Sie lauern auf einsame Frauenherzen

Die Geschichte von Lisa als Warnung für andere
Bei der Polizei angezeigt - aber das geld ist weg


Vorsicht Falle: Im Internet lauern
rücksichtslose Betrüger.
Diese Geschichte ist unglaublich, aber wahr. Sie erinnert an Heiratsschwindel, der heute in Zeiten von „facebook“ und „flirtline“ auch so ablaufen kann: Lisa B. (Name geändert) hat keinen Freund, keine wirkliche Freundin und ist in keinem Verein. Doch seit ein paar Tagen ist „Er“ da, zumindest seines Emails und die sind einfach wunderbar. „Ich liebe dich, ich bin so froh, dass ich dich gefunden habe“, schreibt er ein über das andere Mal. „Ich liebe dich auch, Mark“, schreibt sie immer wieder zurück und ist glücklich...
Mark Dom behauptet, er sei Colonel bei den amerikanischen Streitkräften. Entdeckt hat sie ihn in „flirtline“. Das Bild von ihm zusammen mit seinem Sohn hat sie unheimlich berührt. Lisa nimmt gleich Kontakt auf und Mark antwortet auch ziemlich schnell. Seitdem sind ihre Abende ausgefüllt. Mark ist geschieden, sein Sohn lebt im Internat und er hat ein Haus in Californien. „Schau mal unter google.maps“, mailt er und gibt seine angebliche Heimat-Adresse an. Mark ist 52, doch seit er Lisa kennt, drängt er auf vorzeitige Entlassung aus dem Militärdienst, denn er will ja nach Deutschland kommen, um mit Lisa eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Und Mark ist sogar reich! 1,5 Millionen US Dollar hat er in einer Kiste in seinem Lager im Irak und die soll jetzt nach Deutschland und zwar im Handgepäck eines Diplomaten, der Salim heißt. Lisa ist im siebten Himmel und kann ihr Glück nicht fassen. Nach dem Albtraum der letzten Jahre und völlig vereinsamt, gibt sie sich ihrem neuen Glück ganz hin und träumt von einer sorglosen Zukunft zu Zweit.
Doch dann kommt die Unglücksnachricht: Diplomat Salim hat Pech. An der Grenze nach Ghana wird das Vermögen entdeckt und erst mal eingelagert. Das kostet Geld und Mark bittet seine Lisa, doch die Lagerkosten zu bezahlen. Lisa glaubt ihm, schickt ihm einen vierstelligen Betrag über den Postweg mit Hilfe von Western Union. (siehe Infokasten). Doch Mark möchte auch, dass Lisa ein Konto auf ihren Namen bei einer Bank in Ghana einrichtet, damit besagte 1,5 Millionen dort eingezahlt werden können. Lisa ist zu allem bereit. Sie füllt abenteuerliche Formulare über`s Internet aus, eröffnet ein Konto bei der Amalgamated Bank in Ghana (siehe Infokasten) und wird Stammkunde bei der Post.

