Wenn der Mann zu Hause ist

- Traum oder Albtraum vom tagtäglichen Miteinander -

Cornelia (Name geändert) hat ein facettenreiches Leben geführt. An vielen Orten und mit zwei Männern. Ist nach einer Trennung wieder auf die Beine gekommen, hat ihre Kinder allein großgezogen und ist finanziell unabhängig geworden. Ihre zweite Ehe ist glücklich und harmonisch. Cornelia hat es geschafft. Jetzt ist sie bald 60 Jahre alt und ihr Arbeitsleben ist zu Ende. Cornelia hat einen Augenblick ausgeruht und dann überlegt. " Wenn man den Weg überblicken will, muss man einen Schritt zurücktreten", hat sie sich gesagt. Und dann war alles kein Problem, denn Cornelia fielen eine Menge Dinge ein, die sie noch tun wollte. Einiges davon hat sie sofort in Angriff genommen. Sie hat eine Ausbildung absolviert und gibt mittlerweile sogar eigene Kurse. Tagtäglich wiederholt sie ihre Übungen, hält Kontakt zu ihren Freundinnen und will die Zeit nutzen, um ihre grauen Zellen intakt zu halten und zu trainieren. Cornelia braucht viel Zeit für sich, dann ist da noch der Haushalt, ein Sprachkurs lockt und, und, und.... Cornelias Tage sind ausgefüllt.
Cornelias Mann hatte einen anstrengenden Beruf und dazu noch einige Hobby`s. Im letzten Jahr war auch seine Berufstätigkeit vorbei und eigentlich hatte er sich immer darauf gefreut. Die erste Zeit war sehr schön. Erst mal richtig Urlaub machen, länger schlafen, in Ruhe frühstücken und die Zeitung lesen. Doch dann wurde es ihm langweilig und seitdem hängt er an seiner Frau. Cornelia weiß jetzt endlich, wie sie die Spülmaschine richtig aus- und einräumen muss - ihr Mann hat es ihr gezeigt. Auch den Haushalt hat er endlich richtig durchorganisiert und wundert sich, wie seine Frau die ganzen Jahre ohne ihn damit fertig geworden ist. Doch das Organisieren reicht ihm völlig aus. Cornelia darf nach wie vor kochen und putzen, dafür trägt ihr Mann den Müll raus, geht manchmal einkaufen und guckt, was seine Frau so alles macht. Eigentlich geht ihr das fürchterlich auf die Nerven. Am liebsten wäre es ihm, wenn Cornelia den ganzen Tag bei ihm wäre. "Dieses ewige, wohin gehst du und wann kommst du wieder` macht mich einfach wahnsinnig", sagt sie und wehrt sich gegen diese totale Vereinnahmung. Cornelia telefoniert gerne und lange und dann spitzt er schon die Ohren. " Männer können sich nicht so gut beschäftigen wie Frauen", ist ihre Meinung, " Männer sind einfach bequemer, können sich nicht aufraffen und etwas Neues anfangen." Und während Cornelia einfach viel Zeit für sich braucht, sucht er förmlich Gründe um mit dabei zu sein - egal, was sie macht. Manchmal wird Cornelia richtig aggressiv und das will sie eigentlich gar nicht. Warum nur um alles in der Welt,

