Mit Ringelblumen durchgestartet

- Isabella Schulz erfindet immer neue Naturseifen - Eine Frau geht in die Selbständigkeit - Ganzkörperpflege begeistert -

Isabella Schulz in ihrer Seifenküche. Bild: B. Dickmann

Keine Frage, die Familie, die Kinder sind für Isabella Schulz das wichtigste im Leben. Doch ihr Beruf, ihre Weiter-entwicklung, ihr Drang zu lernen, ist fast genauso wichtig. Zweimal in ihrem bisherigen Leben muss sie sich entscheiden, wägt sie ab, was einfach wichtiger ist für sie. Isabella lernt Bäckereiverkäuferin, bildet sich auf eigene Rechnung weiter, geht ins Büro, arbeitet im Vertrieb, im Einkauf, wird Sekretärin, managt die Patentverwaltung und dann... Ja dann kommt die große Frage. Entweder Familie oder Karriere? Isabella ent-scheidet sich für die Familie, heiratet und erzieht drei Kinder. Das ist ihre Haupt-Aufgabe. Nebenher jobbt sie immer mal wieder. So richtig einsteigen will sie, wenn die Kinder aus dem gröbsten heraus sind.
Mit 40 fällt sie die zweite Entscheidung. Sie will wieder beruflich loslegen, wieder auf ihrem ehemaligen Beruf aufbauen. Doch jetzt passiert etwas, worüber sie früher immer den Kopf geschüttelt hat. Es ist unglaublich schwer, wieder herein-zukommen. Der Job hat sich total verändert und mit vierzig ist frau für viele einfach schon zu alt. Einfach unglaublich, findet Isabella. Hat sie sich als junge Frau falsch entschieden? Hätte sie weiter-machen sollen? Irgendwie Vollzeitjob und Kinder kombinieren? Nein, auf keinen Fall. So wie es war, war es gut, doch jetzt muss einfach etwas passieren.
Isabella bastelt gerne mit den Kindern und besonders gerne stellt sie Seife her. Naturseifen aus hochwertigen Rohstoffen und ohne Konservierungsstoffe. Die verschenkt sie dann an Freunde und Bekannte. Und die sind begeistert und wollen immer wieder welche. Mitte 2006

kommt die Idee. Isabella will die ganze Geschichte professionell aufziehen. Sie erkundigt sich beim Landratsamt Villingen-Schwenningen. Seife unterliegt der Kosmetikverordnung und muss zertifiziert werden. "Wenn sie erst mal merken, was alles dahinter steckt, dann lassen sie bestimmt die Finger davon", ist der gut gemeinte Rat einer Sachbearbeiterin. Doch das bewirkt genau das Gegenteil. Isabella gibt nicht auf, sondern beißt sich fest. Das Gesundheitsamt Freiburg ist zuständig und Isabellas nächste Anlaufstelle. Sie fordert die Unterlagen an und sucht einen Sicherheitsbewerter. Ein Sicherheits-bewerter ist persönlich dafür verant-wortlich, dass das kosmetische Mittel bei bestimmungsgemäßer Anwendung sicher ist. Isabella findet ihre Sicherheits-bewerterin in Stuttgart und schickt ihre erste, nach eigenem Rezept erstellte, im Eigenversuch getestete, Seife ins Labor. "Calendula", ihre Ringelblumenseife wird die erste, so richtig zertifizierte.
"Ringelblume ist ein altes Hausmittel bei entzündeter und geröteter Haut. Ringelblume wirkt heilend und antiseptisch. Für diese Seife nehme ich die gelben Blütenblätter", erklärt Isabella. Doch Ringelblume ist der Anfang. Mittlerweile hat sie dreizehn verschiedene, zertifizierte, rein pflanzliche Seifen in ihrem Programm. Denn immer, wenn ein Rezept abgeschlossen und zertifiziert ist, arbeitet sie schon am nächsten. Die ganze Geschichte ist nicht gerade preiswert und kostet zwischen 350 und 500 Euro. Doch dafür kann sie mit ruhigem Gewissen ihre Seifen verkaufen. Die Sicherheits-bewertung schützt sie und bestätigt, dass ihre Produkte für die menschliche Gesundheit unbedenklich sind. Im Januar 2007 ist es soweit. Isabella Schulz meldet ihr Gewerbe an und beginnt mit der Produktion. Mittlerweile hat sie im eigenen Haus eine Seifenküche eingerichtet. Genau nach Vorschrift und mit eigenem Eingang. Der Wirtschaftskontrolldienst lässt auch nicht lange auf sich warten und rückt gleich mit vier Mann an. Doch alle sind zufrieden. Küche und Lager sind O.K. und Isabella kann und darf weiter produzieren.
Wie sie die Seifen herstellt, verrät Isabella gern. Sie schmelzt die Fette und lässt sie kalt werden, dann kommen die Blütenblätter hinzu, dann die Lauge, rührt

alles kalt an, fügt ätherische Öle hinzu und gießt dann die Masse in eine Form. Nach 24 Stunden wird die Seife in kleine Stücke geschnitten und dann noch vier bis sechs Wochen gelagert. Dadurch verflüchtigt sich die gesamte Lauge und zurück bleiben nur die wertvollen Inhaltsstoffe. Ihre Rezepte verrät Isabella natürlich nicht. Dafür gibt sie gerne die Erfahrungen einiger Stammkunden weiter: Heilerde-Seife "Teebaumöl" nimmt eine Kundin mit Schuppenflechte auch als Shampoo, die ,,Kaffee-Seife" zaubert tatsächlich alle Küchengerüche einfach weg und die Süßwasseralgen-Seife "Spirulina" wirkt Haut glättend und ist als Maske geeignet. Einfach den Schaum einige Minuten einwirken lassen. Isabellas Seifen sind nicht billig. Ein kleines Stück kostet € 2,50, ein großes zwischen € 4,00 und € 4,80. Es rechnet sich trotzdem. Denn etliche Kunden nehmen diese Seifen als Ganzkörperpflege und müssen sich kaum noch eincremen.
Wunderschön verpackt und mit allen wichtigen Infos versehen, sind Isabellas Seifen das ideale kleine, wertvolle Mitbringsel für Freunde und Bekannte - oder einfach, um sich selbst ein bisschen zu verwöhnen. Heute, mit 41 Jahren, ist Isabella Schulz, selbständig, arbeitet kreativ und mit Freude und kann trotzdem die Kinder gut versorgen. Von Anfang an hat sie ihr Mann unterstützt und auch Isabella hatte gleich ein gutes Gefühl. "Alles, was ich in meinen früheren Berufen gelernt habe, ist mir zugute gekommen", sagt sie. Ihre Devise: Nicht stehen bleiben, sondern immer weitergehen, denn Stillstand ist Rückschritt. Doch nicht um jeden Preis, sondern in Verantwortung zur Familie. Mehr über Naturseifen in der kommenden "typisch frau".

Die Öffnungszeiten ihrer Seifenküche "Seinerzeit - Sinneseindruck Naturseifen Handgemacht", VS-Pfaffenweiler, Fliederstr. 5 sind: Donnerstag, von 17 - 19 Uhr und Freitag von 9 - 11.30 Uhr, oder nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 07721-23610, Isabella Schulz beliefert auch gerne Betriebe, Salons, Geschäfte, Hotels... ck.

Barbara Dickmann