Die heilige Hildegard.
Wir schreiben das Jahr 1098. Hildegard von Bingen wird als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bennersheim und seiner Frau Mechthild von Merxheim in Bermersheim geboren. Es ist eine besondere Zeit. Die ersten Universitäten entstehen, doch nur für Adelige und Freie, Bauern und Bürger haben keine Bildung, keine Rechte und die Kirche prägt die Gesellschaft. Mit acht Jahren kommt Hildegard in eine Frauenklause und wird dort für das geistliche Leben erzogen. Die Ordensregeln des hl. Benedikt sind die Grundregeln. Mit 16 Jahren entscheidet sie sich für das Leben im Kloster, legt das Gelübde ab und wird mit 38 Jahren zur geistlichen Mutter der Gemeinschaft gewählt.
1147 gründet sie ihr erstes Kloster, erkämpft sich Selbständigkeit und völlige materielle Unabhängigkeit. 1148 erwirbt sie Grundstück und Reste eines abgebrannten Klosters und baut es wieder auf. Hildegard hat jetzt das Kloster Rupertsberg und das kleinere Kloster Eibingen. Hildegard ist 42 Jahre alt, als sie dem Licht begegnet, was nichts anderes bedeuten soll, als dass sich Gott ihr offenbarte. Sie beschreibt es später so: ,,Es kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten vom Himmel hernieder. Es durchströmte mein Gehirn und durchglühte meine Brust. Und plötzlich erschloss sich mir der Sinn der Schriften..."
Hildegard bekommt einen Auftrag. Er lautet: Schreibe, was du siehst und hörst. Hildegard von Bingen wird Visionärin und Prophetin. Sie will die Menschen aufrütteln, sie zur Umkehr bewegen. Sie will Anwalt und Werkzeug Gottes sein, in einer Zeit, in der sich die Menschen immer mehr von ihm abwenden. Hildegard schreibt drei große, theologische Werke. Ihr Thema immer wieder: Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Glaube und Unglaube. Der Mensch muss sich entscheiden zwischen Tugenden und Laster. Die Welt ist das Kunstwerk Gottes. Hildegard ist radikal ehrlich, sagt Dinge, die eigentlich keiner hören will, ist unerschrocken und ist die Kämpferin für einen gelebten Glauben, für Liebe und Gerechtigkeit. Hildegard stirbt am 17. September 1179.
Hildegards Lebensweg besteht eigentlich aus drei Abschnitten. Die Kindheit in der Geborgenheit der Familie, dann der Rückzug in das klösterliche Leben und dann zurück in die Welt um öffentlich zu wirken. Zugegeben, das ist eine wirklich
kurze und oberflächliche Biografie, doch was uns heute noch am meisten bewegt, sind die naturkundlichen und medizinischen Schriften der Hildegard von Bingen. Ihre Lehre hat einen spirituellen Hintergrund: Ursprünglich gab es nur Harmonie zwischen den Menschen und Gott. Mit dem Sündenfall Adams aber beginnt die Entfremdung. Der Mensch unterliegt nun dem Verfall, einer krankhaften Ver-formung. Krankheit ist für Hildegard eine Verfehlung im Wesen selbst. Solange die Elementarkräfte im Organismus ihre von Gott gegebene maßvoll und geordnete Aufgabe erfüllen, garantieren sie dem Menschen Gesundheit und Heil. Sobald sie abweichen, machen sie krank. Aufgabe der Heilkunst ist es nach Hildegards Verständnis, den Weg zurück zum umfassenden Heil zu finden. Es geht also nicht um therapeutische Korrektur, sondern um vernünftigen Lebensstil, um ausge-wogene Lebensordnung und Lebens-führung. Musik und die richtigen Worte und ganz besonders persönliche Hinwendung, sind für sie wichtigere Heilmittel als Salben.
Die Ernährungslehre der Hildegard von Bingen ist also untrennbar mit ihrer Heilslehre verbunden. Keiner kann ohne die hohe Kunst der Lebensführung, der Ordnung des menschlichen Lebens auskommen. Hildegard lehrt ganzheitlich - auch wenn das das Modewort schlechthin ist. Sechs grundlegende Lebensregeln hat sie aufgestellt, die heute noch genauso gültig sind wie anno 1200. Dr. Wighard Strehlow aus Konstanz ist wohl der berühmteste Mediziner, der sich mit der Ernährungstherapie der hl. Hildegard beschäftigt hat. Mehr auf der kommenden "typisch frau".
Barbara Dickmann
