Arbeit mit Tieren findet sie wunderbar

Traumberuf oder was VernĂŒnftiges lernen? Portrait von Hufpflegerin Tanja Heimburger

Tanja Heimburger mit Tochter Chiara und Eselstute Trude, einer augenscheinlich zufiredenen "Patientin" von Tanja Heimburger.

Feste Schuhe, praktische Hose, T-Shirt, schlank und rank und HĂ€nde, die zupacken können. Eine etwas flippige Kurzhaarfrisur und gepierct. Kein Frage, hier steht kein sĂŒĂŸes kleines Frauchen, sondern eher eine willenstarke, praktische und natĂŒrliche junge Frau. Doch dann sind da diese FingernĂ€gel, die eigentlich keine sind, sondern kleine Kunstwerke. Ist sie doch ein Model im Freizeitlook? Oder Designerin, Friseurin, SchmuckverkĂ€uferin? Nein, nein und nochmals nein - Tanja Heimburger, 23 Jahre jung, Mutter einer zweijĂ€hrigen Tochter, kennt die erstaunten Blicke und die Frage, die dann kommt. „Wie kann man mit diesen FingernĂ€geln in diesem Job arbeiten?“ Denn Tanja ist Hufpflegerin, was ja eher fĂŒr HĂ€nde mit Schwielen und raspelkurzen FingernĂ€geln spricht. Die Antwort ist klar: frau kann, wie man hier deutlich sieht, doch vielleicht sind diese kleinen Kunstwerke ja auch Überbleibsel aus der beruflichen Vergangenheit, denn die sah ganz anders aus. Tanja ist in St. Georgen zu Hause und wĂ€chst mit SchĂ€ferhund, Vögeln, Kaninchen, Meerschweinchen auf. Mit acht Jahren entdeckt sie ihre Liebe zu Pferden, reitet und versorgt eine Pflegestute.

Tanja ist vierzehn als die Stute ein Fohlen bekommt. Sie zieht es groß und reitet es ein. Mit siebzehn kauft sie es und ist glĂŒcklich. Tanja hat nach dem Realschulabschluss gerade die Ausbildung zur Verwaltungsfach-Angestellten begonnen, was nicht gerade ihr Traumberuf ist. „Ich wollte eigentlich immer etwas mit Tieren machen, doch Tierarzthelferin hĂ€tte ich damals psychisch nicht geschafft – heute schon“, sagt sie und außerdem hĂ€tten die Eltern natĂŒrlich darauf gedrungen, dass ihre Tochter „etwas VernĂŒnftiges“ lernen solle. In 2006 ist sie fertig und arbeitet in ihren Beruf. Dann wird Sina, ihre Haflingerstute, krank. Die Diagnose: Schwere Hufrehe. Die Behandlung: klassisch. Tierarzt, Hufschmied – nichts hilft, die stĂ€ndige Lahmheit von Sina macht ihr schwer zu schaffen und der Tierarzt hat wenig Hoffnung, dass es jemals wieder besser wird. Das wird der Auslöser. Tanja liest sich ein und entdeckt die natĂŒrliche Hufbearbeitung. In Freiburg wird ein entsprechender Kurs angeboten. Tanja geht hin und kann von diesem Wissen gar nicht genug bekommen. Ihr Entschluss steht fest: sie will Barhufpflegerin werden und beginnt eine Ausbildung beim Barhuf-Institut in Stechendorf, Hollfeld. Sie lernt die wenig verbreitete Methode des „NATURAL HOOFCARE nach Peter Ramey. Sie basiert auf viel Bewegung, artgerechter Haltung, optimaler ErnĂ€hrung und natĂŒrlicher Hufbearbeitung nach dem Vorbild des Mustangs. Diese Pferde leben ĂŒberwiegend in unwirtlichen Gegenden mit zum Teil extrem steinigen Böden, haben wenig Futter und sind gezwungen tĂ€glich große Distanzen zurĂŒckzulegen. Die Ausbildung dauert fast ein Jahr und kostet insgesamt fast 4.000 Euro.

Mittendrin wird sie schwanger und besteht die AbschlussprĂŒfung mit Kugelbauch. Danach ist erst einmal Babypause. Tanja bildet sich weiter, behandelt ihre Haflingerstute und die Pferde ihrer Freundinnen. Ihren beruflichen Weg sieht sie genau vor sich. Das Thema „Verwaltungsfach-Angestellte“ ist durch. „Diese Zeit war in Ordnung“, sagt sie im Nachhinein, doch jetzt beginnt eine neue Epoche. In 2008 steigt Tanja richtig ein (www.gesunde-barhufe.com, Tel. 0171/1468098) , pflegt die Hufe von Pferden und Esel und ist mit ihrem beruflichen Erfolg sehr zufrieden. „Davon kann ich noch nicht leben und erst recht nicht reich werden“, sagt sie, doch sie sei immer an der frischen Luft, hĂ€tte intensiven Kontakt zu Tieren, könne die Termine frei vereinbaren und so ihre kleine Tochter gut versorgen. „Mit Tieren zu arbeiten ist eine große Herausforderung, denn jedes Tier ist anders und hat andere Probleme. Doch den Erfolg zu sehen, einen kranken Huf wieder hinzukriegen. Und wenn das Tier dann wieder laufen kann, ist einfach wunderbar.“ Ihr nĂ€chstes berufliches Ziel heißt Tierakupunktur, denn davon ist sie ĂŒberzeugt. Ihre Haflingerstute Sina ist lĂ€ngst wieder geheilt und startet so richtig durch. Und um auf die wichtige Frage der kunstvollen FingernĂ€gel zurĂŒckzukommen: Bei der Arbeit trĂ€gt sie natĂŒrlich Handschuhe und ein abgebrochener Fingernagel ist die absolute Ausnahme.