Brigitte Deimling, die Frau mit der tiefen Stimme und den vielen Hüten.
Sie ist eine Frau mit vielen Gesichtern und noch mehr Hüten. Ihre Alben sind gefüllt mit Programmen, Plakaten und Bildern aus einer Zeit, auf der die Bühne ihr zu Hause war. „Erinnerungen“, sagt Brigitte Deimling, „ganz wertvolle Erinnerungen, die ich nicht missen möchte!“
Was bleibt im Alter? Für Brigitte Deimling sind es zwei Dinge: ihr Hobby, das sie so gerne zum Beruf gemacht hätte und die Erinnerungen...
Brigitte ist 16 als sie zum ersten Mal auf der Bühne steht. Es ist die Zeit von Peter Kraus, Louis Armstrong und Paul Anka. In der Tonhalle von Villingen-Schwenningen finden regelmäßige „Jugendbälle“ statt und Brigitte legt los. Sie singt und hat sofort Erfolg. Lampenfieber? Keine Spur! „Ganz im Gegenteil“, sagt sie, denn singen liegt ihr im Blut und ist der Erbteil ihrer Mutter, die ihr Talent früh entdeckt und mit ihr regelmäßig übt.
Brigitte möchte die Profilaufbahn einschlagen, doch die Eltern bestehen auf einen „vernünftigen“ Beruf. Sie fügt sich und absolviert eine Banklehre.
1964, mit 22 Jahren gewinnt sie den „Großen Preis vom Bodensee für Schlageramateure“, was heute wohl „Deutschland sucht den Superstar“ sein würde. Schon damals hat sie ihren eigenen Stil gefunden und jetzt scheint einer großen Karriere nichts mehr im Wege zu stehen. Auch die Firma SABA meldet sich und will sogar eine Schallplatte mit ihr produzieren. Doch irgendwie funktioniert die ganze Geschichte nicht. Brigitte singt und singt - auf Bällen und Veranstaltungen in der Schweiz, in Süddeutschland, in Österreich, gewinnt mehrere Preise, singt sogar mit Bill Ramsey. Vittorio und „The Merry Fellows“ - alles längst vergangene Größen am Schlagerhimmel der 70ger, doch den großen Durchbruch schafft sie nicht. Warum eigentlich? Brigitte überlegt nur kurz. „Ich habe immer den falschen Mann zur falschen Zeit kennen gelernt“, sagt sie, „denn oft genug habe ich tolle Angebote ausgeschlagen, ja einmal sogar ein Engagement nach Amerika.“ Keine Frage, heute würde ihr das nicht mehr passieren.
Die Jahre vergehen und Brigitte erweitert ihr Programm. Denn außer dem Gesangstalent ihrer Mutter hat sie auch noch den Humor ihres Vaters geerbt und der Schritt zur Parodie ist nicht mehr weit.
Und eine Kapelle muss her. Brigitte kauft sich ein Keyboard und übt nachts mit Kopfhörern. Ein über fünfstündiges Programm entsteht. Seitdem ist sie beliebte Entertainerin bei allen nur erdenklichen Festlichkeiten. Ihr Programm ist gespickt mit Oldies, Folklore, Schlagern, Tanzmusik, Sketschen und und und....alles, was ihr jeweiliger Auftraggeber wünscht. „Damit ihre Feier zum Erlebnis wird“, ist ihr Motto. Und so ist die Woche angefüllt mit Arbeit und die Wochenenden mit Musik.
Das ist auch schon wieder über 20 Jahre her, Brigitte Deimling ist mittlerweile 68 Jahre alt. Ihre berufliche Laufbahn beendet sie als Chefsekretärin, doch ihr geliebtes Hobby ist ihr bis heute geblieben. Die Frau mit den vielen Hüten und der ungewöhnlich tiefen Stimme ist noch immer im Geschäft und denkt nicht daran, aufzuhören. „Ich möchte singen und parodieren, so lange es eben geht“, sagt sie. Es sei einfach schön, so viele Leute kennenzulernen und Freude zu bereiten. Und so füllt ein Album das nächste – schon heute lieb gewonnene Erinnerungen, doch umso wertvoller je älter sie wird.
