Martina Franck gründete ein Hilfsprojekt für ältere Menschen und Straßenkinder in Brasilien Bild: Privat
Mit Mitte 20 ist sie drei Monate in Brasilien. Sie sieht Armut, Elend, Krankheit. Sie besucht die verschiedensten Sozialprojekte. Martina Franck, Jahrgang 68, mittlerweile diplomierte Religionspädagogin und kurz vor dem Abschluss ihres Zweitstudiums in Sozialpädagogik, lässt es nicht mehr los. Martina will helfen - doch dafür braucht sie Geld, Gleichgesinnte und einen Hintergrund. 1993 gründet sie, gemeinsam mit Freunden, den Verein Pontes do Amor - Brücken der Liebe e.V. Das Ziel: Die Finanzierung der sozialen Arbeit, die konzeptionelle und persönliche Begleitung der Mitarbeiter/innen und Betreuten. Interkulturelle Begegnungen durch Austausch mit Partnerorganisationen. Wichtig: Alle gespendeten Gelder kommen zu 100 % der sozialen Arbeit zugute.
Im Herbst 1994 fliegt sie nach Brasilien, kauft ein Haus, richtet es als Altenheim und die Aufbauarbeit beginnt... ohne staatliche Unterstützung. 1995 eröffnet sie gemeinsam mit dem Brasilianer Daniel Rolim das Casa do Amor. Sie warten nicht, bis die ersten Alten kommen. Sie suchen sie. Donna Margone finden sie in einem Kellerloch, in einem Armutsviertel bei Arruda (Brasilien). Sie ist schon alt und geistig verwirrt. Wann sie geboren wurde, weiß kein Mensch. Ihre ganze Haut ist von einer ungefähr 1 cm dicken Schmutz-
schicht überzogen. Sie riecht fürchterlich. Eitrige Wunden sind unbehandelt. Ihre Sprache ist voller Fehler und sie redet sehr laut. Von ihrer Vergangenheit weiß sie nichts, alles in ihrem Leben dreht sich ums Überleben. Um die nächste Stunde, den nächsten Tag... Wahrscheinlich bettelt sie schon Jahrzehnte. Sie nehmen sie mit in das Casa do Amor. Vierzig alte Frauen sind heute dort untergebracht, erfahren direkte Hilfe, werden ärztlich betreut, ernährt und therapiert. Das Altenheim ist mittlerweile nur eins von vier Projekten. Zusätzlich kümmert sich der Verein um die Straßenkinder, um die Betreuung in der Favela ,,Chao de Estrellas" und ist politisch tätig. Nach wie vor wird die ganze Geschichte ausschließlich von privaten Spenden finanziert, die der Verein Pontes do Amor einsammelt.
Brasilien ist fern, doch Martina Franck ist nah - am 14. November 2006 sogar ganz nah. Sie ist Gast der neuen Vortragsreihe im Europa-Park, ist Referentin in eigener Sache und für eine gute Sache. Titel: ,,Liebe ist das Einzige, das mehr wird, wenn ich es verschwende… Erfahrungsbericht aus 13 Jahren Projektarbeit in Brasilien". Und Martina Franck ist die Verschwenderin schlechthin. Sie verschwendet Liebe - an den Menschen, an die Natur. Sie achtet Unterschiedlichkeit, ureigene Persönlich-keit und andere Kultur. Sie will Neues entdecken, Menschen zueinander bringen und Netze knüpfen. Sie geht gern in die Tiefe und will ergründen was im Verborgenen schlummert. Was ist das für eine Frau, die intelligent, gebildet und attraktiv mit Mitte zwanzig einen Weg einschlägt, der zum Elend anderer führt? Was ist ihr Motiv? Was hat sie erlebt? Fragen, die neugierig machen auf diese Frau. Fragen, die nur sie selbst beantworten kann! Nutzen Sie die Gelegenheit eine besondere Frau und ein besonderes Projekt kennen zulernen, es kostet nichts. Auf besonderen Wunsch von
Martina Franck und verbunden mit der Bitte um ein Spende, falls Sie es möchten, ist der Eintritt frei (siehe Infokasten).
Der Anfang ist schwer - für alle Seiten. Margone, die alte, geistig verwirrte Frau aus dem Kellerloch, ist das alles nicht gewöhnt. Sie will nicht duschen und nicht mit den anderen am Tisch essen. Es braucht viel Liebe und Geduld, es braucht viel Achtung vor einer Persönlichkeit, die erstarrt ist unter Dreck und Elend, deren Kopf einfach abgeschaltet hat, um zu ertragen, was unerträglich ist... Heute singt sie laut und fröhlich mit, wenn gebetet oder gefeiert wird. Dona Margone unterhält sich mit jedem und zeigt ihre Zu- oder Abneigung offen. Von ihrem Leben auf der Straße will sie nicht mehr wissen.
Geben und Nehmen
Martina Franck, Religions- und Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin, referiert am 14. November, im Europa-Park, im Hotel ,El Andaluz`, Raum Alhamba, um 20 Uhr. Titel: ,,Liebe ist das Einzige, das mehr wird, wenn ich es verschwende... Erfahrungsbericht aus 13 Jahren Projektarbeit in Brasilien". Sie wird nicht nur ihr Projekt vorstellen, sondern über ihre persönlichen und spirituellen Erfahrungen berichten. Wie es dazu kam, was sie antrieb, sich schon als junge Frau um die Bedürfnisse anderer zu kümmern. Und vom Kreislauf der Liebe - vom Geben und Nehmen, das nicht immer vom gleichen zurückkommen muss. Es ist eine besondere Frau mit einen besonderen Thema - lassen Sie es sich nicht entgehen. Der Vortrag ist kostenlos. Kein Kommerz, sondern Hilfestellung von Mensch zu Mensch, neue Perspektiven und wertvolle Tipps um das Leben lebenswerter, fröhlicher, gesünder und erfüllter zu gestalten - das ist das Konzept der neuen Vortragsreihe im Europa-Park. Initiiert von Marianne Mack, Frau von Roland Mack und begleitet von ,typisch frau` -Autorin Barbara Dickmann, arbeiten alle Beteiligten ehrenamtlich. (ck)
Barbara Dickmann
