Ein Mann und sein Hund - ein Leben im Wohnwagen ohne Geld. Bild: B. Dickmann
Er steht immer an der gleichen Stelle, am Rand des Parkplatzes vor einem Supermarkt. Nicht sehr groß, sehr schlank, mit Bart und Mütze. Seine Kleidung: ziemlich einfach, ziemlich sauber. Sein Rucksack krönt eine Isomatte und in der Hand hält er einen Becher irgendetwas Heißem. Wahrscheinlich Glühwein ist der erste Gedanke. Der Zweite: ein Obdachloser, der irgendwie den Winter überstehen muss. Immer mit dabei: sein Hund. Eine wohlgenährte Promenaden-mischung mit treuen Augen und schwarz-weißem Fell.
Viele, die dort regelmäßig einkaufen, kennen diesen Mann. Manchmal kaufen sie etwas für den Hund oder einen Becher Kaffee für ihn. Ja genau, es ist Kaffee in dem Becher, kein Glühwein.
"Ich trinke keinen Alkohol", erzählt er bereitwillig, "das ist nicht mein Problem." Und ein Penner sei er auch nicht, ganz im Gegenteil. "Ich bin vor dreiundzwanzig Jahren einfach ausgestiegen und ich will nicht wieder einsteigen!" Wovon er den lebe, frage ich. "Von nix", sagt er, er brauche kein Geld. Ein alter Wohnwagen sei sein Zuhause, der Weiher seine Badewanne und wenn er Holz braucht, dann arbeite er eben dafür. "Es gibt immer Gelegenheitsjobs", sagt er. Und außerdem, so viel würden die Menschen weg-schmeißen und allein die Pfandflaschen, die er täglich einsammelt, reichen für ein bescheidenes Essen.
"Heute Abend, kurz bevor der Laden hier dicht macht, kaufe ich Hühnerklein und Gemüse und dann habe ich schon wieder ein leckeres Essen für zwei Tage". Manchmal bekommt er auch etwa geschenkt. Zum Beispiel Gas für seine Kochplatte und damit es nicht ganz so kalt sei im Wohnwagen.
"Mir gefällt das Leben so, ich will es gar nicht anders", sagt er. Na ja, denken Sie jetzt, mit Hartz IV im Rücken... Doch da widerspricht dieser Mann ganz entschieden. "Ich nehme kein Geld vom Staat. Und ich war noch nie beim Arzt - seit 23 Jahren nicht! Wenn es so nicht mehr geht, dann sterbe ich eben!" Und doch regt ihn etwas ziemlich auf. Im Weiher darf er offiziell nicht mehr baden und dadurch, dass er kein Hartz IV in Anspruch nimmt, fehle ihm der "Schein", die Bestätigung, dass er bedürftig sei und deshalb bekomme er keine billigen Lebensmittel von der Tafel und es kümmere sich keiner um ihn - kein Pfarrer, keine Hilfsorganisation. "So ein Blödsinn", sagt er, "wenn ich Hartz IV, hätte mit 11 € am Tag, dann bräuchte ich doch gar keine "Tafel", dann wäre ich reich..."
Keine Frage, in diesem Leben ist kein Platz für Frau und Kinder, nur für seine Tiere. Hier holt er sich die Zuwendung, die er braucht. Und dann hat er noch seinen "Fan-Club". Menschen, die bestimmt nicht so leben wollen wie er, doch einfach nur bewundern, dass er so lebt, wie er es will, dass er es schafft, sich frei zu machen von dem, was uns die Gesellschaft als gutes Leben vorgibt.
Barbara Dickmann
