Ist Philipp ein Wunderkind?

 

Philipp spielt gerne am Computer, ist 14 Jahre jung, besucht die 8.Klasse eines Gymnasiums und seine mittelblonden Haare stehen immer etwas ab. Philipp ist schlank, liest viel und völlig klar, dass er eine Zahnspange trägt. Also alles in grünen Bereich, ein , ganz normaler` Typ, der sich mit Pubertätsproblemen herumschlägt und genau weiß, wie es in der Bundesliga aussieht. Doch da schüttelt er ganz entschieden den Kopf. Fußball sei ihm völlig schnuppe, meint er und wo nun gerade Michael Schuhmacher seine Runde drehe sei ihm erst recht egal. Und dann gibt es noch ein paar Unterschiede. Philipp liest zum Beispiel gerne Fachbücher, er bringt sich selbst etwas bei und will im Unterricht selbständig arbeiten. "Ich bin ein Typ, der immer weitergehen möchte", sagt er und jetzt will er die Schule wechseln. "Ich gehe ins Internat", hat er beschlossen, denn an seiner jetzigen Schule werde er einfach nicht genug gefordert und so

komme er einfach nicht weiter. Philipp `s Lieblingsfächer sind Latein und Mathe und auch sonst alle Sprachen. Im Februar hat er an der Mathe-Olympiade teilgenommen und war im Rennen bis zur dritten Stufe des Landeswettbewerbs, im März war`s ein Latein-Landeswettbewerb in dem er erster wurde und im April hat er mit einem Klaviersolo den Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau gewonnen. "Mathe und Latein machen einfach Spaß", sagt er, doch sein großes Hobby ist die Musik und Philipp spielt schon ewig. Mit vier Jahren schenkt ihm seine Mutter ein Keyboard, ein Jahr später kommt das Klavier ins Haus und eine Lehrerin an der Musik-Hochschule gibt ihm Unterricht. Seit acht Jahren übt er an sechs Tagen in der Woche, eine bis eineinhalb Stunden. "Natürlich freiwillig, das macht echt Spaß", sagt er, "wenn ich das nicht hätte, dann würde mir etwas fehlen". Selbst zwei Wochen Urlaub ohne Klavier machen ihn

ganz nervös. Philipp ist gerade acht, als er zum ersten Mal an einem Wettbewerb teilnimmt - wie viele es bisher waren, weiß er schon nicht mehr. Die Mathe-Olympiade macht er jedes Jahr mit und bei seinen Klavier-Solos hat er noch nie so richtig daneben gehauen. Da gab es nur gute und weniger gute. Und jetzt schaue ich genauer hin, denn so ein junger Mann ist mir noch nicht untergekommen. Dass er intelligent ist, sieht man an seinen Augen, er drückt sich sehr gewählt aus und ist ausgesprochen höflich und freundlich. "Philipp", frage ich, "hast du Freunde?" Philipp lächelt weiter. "Wenig", sagt er, "das ist so ein Problem jemanden zu finden, der die gleichen Interessen hat wie ich. Und so zu tun als ob mir Fußball und so`n Käse wichtig wäre, sehe ich nicht ein. Doch vielleicht ergeben sich im Internat soziale Kontakte".

Barbara Dickmann