Geht es morgen ohne uns? Nein!

- OP-Schwestern und -Pfleger schildern ihre Arbeit: mit ganzem Herzen dabei -

Das gesamte Team von Schwestern und Pflegern, die am Klinikum Schwarzwald-Baar in den OperationssÀlen tÀglich ihren Dienst tun. Sie schildern selbst ihren Alltag, bei dem jeder Fehler ein Menschenleben kosten kann. Und trotzdem ist es ihr Traumjob. Bild: privat

Wir sind ein Team! Einer kann nicht ohne den anderen. Wir mĂŒssen uns aufeinander verlassen. Er ist stressig ohne Ende. Und trotzdem - wir haben einen Traumjob! Das trifft den Kern aller Aussagen. Doch wie ein "ganz normaler" Tag in diesem Traumjob aussieht, schildern Birgit Michel und Katja Siegert, beide OP-Schwestern im Schwarzwald- Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH - oder wie es korrekt heißt: Fachpflegekraft Operations-dienst:
"Montag, 7.15 Uhr! Fast alle sind schon versammelt, Dienstbeginn ist 7.30 Uhr. Gewusel bis jeder einen Platz gefunden hat. Bei einer Tasse Kaffee berichtet der Bereitschaftsdienst vom Wochenende ĂŒber seine Arbeit und seine NotfĂ€lle. TĂ€glich operieren wir in sechs OP-SĂ€len in den Fachrichtungen Allgemein-, Viszeral (siehe Info-Kasten)- und Kinderchirurgie, GynĂ€kologie und Geburtshilfe, sowie an einzelnen Tagen Hals-, Nasen-, Ohren- und Augenheilkunde.
Die OP-Leitung teilt uns jetzt ein, je nach Qualifikation und OP-Programm, das am Abend vorher von den Ă€rztlichen Leitern festgelegt wurde. Wir sind im Regelfall zu Zweit im OP und teilen uns die Instrumentier- und SpringertĂ€tigkeit auf. ZusĂ€tzlich gibt es eine zentrale Sterilisations- und Versorgungsabteilung. Eine Schwester oder ein Pfleger nimmt unseren jeweiligen Patienten in der Patientenschleuse in Empfang und legt ihn auf den vorbereiteten OP-Tisch. In den OP-EinleitungsrĂ€umen erwartet und betreut sie das Narkosepersonal. OP 3 - das Telefon klingelt Sturm. Wir sind mitten in den Vorbereitungen fĂŒr den geplanten Eingriff "Leistenbruch". Unser OP-Organisator steht bereits bei uns im Saal - ein dringender Notfall. "Milzruptur" meldet der Arzt aus der Notaufnahme. Wir reagieren sofort. Teure Instrumente und GerĂ€te fĂŒr die SchlĂŒssellochchirurgie werden aus dem OP gefahren. Wir richten fĂŒr den Notfall. Neue Instrumente und

