Dr. phil. Mathias Jung, Psychotherapeut in Lahnstein bringt es immer auf den Punkt.
Bild: Privat
Den ganzen Abend spricht er schon mit dieser schrecklichen Frau, mit eingezogenem Bauch und gestraffter Brust und aufgeplustert wie ein Gockel. Was fällt ihm eigentlich ein! Und in uns machen sich sonderbare Gefühle breit. Wir schwanken zwischen Wut und Angst, Selbstzweifel und Trauer und sehen ihn schon im Bett mit ihr.... Mit einem Wort: die Eifersucht lässt uns nicht mehr los. Doch was ist das eigentlich, dieses unbeschreiblich schreckliche Gefühl, das manche Menschen zu Verbrechern werden lässt? „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“, sagt der Volksmund. Und im Wörterbuch der philosophischen Begriffe wird diese seltsame Geschichte so definiert: Eifersucht ist die quälende, bis zu leidenschaftlichem Hass sich steigernde Furcht, die Neigung einer geliebten Person oder den Besitz eines Wertes oder Gutes mit einem anderen teilen zu müssen oder zu verlieren...“
Laut Wickert-Institut leiden rund 80 Prozent der Frauen und Männer in Deutschland an Eifersucht. Doch das ist nicht weiter tragisch. „Wir dürften durchaus eifersüchtig sein“, sagt Dr. Mathias Jung, Psychotherapeut am Dr. Max Otto Bruker-Haus in Lahnstein, „denn im dem
Augenblick, in dem wir mit einem Partner zusammen ein Paar bilden, verteidigen wir unsere Paarbeziehung mit dem Mechanismus der Eifersucht“. Sie bedeute Aufmerksamkeit, Beobachtung, Warnsignal und Selbstregulation. Um es klar zu sagen: Sie müssen also keineswegs vergnügt und äußerst großzügig IHM das vermeintliche, erotische Vergnügen mit IHR gönnen – ganz im Gegenteil. Seien Sie alarmiert und auf der Hut. Vielleicht stimmt schon eine ganze Weile etwas nicht und Sie sollten sich dringend einmal aussprechen! Es ist also keineswegs krankhaft, wenn Sie richtig sauer werden, sobald ihr Intensivsozialpartner sich einer anderen zuwendet, Sie können sogar richtig gehend explodieren. „ Wir müssen dabei allerdings zwischen der normalen und der krankhaften Eifersucht unterscheiden, „ sagt der Psychotherapeut und da sieht es schon anders aus. Denn der krankhaft Eifersüchtige agiert aus der eigenen Schwäche. Er ist beherrscht von seinem Minderwertigkeitskomplex. Und den jeweils Anderen empfindet er als grundsätzlich attraktiver, schöner und klüger. In der Eifersucht soll dieses Minderwertigkeits- gefühl kompensiert werden, indem absolute Sicherheit gefordert wird. Doch die gibt es in keiner Beziehung, denn diese ist ein fortwährender Suchprozess. „ Ich darf des anderen nicht zu sicher sein, sonst behandele ich ihn wie ein Möbelstück oder wie mein Auto, „ sagt Mathias Jung, „ und wer den anderen wie eine Immobilie im Grundbuch eingetragen hat, bleibt auf ihr sitzen!“ In der krankhaften Eifersucht wird die Liebe zum Bürgerkrieg. Sie ist eine Sucht. Chronische Eifersucht ist gleichzeitig auch eine Beziehungskrankheit und Partner von Eifersüchtigen, die diese Tragik jahrelang
mitspielen, sollten sich einmal fragen, warum sie das aushalten? Warum sie ihn gewähren lassen und nicht ihre eigenen Probleme anpacken? Bleibt noch der Fall der Fälle – was tun, wenn die Eifersucht berechtigt ist und Ihr Partner sich verliebt? „Geht dann die Welt unter? Ist jede Außenbeziehung eine irreparable Katastrophe? „ fragt der Psychotherapeut. Für eine Frau würde das bedeuten, die plötzlich auftretende Rivalin nicht ausschließlich als Bedrohung der Ehe zu sehen, sondern als Chance, einfach mal mehr zu wagen. Vielleicht trägt dieses „Weib“ erotische Dessous, schminkt sich apart, bildet sich fort und sprüht vor Lebenslust, während wir als seine Partnerin im Wollrock bis zu den Waden brav zu Hause bleiben und uns mit Schokolade trösten. „Wer sich selbst treu bleiben will“, sagte der Dichter Christian Morgenstern einmal, „ kann nicht immer anderen treu bleiben.“ Doch wie man eine Beziehung gestaltet und welche Regeln gelten, bleibt heute jedem selbst überlassen. „Gegen die Eifersucht, die dunkle Schwester der Liebe, gibt es letztlich nur zwei Medikamente“, sagt Mathias Jung, „ die wiedergefundene Liebe zu sich selbst und die Freiheit – für sich und den anderen.“ Und wo die normale Eifersucht sich einstellt, da darf und soll ich sie auch leben. Aber die krankhafte Eifersucht zu bewältigen, heißt nachzureifen. Selbst erst eine runde Persönlichkeit zu werden, sich von den eigenen Minderwertigkeits- komplexen, der Selbstabwertung und Hörigkeit loszulösen. Vielleicht hilft ein kleines Buch dabei, das locker in die Handtasche passt: EiferSucht ein Schicksalsschlag? Von Liebe, Freiheit und Besitzgier, von Mathias Jung (ISBN 3-89189-079-6).
