Eine Lebensgeschichte zum Nachdenken

 

Fast jeder hat seine Lebensgeschichte, doch die von Corinna L. (alle Namen geändert) möchten wir im Zeitraffer aufzeigen. Nicht um zu bewerten oder irgendwelche Ratschläge zu geben, sondern einfach ohne Kommentar in den Raum zu stellen.
Corinna L., Jahrgang 1953, wird mit 17 Mutter, heiratet den Kindesvater, schafft trotzdem einen Realschulabschluss und erhält nach den verschiedensten Aushilfsjobs eine gute Stelle im Schichtdienst. Ihr Mann studiert, die Schwiegereltern lieben ihr Enkelkind und versorgen es und eigentlich könnte alles wunderbar sein. Doch Corinna L. ist nicht zufrieden. Ihr Mann ist zu verschlossen, zeigt ihr nicht genug, dass er sie liebt und als sie die Chance bekommt, auf einem Schiff ein Jahr lang zu arbeiten, ergreift sie sie. Nach ihrer Rückkehr funktioniert es nicht mehr, Corinna L. zieht aus und trennt sich im Guten von ihrem Mann. Dann trifft sie Arno, einen früherer Bekannten. Arno ist verheiratet und hat eine Tochter. Corinna kennt die Familie. Arno wird ihr

Freund und 1986 der Vater ihres 2. Sohnes. Nach seiner Scheidung wird Corinna seine Frau. Doch nach einem knappen Jahr wechseln die Rollen. Corinna wird die betrogene Ehefrau und seine Exfrau die heimliche Geliebte. Corinna zieht aus, doch Arno holt sie zurück und im Mai 1989 wird die gemeinsame Tochter geboren. Und wieder betrügt er sie. Und wieder und wieder. Jedes Jahr zur Fastnacht immer das gleiche Spiel. Doch Corinna baut ein Haus mit ihm und bleibt und hält einfach aus. 2004, als die Kinder 18 und 15 Jahre alt sind, packt sie seine Koffer und schmeißt ihn raus. Arno zieht zu seiner jetzigen Freundin und eigentlich könnte jetzt Ruhe einkehren. Doch Corinna lädt ihn förmlich ein mit Die Aussage von Wolfgang Siegel, Klinischer Psychologe und Verhaltenstherapeut, in seinem Buch ,,Tut mein Therapeut mir gut?“ dürfte der Wahrheit wohl ziemlich nahe kommen. Der Autor meint nämlich: ,, Sie finden den richtigen Therapeuten nicht dadurch, dass Sie die beste Psychotherapiemethode suchen, denn die Person, die sie anwendet,

ist viel entscheidender“.
ihr zu schlafen, fühlt sich wieder als Geliebte und erfüllt ihm alle nur erdenklichen Wünsche. Arno hat jetzt 2 Frauen, doch Corinna macht Druck. Sie ruft die Freundin an und will ihn wieder ganz für sich allein. Das funktioniert natürlich nicht, doch jetzt reicht Corinna die Scheidung ein und will sich von ihm trennen. ,,Wir schmeißen ihn endgültig aus unserem Leben raus. Wir wissen nicht, ob es uns gelingen wird einfach 20 Jahre aus unserem Leben zu löschen, wir lieben ihn aber wir werden lernen, ohne ihn auszukommen", sind die letzten Zeilen ihres sieben Seiten langen Briefes. Nur eine Frage doch zum Schluss: Ist das wirklich Liebe? Vielleicht findet Corinna die Antwort selbst, wenn sie diese Zeilen liest.

Barbara Dickmann