sucht er sich keine Freunde, warum geht er nicht zum Sport oder sonst wo hin? fragt sie sich immer wieder... Gerda`s Mann (Name geändert) ist 65. Ihn telefonisch zu erreichen ist fast unmöglich. Seit er vor zwei Jahren in Rente ging, platzt sein Terminkalender aus allen Nähten. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter übernimmt er zweimal pro Woche einen halben Tag Telefondienst, kümmert sich um die Pflege öffentlicher Anlagen, passt einmal in der Woche auf seine Enkel auf und die restliche Zeit widmet er seinen Hobby`s. Schwimmen, Kegeln, Wandern, seine heiß geliebte Modelleisenbahn und die regelmäßigen Treffen mit seinen Freunden. Gerda`s Mann ist völlig zufrieden mit seinem neuen Leben. Endlich hat er Zeit für Dinge, die ihm Spaß machen und muss nicht mehr 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten. Trotz vollem Programm bleibt genügend Zeit für die Familie und da Gerda`s Mann zufrieden ist, ist es Gerda auch. Sie kann ebenfalls nach Lust und Laune ihren Interessen nachgehen, muss ihre Freiräume nicht aufgeben und wenn sie etwas gemeinsam unternehmen wird es nie langweilig - ganz im Gegenteil, der Gesprächsstoff geht nicht aus.
Gerda ist froh, dass ihr Mann sich bewusst auf den Ruhestand vorbereitet und noch während seines Berufslebens die Weichen gestellt hat. Doch oft genug läuft die ganze Geschichte anders und Cornelia`s Mann ist weiß Gott keine Ausnahme. Denn wer heute in Rente geht, gehört meist zu der Generation in der die Rollen von Frau und Mann noch klar voneinander abgegrenzt sind - er verdient das Geld, sie kümmert sich um Haus und Kinder. Wenn dann der frisch gebackene Rentner plötzlich den ganzen Tag zu Hause hockt und seiner Frau zeigt, wo es langgeht, ist der Krach vorprogrammiert. Und wenn er sich noch darauf verlässt, jede freie Minute mit seiner Frau zu verbringen, steht er völlig hilflos da, wenn sie mal andere Pläne hat und ihn einfach nicht dabei haben will.
Freiräume für sich und den Partner schaffen und eine Struktur für den neuen Lebensalltag finden, lautet das Rentner-Erfolgsrezept. Experten empfehlen, sich schon zwei bis drei Jahre vor dem Ende des Arbeitslebens auf die neue Lebenssituation vorzubereiten. Das sollte im Beruf genauso geschehen, wie im Privatleben. Gerda`s Mann hatte schon im Vorfeld Verantwortung abgegeben und seinen Nachfolger eingearbeitet, anstatt bis zum letzten Tag zu klammern.
In einer Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema "zweite Lebenshälfte" durchgeführt wurde (im Internet unter www.dza.de/forschung
/forsch-alterssurvey.html), wird jedoch ein-

dringlich davor gewarnt, einfach so in den Tag hinein zu leben. Ein strukturierter Alltag gibt mehr Halt und nach dieser Studie widmen die älteren Menschen die meiste Zeit einem Ehrenamt, dann folgt die Familie und auf Platz 3 landen die Freizeitaktivitäten. Und das ist auch gut so, denn 20 Jahre nur seinem Hobby nachzugehen, reicht einfach nicht aus für eine erfüllte zweite Lebenshälfte. Und eine sinnvolle ehrenamtliche Arbeit zu finden ist in der heutigen Zeit wirklich nicht schwer. Und doch sollte das nicht alles sein. Eine freiwillige Ordnung für den Tagesrhythmus darf jedoch nicht zwanghaft werden. Genießen Sie die Zeit, die Sie jetzt haben und werden Sie nicht zum ,Unruheständler`, der von Termin zu Termin hetzt. Denn wie so oft im Leben kommt es auf den richtigen Mix an - auf Spannung und Entspannung, auf Aktivität und Ruhezeiten, auf Muße und Leistung bringen. Auch Gerda`s Mann hat damit seine Probleme gehabt. Er musste mühsam lernen, sich Zeit zum Genießen zu nehmen. Was sich alles so leicht schreiben lässt ist in der Umsetzung schwer. Deshalb gründet ,typisch frau`einen neuen Frauentreff . Angesprochen werden alle Frauen, die nicht so viel Glück haben wie Gerda, sondern sich eher in der Rolle von Cornelia wieder finden. Es soll keine Jammerrunde über den schlappen Intensivsozialpartner werden, sondern eine Runde, die Ideen entwickelt und sie auch umsetzt. Sei es ein Koch- oder Computerkurs für ältere Männer, sinnvolles soziales Engagement oder einfach eine Wanderung.....Wann, wie, wo lesen Sie im nebenstehenden Info-Kästchen.

Neuer Frauentreff
Keine Frage, es ist langweilig, wenn man zu eng aufeinander sitzt. Viel interessanter ist es, wenn jeder seinen eigenen Bereich hat. Sollte ihr Mann ein Ruheständler im wahrsten Sinne des Wortes sein, der ihnen erst mal zeigt, wie man einen Haushalt organisiert und ihnen vor lauter Langeweile auf den Keks geht, dann freuen Sie sich über unseren neuen Frauentreff. Jeden Mittwoch ab 17.30 Uhr im ,Gasthaus Jägerhaus` in Villingen, Kalkhofenstraße, können Sie in einer Runde von Gleichgesinnten nicht nur verständnisvolles Kopfnicken ernten, sondern neue Ideen entwickeln, um ihren Partner auf Trapp zu bringen - und vor allen Dingen für deren Umsetzung sorgen. Es soll keine Jammerrunde werden, doch nette Gespräche und das Austauschen von Erfahrungen gehören natürlich dazu. Erster Treff ist am 30. März.
Wir freuen uns auf Sie.

Barbara Dickmann