GerĂ€tschaften mĂŒssen her. Hier ist Erfahrung und FlexibilitĂ€t gefordert, da sich die Ärzte auf unser Können und Handeln verlassen. Nichts besonderes, da tĂ€glich solche Situationen auf uns warten. Jetzt muss der gesamte Ablauf des OP-Programms in den anderen SĂ€len ĂŒberdacht und angepasst werden...Ruhe kehrt wieder ein, aber nicht lange. Dem Organisator erscheint auf dem Telefondisplay Sectio-Alarm!! Ein dringender Kaiserschnitt. Mutter und Kind in Gefahr! Wir brauchen zusĂ€tzliche Kollegen, die außerhalb des Zentral-OPs, zwei Etagen tiefer, die Arbeit verrichten mĂŒssen und zwar schnell! Der Organisator managt und koordiniert die Pflege, Ă€rztliches Personal und OP-Programm, dass mit dem UrsprĂŒnglichen nicht mehr viel zu tun hat.
Wir arbeiten und arbeiten. Gerade wollen wir fĂŒr eine offene Darmoperation Instrumente und Zusatzmaterialien richten, als uns folgende Nachricht erreicht: "Dieser Punkt wird in der Technik der "SchlĂŒssellochchirurgie" durchgefĂŒhrt. Ein Raunen geht durch den Saal. Steht uns ĂŒberhaupt ein Endoskopie-Turm zur VerfĂŒgung? Sind alle Instrumente aufbereitet und sterilisiert? Wir haben GlĂŒck. Der Nachbarsaal mit seinem endoskopischen Punkt ist fertig und stellt den Turm mir sĂ€mtlichen GerĂ€tschaften zur Reinigung und Desinfektion auf den OP-Flur. Sofort reservieren wir ihn. Super, die Instrumente kommen auch aus dem Sterilisator. Der Check up der GerĂ€te beginnt...
Auch das noch! Wir, schon leicht unter Zeitdruck, mĂŒssen jetzt feststellen, dass die CO2-Flasche leer ist. Der Springer flitzt auf den OP-Flur und bittet den Springer aus dem Nachbarsaal um Mithilfe beim Flaschenwechsel. Sie ist groß, unhandlich und ziemlich schwer. Nur gut, dass immer eine neue CO2-Flasche bei uns im OP auf Reserve steht. Wenn wir jetzt den Handwerker rufen mĂŒssten... Mit der Technik sind wir bestens vertraut, das schaffen wir alleine. Monitor O.K., Kamera O.K., Lichtquelle? Was ist hier jetzt? Bloß der Stecker nicht richtig eingesteckt... wir beginnen...
Unser Ziel ist es immer, trotz der NotfĂ€lle und Änderungen, alle geplanten Operationen bei gleich bleibend hoher QualitĂ€t durchzufĂŒhren, denn der Patient, der Mensch, ist uns wichtig. Mit den endoskopischen Operationen und der damit verbundenen Technik ist es nicht getan. Bei den GynĂ€kologen wird heute gelasert. Groß und leuchtend wird am Saaleingang

gewarnt - LASER BETRIEB -. Jeder von uns muss einfach wissen, wie er sich und andere vor möglichen Gefahren und UnfĂ€llen schĂŒtzen kann. StĂ€ndige Weiterbildung heißt hier das Zauberwort. Die Belastungsgrenze unserer Kollegen in der Zentralen Sterilisations- und Versorgungsabteilung ist fast erreicht - viel Arbeit, dazu extrem hohe Temperaturen. Die KapazitĂ€t an Reinigungs- und SterilisationsgerĂ€ten ist begrenzt. FĂ€llt ein Sterilisator aus, muss entschieden werden, welche Instrumente am wichtigsten sind und als nĂ€chstes dringend benötigt werden. Man kann einfach nicht alles im Übermaß bevorraten.
Es ist weit nach Mittag. Mittagspause? Der Patient hat Vorrang. FĂŒr die meisten von uns ist um 16 Uhr Dienstschluss. Doch fĂŒr unsere Kollegen, die Bereitschafts-dienst haben, ist der Tag noch nicht zu Ende. An der Informationstafel stehen noch einige Nachmeldungen ange-schrieben, die im Laufe des Tages, des Abends, der Nacht abgearbeitet werden mĂŒssen.
FĂŒr uns ist der Tag vorbei. Er war aufregend und arbeitsreich - wie immer. Es war ein guter Tag, dank der guten Zusammenarbeit. Die Freude an unserem Beruf und das GefĂŒhl, helfen zu können, lĂ€sst uns das Schicksal der Menschen, die wir tagtĂ€glich sehen, etwas leichter nehmen. Es ist schließlich nicht nur ein "Job" - wir sind mit dem Herzen dabei. Wird es morgen ohne uns gehen? Nein, darum kommen wir wieder". Text: Birgit Michel und Katja Siegert, im Namen des ganzen OP-Teams, bearbeitet von

Barbara Dickmann


Telefonaktion
Möchten Sie OP-Schwester werden? Eine Telefon-Aktion fĂŒr Menschen, die mehr wissen wollen: Sie möchten einen sinnvollen Beruf erlernen? Oder vielleicht umschulen? Oder fĂŒr Ihre Tochter, Ihren Sohn handfeste Informationen aus erster Hand haben? FĂŒr alle Interessierten, die sich fĂŒr den Beruf der OP-Schwester (des OP-Pflegers) interessieren, stehen Birgit Michel und Katja Siegert am Mittwoch, 18.2.09 fĂŒr Sie bereit. Sie können sie von 14 bis 15 Uhr unter Tel. 0772193-3322 oder - 3121 erreichen. Nutzen Sie dieses Angebot, denn hier haben Sie zwei sehr erfahrene OP-Schwestern am Telefon, die Ihnen klare, ungeschönte Antworten geben werden. Ck.