Der Mann mit dem GefĂŒhl fĂŒr BĂ€ume und Bonsais - Horst Krekeler. Bild: Privat
Ein Bonsai ist ein Baum in einer Schale. Sogar ein ziemlich kleiner Baum, der aus irgendeinem Grund nicht gröĂer wird. Bonsai-BĂ€ume kommen aus China oder Japan, werden dort besonders gut gepflegt und viele hundert Jahre alt - Punkt. Das war's. Mehr wusste ich nicht ĂŒber diese holzigen Zimmerpflanzen, bis ich Adelheid Tauchert aus Villingen und ihren Bonsai-Lehrer Horst Krekeler kennen lernte, der ein berĂŒhmter Mann in der Bonsai-Szene ist. Was er erzĂ€hlt, lĂ€sst diese winzigen BĂ€ume in einem völlig anderen Licht erscheinen und gibt Einblick in ein Hobby, das Harmonie zwischen Natur und Mensch, Kunst, Spannung wie Ent-spannung gibt. Und Bonsai lehrt vor allem eins - Geduld, unendliche Geduld.
Horst Krekeler, heute 68 Jahre alt, malt seit frĂŒhester Kindheit. Schon als SchĂŒler sind Landschaften und BĂ€ume seine Lieblingsmotive. Er beginnt eine Lehre in einer Baumschule, nimmt lĂ€dierte Pflanzen mit interessanten Linien mit nach Hause und stellt sie in seinen Garten. Horst Krekeler schneidet sie immer zurĂŒck, damit sie nicht zu groĂ werden. Und irgendwie werden diese Pflanzen alten, ausge-wachsenen BĂ€umen immer Ă€hnlicher. Das sollen sie auch, denn eigentlich will er sie einmal malen. Das Wort Bonsai kennt er nicht. UngefĂ€hr zehn Jahre geht das so, bis er eine Illustrierte in die Hand bekommt, in der ein Artikel mit etlichen Bildern erscheint. Er heiĂt "Bonsai" asiatische Kunst.
Es waren Roter Ahorn, Apfel, Wachholder und MĂ€dchenkiefer. Horst Krekeler schaut sich die Bilder immer wieder an und dann sagt er zu seiner Mutter: "Das kann nicht
sein, ich glaube, ich habe Bonsai, aber ich war doch noch nie in Japan!" Das ist der Einstieg. Horst Krekeler ĂŒbernimmt die GĂ€rtnerei seiner Eltern und beginnt mit der Entwicklung der Linie "Bonsai".
1975, bei der Bundesgartenschau in Mannheim, verkauft er seine ersten, selbst gezogenen Bonsais. "Das war ein Abenteuer", sagt er heute. Niemand konnte sich vorstellen, dass man fĂŒr solch verkrĂŒppelte BĂ€ume auch noch Geld verlangt. Seine gröĂeren Bonsaipflanzen stellt er aus. Sie werden prĂ€miert und Horst Krekeler weiĂ, dass er auf dem richtigen Dampfer ist. 1978 startet er den ersten deutschen Bonsaikurs an der Volkshochschule Heidelberg. Am letzten Abend will keiner aufhören. Horst Krekeler nimmt die Pflanzen mit in seinen Betrieb und bietet seine fachliche Hilfe an. Aus dieser Gruppe entsteht der Bonsai-Club Deutschland, der Kontakt nach Japan wird aufgebaut, die ersten Importe treffen ein und Heidelberg mausert sich zum Mekka der europĂ€ischen Bonsaiwelt.
Horst Krekeler fĂ€hrt von Workshop zu Workshop. Lehrer aus Japan, China und Taiwan kommen, doch John Naka, ein amerikanisch- japanischer Bonsaimeister prĂ€gt ihn besonders. Es ist die ausgewogene Mischung aus Ost und West. Horst Krekeler knĂŒpft Kontakte quer durch Europa, geht in die USA, nach Brasilien. Generationen von Bonsaianern bringt er diese winzigen, knorrigen BĂ€ume nĂ€her (die es ĂŒbrigens auch in groĂ gibt)...
Was ist nur das faszinierende? Fragen wir Horst Krekeler. "Bonsai ist Kunst, ist modellieren mit lebendem Material." Wenn man malt oder töpfert, ist man irgendwann fertig. Doch beim Bonsai ist das der erste Schritt auf einem ganz, ganz langen Weg. Bonsaigestaltung ist keine Arbeit. Bonsai muss man spielen, sonst wird nichts draus.
Zuerst ist da ein Baum und eine Form, die man im Kopf hat. Eine Spannung, was der Baum wohl hergibt. Ob er sich wohl so entwickelt, wie gedacht. Wie wird er in zwei, drei, fĂŒnf Jahren aussehen? Und wie wird man ihn dann wohl umgestalten? Um Bonsai muss man sich kĂŒmmern, wie um ein Haustier", sagt er. Bonsai ist eine Philosophie und fĂŒr Horst Krekeler viel, viel mehr als Basteln mit lebenden BĂ€umen.
Vor diesem Hintergrund setzt er seit vielen Jahren Bonsai als Therapie ein. Bonsai-
gestaltung mit geistig und körperlich behinderten Menschen, mit psychisch Kranken, ja sogar mit Blindgeborenen. Zum Teil mit ganz verblĂŒffenden Erfolgen. Und Horst Krekeler erzĂ€hlt: "Ein Professor aus Heidelberg, der in der Krebsnachsorge arbeitete, sagte einmal: "Sie wissen doch, wie lang unsere Leute im Durchschnitt leben, lohnt das denn ĂŒberhaupt?" Ob gesund oder krank, keiner von uns sieht das Ende vom Baum. Der Baum weist immer nur nach vorn..."
Bonsai ist eine Kunst, die auch heute noch eng mit fernöstlicher Tradition und Religion verbunden ist, zu der wir nur schwer Zugang finden. Doch auch in unserem Kulturkreis haben BĂ€ume eine besondere Aura. Wer jemals unter einer 500 Jahre alten Eiche gestanden hat, spĂŒrt, dass hier ein besonderer Ort ist, den schon unsere Vorfahren oft als heilig erklĂ€rt haben. Herman Hesse sagte einmal: "BĂ€ume sind HeiligtĂŒmer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiĂ, der erfĂ€hrt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekĂŒmmert, das Urgesetz des Lebens."
Bonsai ist MĂ€nnerdomĂ€ne. Bonsai hat etwas mit Verletzten zu tun. Man muss den harten Schnitt machen. Frauen kommen dort auf Widerstand, sie stecken zurĂŒck. Wie Adelheid Tauchert zu diesem besonderen Hobby kam und wie Sie einsteigen können, wenn Sie möchten, berichten wir in der kommenden "typisch frau".
Bonsai
Traditionell werden Kiefern, Wacholder, Ahorne, asiatische Ulmenarten, Azaleen, FruchtbĂ€ume wie Kulturapfel oder japanische Aprikose verwendet. Auch wenn Bonsai immer mit Japan oder China in Verbindung gebracht werden, kann man auch einheimische BĂ€ume als Bonsai verwenden. In unseren Breiten nimmt man vorwiegend einheimische Gehölze, die an unser Klima angepasst sind, aber auch winterharte Pflanzen aus Japan und anderen LĂ€ndern. Besonders beliebt sind kleinblĂ€ttrige Ahornarten. Allerdings sollten Bonsai vor starkem Frost geschĂŒtzt werden, indem sie z.B. im Boden eingesenkt oder mit einer Mulchschicht bedeckt werden (Quelle: wikipedia). ck.
Barbara Dickmann
