgonzola oder Kastello-Käse würfeln und auf die Ananasringe verteilen. Die Päckchen fünf bis zehn Minuten grillen und mit den Preiselbeeren garnieren. Wichtig: Die Ränder der Alufolie hoch drücken. Hier noch ein Brotaufstrich mit Ananas für die Reste: Ananasstücke etwas zerkleinern, mit Rum, Frischkäse, den gehackten Walnüssen verkneten und mit Salz und Pfeffer abschmecken. ck.
