Uschi B. arbeitet als Altenpflegerin und erzählte in "typisch frau" ihre Erlebnisse mit einer starken Frau, die trotz hohem Alter und Behinderung genau wusste, was sie wollte und es schaffte, ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Sie wollte Stutenkerle (aus dem Ruhrpott für Weckenmänner) haben und schaffte es, Putzfrau wie Pflegepersonal trotz Wochenende und Personalknappheit dafür einzuspannen. Edith Fabry, Leiterin des Altenwerks der Erzdiözese Freiburg schickte uns folgende Email: "Ich habe mit Freude heute morgen die Geschichte einer starken Seniorin gelesen. Es ist nötig, dass solche Erfahrungen wie sie Uschi B. gemacht hat, immer wieder einmal an die Öffentlichkeit dringen. Diese Geschichte zeigt auf eine gute Art und Weise den Druck, dem das Pflegepersonal einerseits durch das durchstrukturierte Pflegekonzept, anderer seits durch die berechtigten, manchmal
vielleicht auch weniger berechtigten Bedürfnisse der alten Menschen ausgesetzt ist. Es zeigt aber vor allem eindrucksvoll, wie die Würde eines alten, körperlich hinfälligen Menschen dadurch gewahrt werden konnte, dass sich doch Menschen gefunden haben, die dazu beigetragen haben, dass die Seniorin ein für sie wichtiges Ritual mit ihrer Hilfe durchführen konnte. Sicher ist der Preis, den das Pflegepersonal dafür bezahlt hoch, aber er ist nicht aufzuwiegen gegen das Glück und die Freude, die nicht nur für die Initiatorin sondern auch für die daran beteiligten Heimbewohnerinnen und -bewohner aus diesem Ritual entstanden sind. Menschen des 4. Lebensalters brauchen die Möglichkeit, ihre noch vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen unter Beweis stellen zu können. Nur so können sie die Vorbildfunktion, die sie in unserer Gesell-
schaft haben, auch erfüllen. Auch dafür ist diese Seniorin Gabi M. ein gutes Beispiel. Ihre Protokollantin brachte die Gabe mit, die die Pflegenden vor einem allzu raschen Burnout schützen können: Die Liebe zu den älter und gebrechlicher werdenden Menschen und die Sensibilität zu spüren, dass sie nicht nur Gebende, sondern auch Nehmende sein können, gemischt mit einer gesunden Einschätzung für Grenzen. Herzlichen Dank Frau B. für dieses Protokoll". Zweimal pro Jahr wird eine Sammlung von Anregungen, die Erfahrungen, Fortbildungs- und Literaturhinweise n herausgegeben, die für die ca. 800 Leiterinnen und Leiter der Altenwerke bestimmt sind. In dieser Zeitschrift wird dieser Artikel aufgenommen werden.
Barbara Dickmann
