Schwester Maria Noce. Eine Frau, die mit 15 schwanger wird und ihren Weg geht.
Bild: B. Dickmann
Maria Noce ist Italienerin. Sie heiratet mit 15, ist schwanger und wird die absolut jugendliche Mutter einer Tochter. Doch schon einen Monat nach der Geburt geht die Familie nach Deutschland. In Italien gibt es keine Arbeit, doch in Bayern hat ein Verwandter ein Restaurant und bietet ihnen einen Job an.
Sie werden dort nicht glücklich. 8 Monate später sind sie wieder in Kalabrien. Doch ihre Eltern zwingen sie fast, wieder zurückzugehen. Ihre Zukunft soll nicht aus Arbeitslosigkeit in Italien bestehen. Sie versuchen es ein zweites Mal. 1986 sind sie wieder in Deutschland, 1987 landen sie in Schwenningen, bei der Familie ihres Mannes. Ihr Mann arbeitet in der Gastronomie und Maria als Service-Kraft in einem Pflegestift. Sobald sie merken,
dass ihre Jobs relativ sicher sind, holen sie ihre kleine Tochter nach Deutschland.
Maria merkt, dass sie einfach einen Draht zu alten Menschen hat. Sie lacht und singt bei der Arbeit und hat einen Riesenspaß mit ihnen. Und die mit ihr. Immer mehr kümmert sie sich um deren Bedürfnisse. 1991 wird die zweite Tochter geboren - Maria arbeitet weiter. Probeweise wird sie auf die Station versetzt und hilft in der Pflege. Ihr Chef ist mehr als zufrieden. Maria ist einfach ein Naturtalent. Sie betreut die ihr anvertrauten Menschen, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ihr Arbeitgeber bietet ihr eine Ausbildungsstelle an und Maria greift mit beiden Händen zu.
Sie besteht die Prüfung zur examinierten Altenpflegerin mit 1,2. Aus Maria Noce ist Schwester Maria Noce geworden. "Als Italienerin war das nicht so einfach", sagt sie. Es folgen 2 Jahre katholische Sozialstation im ambulanten Bereich, dann zwei Jahre Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. 2001 ist sie fertig und vier Monate später macht sie sich selbständig. Sie gründet den "Christlichen ambulanten Pflegedienst V.S. "Der Gedanke, etwas eigenes zu machen, schwebte schon lange in meinem Kopf", sagt sie. Maria Noce wird Geschäftsführerin. Heute ist sie Chefin von
insgesamt 79 Mitarbeitern, doch die Pflege, insbesondere von Schwerstkranken und alten Menschen, die Hinwendung zu ihnen, ist ihr nach wie vor wichtig. Irgendwie liegt ihr die Pflege im Blut. "In meiner Familie gab es viele kranke Menschen, die versorgt wurden", sagt sie und Mutter Theresa habe sie schon immer bewundert.
2005 wird sie noch einmal Mutter und ist nach wie vor glücklich verheiratet. "Natürlich haben wir unsere Probleme gehabt, " sagt sie, "wenn man so schnell heiraten muss, ist das immer schwierig, doch in Italien wäre eine ledige Mutter damals undenkbar gewesen".
Jetzt könnte die Geschichte eigentlich zu Ende sein, doch Maria hat eine Vision und die heißt "Hospiz". Ein Ort, an dem der Sterbende auf seinem letzten Weg begleitet wird. Ein Ort für intensive Gespräche über Sorgen, Ängste und Trauer. An dem Zeit und Raum ist, und Hilfestellung gegeben wird, um letzte Dinge oder Beziehungen zu regeln.
Seit dem 1. Juni 2009 gibt es in Schwenningen das Hospiz "Via Luce". Der Name kommt aus dem italienischen und bedeutet "Lichtweg". Mehr darüber in einer der kommenden typisch frau.
Barbara Dickmann
