Ein Fest verbindet zwei Welten

Harmonie und Respekt ohne Grenzen bei deutsch-türkischen Silvesterfest in Schonach

Fritz Maier beim Tanz mit der Organisatorin des deutsch-türkischen Silvesterfestes, Ayse Deligolo.

Ende Mai 2010 wird ein besonderes Schild an der Frankfurter Commerzbank-Arena angebracht. „Respekt! Kein Platz für Rassismus!“ steht dort schwarz auf weiß und ohne viel Schnörkel. Herausgegeben von der gleichnamigen gemeinnützigen GmbH in Frankfurt (www.respekt.de) will diese Aktion gegen Vorurteile und Rassismus angehen und die internationale Gesinnung und den Völkerverständigungs-gedanken fördern. Schirmherrin ist Steffi Jones, Präsidentin der OK Fußball-WM 2011. Etliche bekannte Sportler, Musiker, Schauspieler und Unternehmer unterstützen diese Aktion.
31. Dezember 2010, 21 Uhr in Schonach im Pfarrzentrum. Gut 110 türkische und etwa 30 deutsche Gäste genießen ein deutsch-türkisches Buffet vom feinsten. Alles selbstgemacht und von den Menschen mitgebracht, alles frisch und

einfach nur lecker. Eine bunte Mischung von Generationen, Kulturen und Religion hat sich zusammengefunden. Das Outfit gleicht auch einer Reise durch die Türkei – aber viel mehr durch die europäischen Modehighlights, getragen von sehr selbstbewussten türkischen und deutschen Frauen. Die Songs sind manchmal fremd, doch oft genug ziemlich vertraut. Türkische Lifemusik und ein deutscher DJ geben ihr bestes. Tanzen kann man immer und auf alles, ganz schnell finden sie den Rhythmus – gemeinsam und Hand in Hand. Und Lachen und Fröhlichkeit braucht keine Sprache. Deutlich sichtbar hängt ein Kreuz an der Wand, doch in den Köpfen von Deutschen und Türken hängt dieses besondere Schild: Respekt! Kein Platz für Rassismus!
An diesem Abend ist das Pfarrzentrum ein Ort der Höflichkeit, der Anerkennung, Verantwortung, Toleranz und Beachtung. Ein Ort der Neugierde auf eine andere Kultur, der Achtung in zwei Richtungen. Jeder erwartet es von dem anderen – egal ob Türke oder Deutscher und jeder erfüllt diese Erwartungen.
„Es müsste 1000 Ayse geben,“ sagt Hildegard Maier aus Triberg. Und damit meint sie Ayse Delioglo, Türkin der zweiten Generation und Veranstalterin dieses Multi-Kulti-Festes (wir berichteten). Doch die Sache läuft auch umgekehrt. Es müsste 1000 Menschen wie Hildegard und

Fritz Maier geben, die die Vielfalt und die Bereicherung sehen und sich seit 37 Jahren für Multi-Kulti engagieren. Neben Hildegard Maier sitzt Koray Delioglo, der Mann von Ayse. „Ist das nicht ein wunderbarer Abend“, sagt er begeistert. „Ich bin ein deutscher Türke, ich mag dieses Land und diese Menschen“
1. Januar 2011, 5 Uhr. Das Fest ist zu Ende . Das Ergebnis: Harmonie pur! Das Jahr fängt gut an. Ayse wird umarmt. Alle möchten sich bei ihr bedanken und ermuntern sie. „Mach weiter, lass uns wieder zusammen feiern!“ Keine Frage: Türken in Deutschland leben oft in zwei Welten, doch Ayse Delioglo hat etwas auf die Beine gestellt, das diese beiden Welten miteinander verbindet. An der Frankfurter Commerzbank Arena hängt das Schild: „Respekt! Kein Platz für Rassismus“. In Triberg hängt keins, doch Triberg hat Ayse.