Zwei weibliche Hände, zwei gleiche Ringe - Silvia und Monika leben in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft im Schwarzwald-Baar-Kreis und erzählen, warum sie diesen Schritt gewagt haben.
Bild: B. Dickmann
Zwei Hände - zwei gleiche Ringe! Zwei Menschen, die das Symbol der Verbundenheit nach außen hin zeigen. Das kann Freundschaft sein oder Liebe, bis hin zum festen Willen immer zusammen zu bleiben. Nichts Ungewöhnliches. Doch noch vor fünf Jahren wäre diese ganze Geschichte nicht möglich gewesen, denn diese zwei Menschen, die ganz offiziell zusammenleben, sind zwei Frauen. Und ihre Verbindung heißt nicht Ehe sondern `Eingetragene Lebenspartnerschaft`. Nennen wir sie Silvia und Monika und hier ist ihre Geschichte:
"Ich hatte schon immer das Gefühl, dass irgend etwas bei mir anders läuft", erzählt Silvia. Jungen interessieren sie einfach nicht. Doch gut katholisch erzogen, wagt sie nicht daran zu denken, dass sie lesbisch ist. Erst im Studium, so mit 21, als ihre Dozentin auffällig oft von ihren schwulen Freunden erzählt, wird sie immer nachdenklicher. "Die hat das noch vor mir geschnallt", lacht Silvia. Sie wechselt die Uni, den Freundeskreis, outet sich und hat schnell die erste Freundin. Für ein Jahr geht sie in die USA und per Telefon eröffnet sie ihren Eltern, das die Geschichte mit den Enkeln wohl schwierig bis aussichtslos würde. Die Mutter ist nicht sonderlich überrascht, doch: "Ich habe das eigentlich schlecht geregelt", sagt Silvia im Nachhinein, " so offiziell Auge in Auge wäre das besser gewesen."
Im Referendariat lernt sie Monika kennen und verliebt sich in sie. Doch Monika hat eine Beziehung, hat eine Frau in Frankreich…
Monikas Schwester weiß es schon bevor es Monika merkt. So mit dreizehn, vierzehn war es für sie ziemlich klar. Doch die ahnungslose Monika verliebt sich zwar in ihre Lehrerin und findet es absolut eklig, wenn ihre Freundinnen Jungens küssen, denkt sich aber nichts dabei. Erst nach erst nach dem Abitur kommt das große Erwachen. Sie beginnt ihr Studium in Freiburg und hat zum ersten Mal Kontakt zu lesbischen Frauen. Das ist es! Und dann folgt ihr `Coming-out` in drei Etappen. Ja, ich bin lesbisch, gesteht sie sich selbst ein, dann eröffnet sie es ihrer Familie, dem Freundeskreis und irgendwann auch dem weiteren Kreis. Trotzdem hat Monika auch Männerbekanntschaften, mal gut, mal weniger prickelnd und auch sehr gute. "Aber irgendetwas hat immer gefehlt und wenn man zum ersten Mal Sex mit einer Frau hat, dann ist alles klar."
Monika beendet ihr Studium, ihr Referendariat, hat ihre Freundin in Frankreich, arbeitet als Gymnasiallehrerin im Schwarzwald-Baar-Kreis, als eine junge Referendarin anfängt. Und jetzt wird aus zwei Geschichten eine, denn diese junge Frau ist natürlich Silvia, die sehr schüchtern und irgendwie komisch drauf ist, wenn sie Monika nur sieht. Doch Monika merkt nichts. "Ich bin betriebsblind, wenn ich in einer Beziehung stecke", lacht sie. Irgendwann lädt sie trotzdem die junge Kollegin ein, um ihr fachlich zu helfen. Und irgendwann verliebt sich auch Monika in Silvia. Sie beendet ihre Fernbeziehung und Silvia und Monika werden ein Paar.
Und schon bald steht die nächste Fernbeziehung an, denn das Referendariat ist schnell vorbei und Silvias erste Stelle ist weit weg. Drei Jahre müssen sie durchhalten, ehe der Versetzungsantrag bewilligt wird und auch Silvia als Gymnasiallehrerin im Schwarzwald-Baar-Kreis arbeiten kann. Das letzte I-Tüpfelchen ist ihre Heirat, die "Eingetragene Lebenspartnerschaft".
