Der schönste Sommer mitten im Winter




Gertrud Zapf spielt eine Hauptrolle im Film
"Der Sommer im Winter"
Hatten Sie auch Ihre Träume? Wollten Sie als junges Mädchen vielleicht Schauspielerin werden oder mit dem Rucksack auf dem Rücken fremde Länder und Kulturen kennen lernen? Oder sahen Sie sich in einem Flieger im chicen Dress einer Flugbegleiterin, die heute in San Francisco übernachtet und morgen in Paris? Gertrud Zapf aus Furtwangen will als junge Frau gerne Krankenschwester werden und als Entwicklungshelferin nach Afrika gehen.
Doch das Leben meinte es anders, denn Gertrud Zapf, heute 69 Jahre alt, wächst auf einem Bauernhof auf. Sie ist die Älteste und muss daheim bleiben. Außerdem ist sie nicht gegen Pocken geimpft und damit platzt der Traum endgültig. Sie beginnt eine Hauswirtschaftsausbildung und wird „Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft“. Schon damals geht sie lieber in den Garten als in den Stall, ist äußerst kreativ in der Gestaltung und ihre Mutter lässt sie nur zu gerne. Mit 26 heiratet Gertrud Zapf und wird die Bäuerin vom Burghof in Furtwangen-Neukirch, einem der ältesten Bauernhöfe in der Gemarkung. Er liegt in 920 m Höhe und ziemlich abseits.
Der Hof fordert sie mit Haut und Haar, sie arbeitet mit auf dem Feld, im Wald, erzieht vier Kinder und versorgt das Haus. „Maschinen, so wie heute, gab es damals nicht“, erinnert sie sich. Doch ihre Kreativität lebt sie im Garten aus. Sie gestaltet einfach gern, probiert die unterschiedlichsten Pflanzen aus und kombiniert sie miteinander. Mit den Jahren wird ihr Garten ein kleines, vom Frühjahr bis zum Herbst blühendes Paradies. Schön bunt muss es sein.

Trotz der unerfüllten Träume ist Gertrud Zapf glücklich. Die Kinder werden größer und ihr Garten immer prächtiger. 1998 schreibt das Landwirtschaftsamt einen Bauerngartenwettbewerb aus und die Tochter meldet sie einfach an. Die Jury kommt und ist begeistert. In 2001 ist Gertrud Zapf beim „Tag des offenen Bauerngarten“ mit dabei und dann wird sie entdeckt. Ulla Haschen und Karl-Heinz Heilig, zwei Filmemacher aus Oldenburg, möchten einen Dokumentarfilm drehen und sie und drei andere Frauen übers Jahr mit der Kamera begleiten. Das Thema: Gertrud Zapf und ihr Garten – im Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
In 2006 geht es los und bald gehört das Filmteam zur Familie. Mittlerweile haben Gertrud und ihr Mann das Reisen entdeckt und darüber ist sie sehr glücklich. Das wollen sie intensivieren, wenn die Landwirtschaft nicht mehr da ist. Doch es kommt anders. In 2008 fällt ihr Mann vom Schlepper und ist tot. „ Es kam ganz plötzlich, mein Mann ist nie krank gewesen.“ Der Schock sitzt tief. Jetzt wird der Garten umso wichtiger. “Die Natur tröstet und ist Balsam für die Seele“, sagt Gertrud Zapf. In 2009 wird intensiver gedreht, sie lernt vor der Kamera zu sprechen und sich natürlich zu bewegen. Zum Schluss sind über 80 Stunden Filmmaterial zu schneiden und am 14. Mai 2010 ist die Premiere. Gertrud Zapf ist völlig überrascht und sehr begeistert. Heute lebt Gertrud Zapf mit Sohn, Schwiegertochter und vier Enkeln auf dem Burghof.
Im Augenblick ist noch Strohschuhmachen angesagt, denn das ist ihr zweites Hobby. Außerdem hat sie eine Karriere als Kursleiterin bei der Volkshochschule gestartet und ist viel auf Messen und Bauernmärkten. Und im Augenblick freut sie sich auf den Tag, an dem die ersten Pflänzchen der Frühjahrssonne entgegen sprießen.
Natürlich wäre sie gerne nach Afrika gereist und hätte die Welt erobert. Doch eine glückliche Ehe, Kinder und Enkelkinder und ein traumhafter Bauerngarten, der unter ihrem grünen Daumen gedeiht und sie immer wieder beglückt hat, haben aus ihr eine Frau gemacht die in sich ruht, das kleine Glück zu schätzen weiß und es nicht in der Ferne suchen muss.

Der Film:
„Der Sommer im Winter – dort, wo Lebenskunst und Gartenkunst sich berühren“ erzählt die Geschichten von vier Frauen, die jeweils einen Bauerngarten im Hochschwarzwald bewirtschaften. Dort, wo das Klima rauh und der Boden karg ist, dort entdeckten die Filmemacher wahre Kleinode gärtnerischer Kunst.Am 7.2. wird er in Triberg, Kronenlichtspiele, gezeigt und am 2.3. in Furtwangen, im Kino Guckloch.

Der Garten fĂĽr Gertrud Zapf:
„Ein Garten ist immer eine persönliche Note des Gärtners. Am Garten kann man nicht den Charakter, aber den Typ erkennen. Ich mag das „Durcheinander“, ich mag keine Beete. Wege gibt es da wo nichts wächst und ein Garten ist eigentlich vergewaltigte Natur. Was wir brauchen ist die kleine Schmuddelecke, wo auch besondere Pflanzen wachsen können. Ich pflanze nach dem Mondkalender. Das traditionelle Wissen ist für mich Ausgleich für unsere verrückte Welt. Ein Garten hilft, den Stress abzuarbeiten und mit der Natur in Kontakt zu bleiben“, ist die Meinung von Gertrud Zapf.