Ein Krankenhaus in Afrika

- Hebamme Christiane Paul-Klingner arbeitet in Tansania -

War der erste Mensch schwarz? Stand die Wiege der Menschheit in Afrika? Ist dieser Kontinent deshalb so faszinierend? Für Christiane Paul-Klingner gibt es nichts, was sie faszinierender findet. Denn Afrika ist anders. Immer und überall. Ende Januar war Christiane wieder dort. Zum dritten Mal. Nicht mit einer Reisegruppe oder als Rucksacktourist. Christiane Paul-Klingner hat gearbeitet - in ihrem Beruf als Hebamme, in einem Krankenhaus in Mbozi, kurz vor der sambesischen Grenze in Tansania. Tansania, liegt südlich vom Äquator und ist fast dreimal so groß wie Deutschland. Es erstreckt sich vom indischen Ozean im Osten bis zu den großen Binnenseen im Westen. Tansania ist ein Entwicklungsland. Doch die Entwicklung schreitet voran, dank des Schuldenerlasses vor einigen Jahren. Es gibt die Schulpflicht, die Zahl der Analphabeten sinkt und die Menschen sind wissbegierig. Doch Aids ist die größte Bedrohung. Die Krankheit verbreitet sich entlang der innerafrikanischen Straßen und unauffällig stirbt eine ganze Generation. Übrig bleiben die Alten und viele Waisenkinder. Doch Afrika ist auch Musik, Lachen und Fröhlichkeit. Und Tansania ist schneebedeckter Kilimandscharo und Serengeti, Savanne, Elefanten, Löwen, Giraffen, Affen und spektakuläre Großwildwanderungen - und hier fühlt sich Christine zu Hause. In einem Land, das als eines der ärmsten Länder der Erde gilt und trotzdem eine vorbildliche Naturschutzpolitik hat, denn über 25 % des Landes sind unter Schutz gestellt. Auf dem Krankenhausgelände laufen Kühe und Ziegen. Es ist gerade Regenzeit, die Natur

explodiert, Bäume und Kakteen blühen. Manchmal gibt es sogar Strom, meistens nicht. Christiane wohnt im Gästehaus, die erste Woche ist sie allein, dann kommt noch eine Schweizerin, die im Waisenhaus arbeiten will. Die Menschen wohnen verteilt im Busch auf Farmen und bewirtschaften das Land. Im nahe gelegenen Laden kann man Öl, Bier, Seife, Wolle, Spiritus, Thermoskannen, Tücher, Reis, Süßigkeiten, Chemiecola, Fruchtsirup...einfach alles kaufen, was man im Busch braucht. Es gibt vier Ärzte. Einer Ärztin gehört der Laden, denn von ihrem Gehalt kann sie nicht leben. Die Hebammen sind gut ausgebildet und sprechen perfekt Englisch, denn fünf bis sechs Jahre dauert es, bis sie als Krankenschwester mit Zusatzausbildung zur Hebamme fertig sind.
In der Wöchnerinnenstation stehen dreißig Betten in einem Zimmer, zusätzlich liegen noch Matratzen unter den Betten. In einem Bett schlafen manchmal drei Frauen, auf dem Boden sitzen die Angehörigen. Moskito-Netze schützen vor Malaria. Wer entbunden hat, geht gleich nach Hause, nach einem Kaiserschnitt bleiben die Frauen zehn Tage. Im Labor stehen fünf Mikroskope, davon sind vier kaputt. Hier werden die Blutgruppen bestimmt. Es gibt keine Blutbank und wer Blut braucht, kann nur hoffen, dass ein Verwandter mit der passenden Blutgruppe in der Nähe ist. Fehlt sie, sterben die Frauen. Mit einer Maschine aus Deutschland können Infusionen hergestellt werden. Die Frühgeborenen-Intensiv-Station besteht aus dicken Decken und einem Heizstrahler. Frühchen, die von alleine atmen, haben

eine Chance - sonst nicht. Es gibt keine Flasche, keine Säuglingsnahrung - es gibt nur Muttermilch und ein Becher, mit dem die abgepumpte Milch eingeflößt wird. Die Intensivstation ist hinter einen blauen Vorhang, der Kreissaal hinter einer blauen Tür. Es gibt kaum Schmerz- oder Narkosemittel, die Frauen müssen Schmerzen aushalten und die Waisenkinder sind völlig unterversorgt. Sie kennen keine Liebe und keine Zärtlichkeit, werden mit verdünnter Kuhmilch ernährt und sparsam gewickelt. Sie werden verlassen auf dem Feld gefunden und haben oft Aids. Das ist Afrika! Doch auf dem Krankenhausgelände ist das pralle Leben, ist Musik, Gesang und Lachen, denn dort leben die Verwandten der Wöchnerinnen und kochen und waschen für sie. Dort sind die Krankenschwestern und harken die Wege und der Chefarzt mäht den Rasen, denn alle fassen an, um das Gelände zu pflegen. Auch das ist Afrika! Christiane Paul-Klingner hat viel gearbeitet, ihr Wissen an äußerst wissbegierige schwarze Menschen weitergegeben und auch selbst viel gelernt. Das Krankenhaus, das von der Herrenhuter Brüdergemeinde unterhalten wird, seine großen und kleinen Patienten und die Schwestern und Ärzte sind ihr ans Herz gewachsen. Deshalb bittet sie um Spenden und steht am Internationalen Hebammentag in Villingen in der Fußgängerzone.

Barbara Dickmann