Das Glück von Gertrud Götz

- Was uns 2008 berührte -

Immer, wenn das Jahr nur noch ein paar Stunden dauert, zieht man ein Resümee. Fällt uns dies und das ein. Schöne Dinge, traurige, lustige! Einfach alles, was man besonderes erlebt hat und was hängen bleibt. Uns "typisch frau"- Autorinnen fällt dazu eine Menge ein, doch was am meisten haften blieb in diesem Jahr, ist eine ganz besondere Frau. Eine Frau von 71 Jahren, die seit 29 Jahren ihren Sohn pflegt, die unser Weltbild ins Wanken brachte und einem unendlich schwierigen Thema eine neue Sichtweise gab.
Wann ist ein Leben lebenswert? Wenn man gesund, aktiv, reich, schön und erfolgreich ist? Oder reicht schon eine vertraute, liebe Stimme? Ein Gefühl der Geborgenheit, der Zuwendung, um glücklich zu sein? Wir wissen es bis heute nicht. Wir wissen nur eins - Herbert, 40jähriger Sohn von Gertrud Götz, liegt im Wachkoma, wird künstlich ernährt, liegt Tag und Nacht im Bett und braucht Morphium, denn seine Gehirnkrämpfe sind sehr schmerzhaft. Seine Knochen können bei der kleinsten Belastung brechen und bewegen kann er nur noch seinen Kopf, sein rechtes Bein und seinen rechten Arm. Kontrolle hat er nicht darüber. Doch was wir fühlen, ja deutlich spüren, wenn wir Herbert sehen ist folgendes: Herbert ist glücklich - glücklich in einer Welt, die so völlig anders ist als unsere.
Was uns in diesem Jahr völlig überraschte

und sprachlos macht ist folgendes: Ohne einen einzigen Spendenaufruf haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, das Bedürfnis gehabt, Gertrud Götz bei ihrem 24-Stunden-Job ohne Bezahlung zu unterstützen. Wir haben viel Geld von Ihnen bekommen. Gertrud Götz hat damit sehr gewissenhaft für Herbert eingekauft. Denn es fehlte eine Menge. Und auch Gertrud Götz ist tief gerührt und voller Dankbarkeit über so viel Zuwendung und Anteilnahme(siehe ihren Brief).
Das sind dann Momente in denen das Wort "Finanzkrise" oder "Rendite" völlig unter den Tisch fallen und dann macht es noch mehr Spaß "typisch frau" -Autorin zu sein.

Reaktion
Danke! Gerdrud Götz, Mutter von Herbert, schrieb uns einen rührenden Leserbrief: "Auf diesem Wege möchte ich mich nochmals bei Ihnen und Ihren Kolleginnen für die viele Mühe und tollen Artikel ganz herzlich bedanken. Gleichzeitig danke ich allen Lesern für die große, herzliche Anteilnahme die Herbert und ich hierdurch erfahren durften. Für meinen Sohn Herbert konnte ich schon einige, sehr notwendige Dinge anschaffen und es werden weitere folgen. Diese kommen meinem Sohn auch für die tägliche Pflege sehr zugute. Nochmals ein herzliches Vergelts Gott. Allen Lesern ein gesundes Neues Jahr. Gertrud Götz, Mutter von Herbert."

Hinter dem Stand sehen Sie Axel Lux und Ute Böck. Bild: Privat

Aktion
Solche Aktionen macht Gisela Depperich, Wirtin "vom Fass" in Villingen, immer zu Weihnachten. Arbeiten und den Erlös spenden. Mit dabei sind ihre Freunde, denn alleine ist das kaum zu bewältigen. Diesmal hatten sie Glühwein im Angebot. Und aufgrund unserer Reportage war ziemlich schnell klar, wer in diesem Jahr das eingenommene Geld bekommen sollte, natürlich Gertrud Götz. Um ihr das Leben etwas leichter zu machen, um noch besser für Herbert sorgen zu können.

Barbara Dickmann