Denn Mark braucht immer mehr Geld. Mal sind es Mehrwertsteuern, die fällig werden, mal irgendwelche Gebühren. Und immer ist es der Diplomat Salim, der das Geld annimmt und ihr sogar eine Kopie seines Diplomatenpasses per Email zukommen lässt. Mark Dom ist ausschließlich für die Liebe zuständig, die er ihr immer wieder versichert und mit diversen, amtlich aussehenden Entlassungs-Dokumenten unterfüttert. Zusätzlich kommen immer wieder Emails von der Amalgamated Bank in einem äußerst gebrochenen Deutsch oder Englisch und irgendwann ihre Zugangsdaten. Schon nach wenigen Tagen sind auf diesem Konto auf einmal 4,2 Millionen US Dollar gut geschrieben. Woher die wundersame Vermehrung kommt, macht Lisa nur einen Augenblick stutzig. Doch Mark Dom braucht wieder Geld. Diesmal schickt er ihr 10 Travellerschecks. Sie reicht sie bei ihrer Hausbank ein und bringt gleich am nächsten Tag den Gegenwert auf die Reise ins ferne Ghana. Dass diese Schecks nicht gedeckt sind, merkt sie erst eine Woche später.
In dem folgenden Monat will Mark immer wieder Geld. Selbst als Western Union einen Betrugsverdacht hegt, lässt sie sich nicht beirren und benutzt den Namen eines Arbeitskollegen als Absender. Lisa will nicht wahr haben, was offensichtlich ist. Nach wie vor sitzt sie jeden Abend vor dem Computer und wartet sehnsüchtig auf seine Nachrichten. Mark ist er jetzt im Ruhestand und kündigt seine Ankunft innerhalb der nächsten Wochen an. Doch zuvor soll Lisa noch mal eben € 900 überweisen (Hotelkosten für den Diplomaten Salim) und dann wäre da noch die Mehrwertsteuer in Höhe von über € 23.000 fällig, die die Bank verlangt, bevor sie die Überweisung der 4,2 Millionen US Dollar ausführen könne....
Doch Lisa ist am Ende ihrer finanziellen Möglichkeiten. „Ich habe kein Geld mehr“, mailt sie. Erst jetzt spricht sie vertraulich mit uns `typisch frau`-Autorinnen über Mark und sein „Vermögen“. „Lisa, das ist ein Betrüger. Du musst zur Polizei“, sagen wir sofort, finden auf Anhieb entsprechende Beweise im Internet und führen ein Telefonat mit dem Betrugsdezernat der Polizei in Villingen-Schwenningen. Lisa widerspricht empört. Sie weiss es besser. Doch erste Zweifel nagen an ihr, die immer größer werden. Dann kommt die Scham, die Enttäuschung und die Angst wieder allein zu sein. Sie hält weiterhin Kontakt zu Mark, doch sie schläft schlecht und wird immer dünner... Im Februar hat sie Mark Dom kennen gelernt, seit Ende März zahlt sie! Am 24. Mai trifft sie sich mit Kriminalhauptkommissar Bernd Rothbauer in einem Café in Villingen-Schwenningen.
Er raubt ihr die letzten Illusionen und Lisa bricht fast zusammen.

„Sie müssen sich nicht schämen“, sagt der erfahrene Polizist sehr einfühlsam, „schämen müssen sich die Menschen, die Sie schamlos ausnutzen“.
Eine Woche später ist sie bereit, ihre große Liebe anzuzeigen, ihn endgültig aufzugeben und sich einzugestehen, dass sie betrogen wurde. Dieser Prozess ist sehr schmerzhaft, ihr Geld ist weg und sie ist nach wie vor allein. „Wie kann man nur so blöd sein“, sagt sie im Nachhinein, denn Anzeichen gab es einige. Was Lisa jetzt braucht ist Zeit und Verständnis und weiß Gott keine Vorwürfe oder gar Schadenfreude, um zu verarbeiten, was diese Männer ihr angetan haben (siehe Infokasten). Doch Lisa will, dass diese Reportage erscheint. Warum? Um andere Frauen vor einer Organisation zu schützen, die die Einsamkeit ausnützt, unglaublich verletzt und mit den wertvollsten Gefühlen, zu denen wir fähig sind, einfach spielt – mit Liebe und Vertrauen. Wir `typisch frau`-Autorinnen haben immer wieder Kontakt gehalten und Lisa auf ihrem schweren Weg zur Polizei begleitet - und wir haben es gerne getan.


Die Masche der Betrüger geht sogar über gefälschte Internetseiten von Banken
Die Betrüger arbeiten mit den unglaublichsten Tricks. Hier ein kleiner Einblick:
Über Western Union, einem US-amerikanischer Anbieter, kann man auch Bargeld verschicken, ohne dass der Empfänger über ein entsprechendes Konto oder eine Adresse verfügt. Der Empfänger braucht laut Angaben von Western Union folgendes: Name des Absenders, Höhe und Ursprungsland des Geldtransfers, eigener Ausweis mit Lichtbild. Hauptsächlich für Afrika reicht es aber schon, nur das Codewort zu wissen, bzw. eine Testfrage zu beantworten, um am Auszahlungsort das Geld zu erhalten. Die Gebühren sind sehr hoch und werden seit Jahren öffentlich kritisiert. Auszahlungen, die im Ausland vorgenommen werden, sind unwiderbringlich verloren.
Die Amalgamated Bank existiert, doch die Seite war gefaked (gefälscht). und zwar sehr geschickt, wie Kriminalhauptkommissar und Leiter der Kriminalinspektion 3 Bernd Rothbauer, der Polizeidienststelle Villingen-Schwenningen bestätigt. Als „Nigeria Connection“ bezeichnet die Polizei diese Betrugsmasche, die 1988 in Nigeria begann. Tag wie Nacht sitzen organisierte Banden vor dem Computer und verschickten millionenfach Emails mit den unglaublichsten Geschichten. Auch das Geschäft mit den Gefühlen blüht und wer einmal zahlt, hängt am Fliegenfänger.