"Silvia ist der Mensch, mit dem ich alt werden möchte", sagt Monika. Silvia lächelt und kann das nur bestätigen. Ist es nicht genau dieses Gefühl, das viele heterosexuelle Paare zusammen bringt? Und ist ihre Beziehung im Prinzip nicht wie jede andere auch? Keine Frage: Silvia und Monika haben Probleme und sie klären sie. Sie streiten sich und sie vertragen sich. Sie leben in einem Reihenhaus, haben ein Sofa und wollen einen Flachbildschirm. Keine wilden Sexorgien, sondern eine stinknormale Zweierbeziehung, nur dass sie beide Steuerklasse I haben.
Beide unterrichten Ethik (die Lehre vom richtigen Handeln und Wollen) mit Begeisterung. Beschäftigen sich mit moralischen Fragen, mit allgemeinen Prinzipien und philosophischen. Diskutieren mit ihren Schülerinnen und Schülern, deren religiöse Bandbreite vom strenggläubigen Muslimen bis zum überzeugten Atheisten reicht. Silvia und Monika gehen mit ihrer Homosexualität nicht hausieren, das ist für sie kein Schulthema. Doch wenn Fragen kommen, sind sie einfach ehrlich. Schlechte Erfahrungen im Schüler-, Eltern-, oder Kollegenkreis? Beide verneinen. Und ihre Eltern? Tja, das ist so eine Sache. So richtig freuen sie sich nicht, denn Enkelkinder werden sie von diesen Töchtern nicht erwarten können. "Kinder sind für uns kein Thema", sagen beide Frauen, obwohl Monika praktizierende, völlig begeisterte Tante ist. Die Zukunft: Vielleicht an einer deutschen Schule im Ausland unterrichten? Oder ein Haus auf dem Land? In jedem Fall Vorurteile abbauen durch ihr Vorleben und hoffentlich gemeinsam alt werden.
Zwei Hände - zwei Ringe - zwei Frauen, die sich gefunden haben und eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Die intelligent, selbständig, anerkannt, engagiert und ausgesprochen sympathisch sind. Wie schön, dass wir in einem Zeitalter leben, in der das Wort "lesbisch" nicht abwertend gebraucht wird, sondern einfach ein Ausdruck
für eine emotionale und sexuelle Orientierung ist.
Das Lebenspartnerschaftsgesetz
Das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft (kurz Lebenspartnerschaftsgesetz LpartG), ermöglicht zwei Menschen gleichen Geschlechts in der Bundesrepublik Deutschland die Begründung einer Lebenspartnerschaft. Die sexuelle Orientierung der Personen ist unerheblich. Eine Lebenspartnerschaft ist - neben der Adoption für Nicht-Blutsverwandte - in Deutschland die einzige Möglichkeit einer gleichgeschlechtlichen Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben. Es trat zum 1. August 2001 in Kraft. Im Jahr 2007 gaben rund 68.000 gleichgeschlechtliche Paare an, in einem gemeinsamen Haushalt in einer Lebensgemeinschaft zusammenzuleben. Rund 15.000 dieser Paare hatten eine Eingetragene Lebenspartnerschaft geschlossen. Zuständig sind in der Regel die Landratsämter, in Villingen-Schwenningen findet die "Eintragung" in einem Raum direkt hinter der Autoanmeldestelle statt. Eine Gleichstellung mit der Ehe gibt es insbesondere im Einkommensteuerrecht nicht. "Wir haben alle Pflichten eines Ehepartners, aber nicht alle Rechte", sagen Silvia und Monika). Doch seit 2005 haben die Partner im Falle einer Scheidung einen Anspruch auf Versorgungsausgleich und im Todesfall einen Anspruch auf Rente. Ebenso wie Eheleute haben sie gegenseitig Unterhaltsansprüche, erhalten im Erbfall den Ehegattenfreibetrag, bleiben aber darüber hinaus in der ungünstigen Erbschaftssteuerklasse III. Generelle Verbesserungen sind in Arbeit. Quelle:Wikipedia, die freie Enzyklopädie im Internet).
Barbara Dickmann
