Frauen brauchen rote Zelte zum Kräftesammeln in ihrem Alltag

- Linda Jarosch im Europa-Park: Wie wir mit Farben unsere Freiheiten neu entdecken -

Linda Jarosch (mitte) mit Marianne Mack (rechts) und Barbara Dickmann (links)
Bild: Europa-Park

In China ist rot die Farbe von Glück und Reichtum. In Russland steht sie für die Begriffe wertvoll und teuer. In Japan ist rot die Farbe der Frauen. In Afrika ist sie die Farbe des Lebens. Und in Deutschland ist rot die Farbe des Feuers, der Liebe. Rot steht für Mut, Kraft und Energie und rot steht für Linda Jarosch, selbständige Bildungsreferentin, Buchautorin und leibliche Schwester von Pater Dr. theol. Anselm Grün, dem berühmten spirituellen Berater und geistlichen Begleiter.
7. Juni, 19.30 Uhr, Raum `Convento`, Hotel Santa Isabel im Europa-Park. Über 420 Menschen sind gekommen, um von den Erfahrungen einer Frau zu profitieren, die den ziemlich steinigen Weg zum "rot" geschafft hat. Der Titel ihres Vortrags: "Ab morgen trage ich rot - Frauen entdecken ihre Freiheit." Die Initiatorin: Marianne Mack, im Rahmen ihrer erfolgreichen Vortragsreihe "Neue Perspektiven", die von typisch frau-Autorin Barbara Dickmann begleitet wird. Linda Jarosch legt los.
"Mein Weg führte nicht ins Kloster", sagt sie. Ganz im Gegenteil. Sie heiratet, wird Mutter dreier Kinder und lebt die berühmten drei K`s - Kinder, Kirche, Küche, eine Rolle, die sie viele Jahre lang ausfüllt. Doch als die Kinder erwachsen sind, steht auf einmal eine große Frage im Raum: und jetzt? Das kann doch nicht alles gewesen sein?
Ist das die typische Midlife Crises, die Leere, die Frau empfindet, wenn die Küken flügge werden? Linda Jarosch nimmt sich eine Auszeit. Sie denkt nach! Über ihre Fähigkeiten, über ihre Ziele, über das Leben, ihre Wünsche, über ihren eigenen Wert und über

Verletzungen, die sie erlitten hat. Das Ergebnis: Ab morgen trag ich rot und das in vielfältiger Bedeutung. Denn rot steht nicht nur für Leidenschaft, Dynamik oder Sexualität, rot ist auch die Farbe der Warnung vor Gefahren. Stopp, bis hier hin und nicht weiter. Keiner hat das Recht mich zu verletzen! Ich erwarte Wertschätzung, denn ich bin wertvoll so wie ich bin! Und Linda Jarosch wird zur Partnerin, die Farbe bekennt. "Stellen sie sich eine rote Ampel vor", rät die Bildungsreferentin, " und handeln sie immer dann, wenn ihr Gefühl es ihnen sagt."
Im Saal ist es ganz still. Viele junge Frauen sind im Publikum, ja sogar einige mutige Männer haben sich getraut. Sie schauen etwas bedenklich auf ihre Partnerinnen - wer weiß, was da jetzt auf sie zukommt. Doch Linda Jarosch sieht das ganz anders. "Auch wenn es am Anfang nicht so aussieht, Männer wollen gleichberechtigte Frauen - wollen selbstbewusste Partnerinnen. Ihre Beziehung wird sich verändern, doch sie wird spannender und besser werden.
Keine Frage: Die rote Ampel werden etliche Zuhörer nicht so schnell vergessen. Und noch ein Bild wird in Erinnerung bleiben: das rote Zelt! Eine Einrichtung, die wir alle brauchen. Denn in manchen Kulturen, etwa im Vorderen Orient, ist es üblich, dass sich ihre Frauen von Zeit zu Zeit in ein besonderes Zelt zurückziehen um neue Kräfte zu sammeln. "Suchen Sie sich ihr rotes Zelt im Alltag - wir Frauen brauchen das", sagt Linda Jarosch.
Der Vortrag ist vorbei, doch nicht der Abend. Viele Fragen und etliche Anregungen werden besprochen. "Rote Zelte" - das Symbol für eine kleine oder große Auszeit - gibt es überall: Beim Bügeln, beim Kirschen pflücken, laufen, lesen, dieser Vortrag...einfach alles, was hilft, unsere innere Mitte zu finden.
8. Juni, 9 Uhr, auf der Frühstücksterrasse des Hotels. Entspannt und strahlend sitzt mir eine Frau mittleren Alters aus unserer Region gegenüber. Sie erlebt gerade eine Auszeit - ein "rotes Zelt". Gestern war sie im Vortrag und heute Morgen schon schwimmen. "Im roten Badeanzug und das bei meiner Rubens-Figur!" Irgendwann habe sie dieses auffällige Teil gekauft, doch

nie den Mut gehabt ihn anzuziehen. "Ab heute trage ich rot, " sagt sie, "es ist ein tolles Gefühl!" Oft findet die Veränderung erst im inneren statt, bevor man sie äußerlich sieht, doch es geht auch von außen nach innen und manchmal braucht man tatsächlich die Farbe "rot".

Barbara Dickmann

Hilfe erhalten:
Mutter, Vater, drei Kinder, ein Auto, ein kleines Haus und bis vor kurzem noch ein geregeltes Einkommen. Es könnte eine ganz normale Familie sein - wenn da nicht ein kleiner, sechsjähriger Junge wäre. Und wenn es nicht die Finanzkrise gäbe. Simon (Name geändert) kommt mit einer Kiefer-Gaumen-Segel-Spalte oder wie der Volksmund sagt: mit einer Hasenscharte und einem Wolfsrachen auf die Welt. Dazu kommen: ein verkleinerter Unterkiefer, Hörbeschwerden, ein verkürzter Oberschenkel, verkürzte Schultersehnen...
Simon ist bis jetzt dreizehn Mal operiert worden - Ende offen. Die Familie schafft das, bis der Vater nach zehn Jahren im gleichen Betrieb seinen Job verliert. Die Situation heute: Die Raten für das kleine Haus, eine fällige Autoreparatur, ein Paar Spezialschuhe für Simon, können nicht mehr bezahlt werden. Der Mutter zögert lange, bevor sie sich an einen Förderverein wendet. Die Familie wird jetzt unterstützt.

Ehrenamtliches Engagement:
Mit den Eintrittsgeldern wird über den Förderverein Santa Isabel e.V. - Neue Perspektiven (Bankverbindung: Volksbank Lahr, Konto-Nr. 404802, BLZ 68290000) , der von Marianne Mack ins Leben gerufen wurde, eine Familie mit drei Kindern aus der Region unterstützt. Ihr Schicksal: Der sechsjährige Sohn ist schwerstbehindert. Er hat bereits 13 Operationen hinter sich und noch mindestens fünf weitere stehen an. Der Vater ist nach zehnjähriger Tätigkeit arbeitslos geworden. Die Familie bangt um ihr kleines Haus und weiß nicht, wovon sie die teure zusätzliche Ausstattung für ihren behinderten Sohn bezahlen soll.