Sie sind immer da, wenn man sie braucht - eine Freundschaft zwischen Mensch und Tier hält ein Leben lang. Bild: aboutpixel.de
Drei Frauen werden Freundinnen für`s Leben - eine wunderbare Geschichte. Frauen, die einander helfen, keine Neidgefühle entwickeln, sich nicht gegenseitig die Männer ausspannen, keine Intrigen spinnen und einfach alles miteinander bereden können. Doch ist das die Regel? Ich kenne auch das Gegenteil, manchmal im kleinen und manchmal kam es richtig dicke. Es war zum Beispiel im Urlaub. Vor 24 Jahren fuhren wir gemeinsam mit Freunden (so dachten wir wenigstens) nach Italien. Unsere Kinder waren vier Jahre und 16 Monate alt, die unserer Freunde etwas jünger. Die erste Woche war wirklich schön. Doch dann kam der Anruf aus der Firma und mein Mann musste sofort nach Hause. So wie es aussah, stand viel Geld auf dem Spiel. Ich war ziemlich geknickt, denn das war unser erster Urlaub seit etlichen Jahren. Doch von dieser Stunde an war nicht nur mein Mann weg, sondern auch meine Freundin und ich war auf einmal komplett alleine. Sie und ihr Mann zogen sich von mir zurück. Auf einmal waren sie schon vor mir am Pool und gingen dafür früher. In der Pizzeria saß ich Abend für Abend allein, da sie es tunlichst vermieden mit mir um die gleiche Zeit zu essen. Ich war es weiß Gott gewöhnt, alleine klar zu kommen, doch einfach mal mit anzufassen, wenn es darum ging, vierzig steile Stufen zum Apartment (mit zwei kleinen Kindern und einem voll bepackten Buggy an der Hand) hinaufzuklimmen, wäre nicht zu viel verlangt gewesen. Und was war so furchtbar daran, mit mir und den Kindern gemeinsam zu essen?
Nach einer Woche kam mein Mann wieder und stellte sie erbost zur Rede. Die Begründung von meiner ,,Freundin" war ganz klar. Sie wollte mit unseren Problemen nichts zu tun haben, sie hätte schließlich Urlaub und den wollte sie in vollen Zügen genießen. Damit war für uns der Ofen aus. Man traf sich nur noch auf Festen und ansonsten mieden wir es, miteinander irgendetwas zu unternehmen. Doch zwei Jahre später stand sie auf einmal auf der Matte, als die Ehe auseinander zu brechen drohte und ihr Mann völlig absackte. Sie hatte überhaupt keine Probleme mich um Hilfe zu bitten und erst recht kein schlechtes Gewissen..... Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde...
In der Not erkennt man seine wahren Freunde, sagt Regine M. (alle Namen geändert) die leider erkennen musste, dass Freundschaft nicht allen Belastungen standhält. Hier ihr Bericht: ,,Als ich meine Freundin Corinna kennen lernte, waren wir von Anfang an ein Herz und eine Seele. Auch unsere Männer verstanden sich sehr gut. Alles wurde überwiegend gemeinsam unternommen. Wir trafen uns wöchentlich und im Laufe der Jahre wurden wir wie Schwestern. Stets war man füreinander da. Als ich nochmals schwanger wurde und nach der Geburt zwei Wochen im Krankenhaus lag, sorgte sie sich rührend um meine Familie. Putzte und kochte, machte die Wäsche und war einfach meine gute Seele. Von all meinen Freundinnen war sie nicht nur die älteste, in Jahren gesehen, sondern auch meine liebste. Als mein Sohn an Krebs erkrankte, war sie und auch all meine anderen Freunde Tag und Nacht für uns da. Aber meine Freundin Corinna hatte von da an einfach nicht das nötige Feingefühl, alles außen vor zu lassen. In dieser schweren Zeit interessierte uns das alltägliche um uns herum nicht im geringstem. Die Angst schnürte uns alles ab. Wenn wir in den Chemopausen nach Hause durften, lag mir meine so treue Seele Corinna mit Vorwürfen in den Ohren, was nach ihrer Meinung in meinem Haus anders laufen sollte.
