Ein Traum aus Schaum

- Seife mehr als Waschen -

Seifen, Seifen, Seifen - hergestellt von Isabella Schulz. Bild: B. Dickmann.

Zugegeben, frau kann sich auch einfach die Hände damit waschen oder hartnäckigen Schmutz bekämpfen. Und unsere bessere Hälfte sich mit ihrer Hilfe den Bart aus dem Gesicht kratzen. Seife ist ein Gebrauchsgegenstand. Und Seifen gibt es wie Sand am Meer. Sie alle kennen Kernseife, Schmierseife, Glycerinseife, Rasierseife, Gallseife oder Benzinseife. Keine Frage, Seife hat etwas mit Waschen und Sauberkeit zu tun. Doch für Isabella Schulz aus Pfaffenweiler, ist Seife viel, viel mehr. Ein Traum aus Schaum, Wellness für die Sinne, eine Entspannung für Leib und Seele, eine Wohltat bei entzündeter und geröteter Haut. Und letztendlich ist Seife ihre berufliche Herausforderung geworden, hat ihr den Sprung in die Selbständigkeit ermöglicht und genau das erreichen lassen, wovon etliche Familienfrauen träumen: Eine Tätigkeit die Freude macht, sinnvoll ist und fordert - im

Einklang mit der Familie und den Kindern (wir berichteten in der vergangenen "typisch frau").
Seife gibt es schon sehr, sehr lange. Die Sumerer waren die ersten, die Pflanzenasche mit Ölen vermengen und so die Basis einer Seifenrezeptur schaffen. Sie übersehen jedoch den reinigenden Effekt und verwenden dieses Gemisch als Heilmittel. Dann übernehmen Ägypter und Griechen dieses Rezept, doch erst die Römer entdecken die reinigende Wirkung der Seife. Im 7. Jahrhundert verkochen die Araber zum ersten Mal Öl und Lauge miteinander und es entsteht eine Seife, wie wir sie heute kennen. Bald kann ganz Europa Seife herstellen und Frankreich und Spanien werden bald die Zentren der Seifenherstellung. Körperpflege, Körper-reinigung und der regelmäßige Besuch eines Badhauses sind im Mittelalter sehr wichtig. Erst als Pest und Cholera ausbrechen, wird das Waschen mit Wasser und Seife eingestellt und stattdessen nimmt man Puder und Parfüm. Der Grund: Die Gelehrten sind der Meinung, dass das Badewasser den Körper öffnet und die Krankheitserreger förmlich hineinbittet. Bis ins 17. Jahrhundert vertreten sie in Europa die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schade. Die Kleidung wird zum Schutz vor den schädlichen Elementen und das Einpudern verschließt den Körper nach außen. Die Unterwäsche saugt den Körperschweiß auf. Das ist dann die eigentliche Reinigung.
Doch Ludwig XIV bringt die Wende. Er

holt im 17. Jahrhundert die besten Seifensieder nach Versailles. Und er erlässt 1688 das Reinheitsgebot für Seifen, das heute noch gilt. Eine Seife gilt als besonders hochwertig, wenn sie mindestens 72 % reines Öl enthält. Seife ist ein Luxusgut. Erst die künstliche Herstellung von Soda und die Entwicklung eines neuen Verfahrens machen Seife zum bezahlbaren Produkt. Jeder kann sich regelmäßig mit Seife waschen und von unangenehmen Gerüchen befreien. (Quelle Wikipedia).
Heute sind Naturseifen auf dem Vormarsch, sind ein kleines Stück duftender Luxus, der nicht nur der Haut gut tut, sondern auch noch das Bad verschönert. Die Kunst der Seifensiederei lebt wieder auf. Uralte Handwerkskultur zieht heute in die Küchen kreativer Frauen ein. Moderne, handgemachte Naturseifen bestehen aus Oliven- Mandel- oder Kokosöl. Oder vielleicht aus Avocadoöl, Sheabutter... oder vielleicht aus Honig, Milch, Kamille, Heilerde... Eigentlich alles, was im Garten, Feld, Wald und Wiese wächst und gedeiht, kann uns über eine Naturseife der Natur ein Stück näher bringen. Ob Seifenstücke, Seifenbälle, Seifenkuchen, Seifenherzen... der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Und falls Sie das Seifenfieber packt und Sie Anregungen brauchen - ein Besuch in Isabella Schulz Seifenküche (Fliederweg 5, Pfaffenweiler, Tel. 07721-23610) lohnt immer.

Barbara Dickmann