Ronja Dickmann und Franz Mack
Bild: B. Dickmann
Franz Mack, 88jähriger Seniorchef des Europa-Parks will gerade seine Zeitung lesen, als er die Postkarte sieht. "Sehr geehrter Herr Franz Mack", steht dort, " Ich heiße Ronja, bin 13 Jahre alt und besuche die 8. Klasse der Freien Waldorfschule in Villingen-Schwenningen. Wir müssen eine Biografie-Arbeit über eine bedeutende Persönlichkeit schreiben und da ich so gerne in den Europa-Park gehe, wollte ich fragen, ob ich über sie schreiben kann? Kann ich vielleicht vorbeikommen und sie interviewen? Das wäre schön..."
Franz Mack schmunzelt. Da kann man doch nicht nein sagen, zumal er Enkelkinder im ähnlichen Alter hat.
Schon eine Woche später ist es soweit. Ronja sitzt Franz Mack gegenüber und steht vor der ersten großen
Herausforderung in ihrem jungen Leben. Sie ist schrecklich aufgeregt und will noch nicht einmal ein Eis essen. Ronja hat sich gut vorbereitet und etliche Fragen aufgeschrieben. Doch jetzt klebt der Block förmlich in ihrer Hand und irgendwie scheint ihr die Sprache abhanden gekommen zu sein. Der Mann imponiert ihr und dann hat er noch so blaue Augen - Wahnsinn. Es hilft ja alles nichts, da muss sie durch. Ronja stellt die erste Frage und Franz Mack antwortet - kurz und knapp, fertig. Die nächste Frage. Die Antwort: zwei Worte.
Mensch, wenn sie da an ihre Uroma denkt, die auch so alt ist... Da muss sie nur eine einzige Frage stellen und schon legt sie los - ohne Pause, ohne Punkt und ohne Komma. Ronja schwitzt noch mehr, eigentlich hat sie sich das genauso vorgestellt. Doch Franz Mack tut ihr nicht den Gefallen. Frage und Antwort und fertig. Manchmal lächelt er, besonders wenn er über die Familie redet. Und dann sagt er Sätze, die sie schon begreift. Er hat viel gearbeitet in seinem Leben und das sei auch richtig so. Und seine beiden Söhne mussten das auch schon als junge Burschen. "Das musst Du Dir merken, Arbeit ist ganz wichtig im Leben", sagt er, sonst würde der Park nicht mehr funktionieren und viele Menschen würden arbeitslos werden. Franz Mack hat die Euro Mir selbst konstruiert und fährt auch
heute noch jeden Tag mit seinem Elektroauto durch den Park - das findet Ronja einfach super. Und jetzt klappt die ganze Geschichte. Nach zwei Stunden weiß sie eine ganze Menge über sein Leben und seine Familie. Auch seinen Enkel Thomas hat sie kennengelernt. "Möchtest Du noch in den Park und Blue Fire fahren? Fragt Franz Mack. Doch Ronja, die Blue Fire, die neue Achterbahn, liebt, will nicht mehr, sie ist fix und alle. Nur noch nach Hause...
Zwei Monate später ist die 38 Seiten starke Biografie-Arbeit fertig. Ronja weiß nicht mehr, wie lange sie daran gearbeitet hat. Am 6. November hat sie sie vortragen - vor allen Eltern und ihren Klassenkameraden. Auch davor hat sie ziemlich gezittert. Doch im Nachhinein ist sie zufrieden. So hinter die Kulissen zu schauen, ist einfach super und am meisten ist ihr folgendes in Erinnerung geblieben: "Wenn Franz Mack sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es auch durch. Und dass er ziemlich sauer sein kann, wenn im Park etwas nicht in Ordnung ist. Doch ich glaube auch, dass für ihn die Familie genauso wichtig ist." Das ist der Stoff aus dem zukünftigte Journalisten sind - vielleicht übernimmt sie ja mal die typisch frau-Seite. Doch bis dahin sind Sie hoffentlich mit uns zufrieden.
Barbara Dickmann