Unser Sohn hat nach 8 Monaten den Kampf verloren. Alles um uns herum schien weg zu schwimmen, wir funktionierten nur noch. Unseren Schmerz konnte man nicht in Worte fassen. Ich habe mich völlig zurückgezogen, konnte keinen mehr ertragen. Das Leben erschien sinnlos. Meinen Schwestern und guten Freunden, vor allen Dingen meiner Freundin Monika verdanke ich, dass ich nicht daran zugrunde gegangen bin. Die hatten eine Geduld und eine Ausdauer mit mir, die bewundernswert war. In dieser schweren Zeit hat meine Freundin dreimal den Versuch unternommen mich zu treffen. Bei allen Treffen hat sie die falschen Worte, das falsche Verhalten und vor allen Dingen absolut kein Verständnis für meine Trauer, die zu dieser Zeit gerade ein halbes Jahr andauerte, gezeigt. Gerade von ihr hatte ich einfach mehr Herzenswärme und Mitgefühl erwartet. Nach einem Jahr schrieb sie mir einen Brief und beklagte sich, ich hätte sie aus meinem Leben ausgeschlossen, weil ich mich nie bei ihr melden würde - so ungefähr: Jetzt ist genug getrauert. Sie konnte nicht nachvollziehen, dass ich einfach nicht konnte und Vorwürfe nur wehtaten. Ihr Brief traf mich sehr, was ich ihr auch schrieb. Reaktion: Funkstille.
Nach vier Jahren war es mir wieder einigermaßen möglich, die Menschen um mich herum zu ertragen. Beim Einkaufen fuhr ich doch glatt an meiner Freundin Corinna vorbei. Es versetzte mir einen richtigen Stich, all die Gefühle und die Verbundenheit zu ihr kamen hoch.
Regelrecht verfolgt hat sie mich von da an in meinen Träumen, so entschloss ich mich ihr zu schreiben und all meine Beweggründe und Enttäuschungen offen und ehrlich darzulegen. Ich war zum damaligen Zeitpunkt felsenfest davon überzeugt, dass sie für mich genauso empfindet, trotz der gegenseitigen Meinungsverschiedenheit und wir wieder zueinander finden würden. Immer wieder habe ich versucht, ihr meine Empfindungen begreiflich zu machen. All meine Brücken hat sie einfach nicht verstanden. So habe ich, wie anfangs erwähnt, schweren Herzen, unsere Freundschaft beerdigt. Vergessen werde ich meine Freundin Corinna so lange ich lebe nie. In meinem Herzen hat sie einen festen Platz."
Kritische Meinungen zu dem Thema ,,Frauenfreundschaften" haben noch vier weitere Leserinnen geäußert, die alle negative Erfahrungen sammeln mussten. Denn schwere, plötzliche Krankheit belastet und nicht jeder kann damit umgehen. ,,Meine Freundinnen sind alle weg," berichtet eine Leserin, die sich vorkommt wie eine Aussätzige, seitdem sie schwer krank wurde. Auch im Supermarkt werde sie gemieden und selbst die Freunde und Bekannten ihres Mannes ziehen sich zurück. Sollten Sie sich ganz oder zum Teil wieder erkennen, dann verpassen Sie nicht unseren Vortrag am 24.3. zum Thema ADHS(siehe Infokasten).
Was ist es nur, dass zurückschrecken lässt vor dem Leid der anderen. Ist es die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun? Ist es das Gefühl mit hin abgezogen zu werden oder die unbewusste Sorge, dass es vielleicht doch ansteckend ist?
Dabei wollen diese betroffenen Frauen kein Mitleid - erwarten kein mit leiden ihrer ehemaligen Freundinnen, sondern einfach nur da sein und begleiten in einer Situation, die schon schlimm genug ist, in der die Haut dünn wird. ,,Vielleicht gibt es keine Freundinnen auf Lebenszeit mehr, sondern nur noch Lebensabschnittsfreundinnen", sagt eine von ihnen.
Sind Sie eine wahre Freundin?
Sind Sie Katastrophen-Managerin? Plaudern Sie auf keinen Fall vertrauliches aus und neiden Sie keinen Erfolg? Ertragen Sie geduldig die alljährliche und immer vergebliche Frühjahrsdiät? Nutzen Sie Freundschaften nicht aus, sondern bieten auch ihre Hilfe an? Und kennen Sie ihre Freundin ganz genau und haben keine Scheu, ihr ihre Fehler bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben und - ganz wichtig - lassen Sie die Hände weg von ihrem Partner?
Sollten Sie alle Fragen mit ,,ja" beantwortet haben und dabei noch heftig mit dem Kopf nicken, dann sind Sie eine wahre Freundin, ein Glücksfall und ihre Freundin wird es hoffentlich zu schätzen wissen, denn Männer kommen und gehen, doch die beste Freundin bleibt.
Barbara Dickmann
