Ein ungeheuerliches Frauenzimmer

- Die große Heilige Teresa von Avila eine der ersten Frauenrechtlerinnen -

Sie ist ein unverschämtes Frauenzimmer, ohne Universitätsbildung und nimmt sich das Recht heraus, eigenständig zu denken - Teresa von Avila.

Sie ist realistisch und hat viel Humor. Ihre Ironie und liebevoll gemeinte Kritik, ihr starker Wille, sind ihr Markenzeichen. Und dass diese Frau, von der es heißt "sie habe jedem, der ihr begegnete, den Kopf verdreht", eine Heilige, eine Mystikerin und Kirchenlehrerin sein soll, verwundert schon sehr. Die Rede ist von Teresa von Avila, einer Frau die selbst über 400 Jahre nach ihrem Tod noch fasziniert. Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada wird am 28. März 1515 als sechstes von zwölf Kindern in Avila (Kastilien) geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von Frömmigkeit. Sie will den Himmel erringen. Doch als ihre Mutter stirbt, wendet sich die 12jährige der Welt zu.
Mit 16 Jahren bringt ihr Vater sie in das von Augustinerinnen geführte Internat Santa Maria de Garcia. Danach geht sie ins Kloster. Sie hat Angst vor der Ehe und will ein eigenständiges Leben führen. Doch Teresa wird schwer krank, ist drei Jahre

lang gelähmt und völlig unfähig, sich zu bewegen. Und dann folgen etliche Jahre zwischen Himmel und Erde. Teresa schwankt. "Es war ein ständiges Fallen und wieder aufstehen. Es war ein schlechtes Aufstehen, weil ich auch immer wieder fiel. Denn weder erfreute mich Gott, noch fand ich in diesen Kontakten zur Welt meine innere Ruhe", sagt sie einmal von dieser Zeit. 1554 erlebt sie das Unerwartete. Vor einem Bild Christi wird sie angerührt, aufgewühlt, wirft sich in Tränen aufgelöst vor ihm nieder und gelobt, nur von für ihn zu leben.
Teresa wird endgültig Nonne. Doch eine äußerst unbequeme. Auch der Inquisition waren ihre eigenwilligen Anschauungen schon aufgefallen. Doch am 24. August 1562 setzt sie allem die Krone auf. Teresa trifft sich mitten in der Nacht am Ende der Stadt mit vier anderen Nonnen. Gemeinsam schleichen sie in ein Abbruchhaus, das sie heimlich instand gesetzt haben. Das ist ihr erstes Kloster. Ein Skandal! Sie sei schon immer ein unruhiges, herumstreunendes ungehor-sames Frauenzimmer gewesen, beklagt der päpstliche Nuntius.
Doch Teresa hatte sich heimlich in Rom die Erlaubnis für die Klostergründung besorgt und weder Steinewerfer noch Drohbriefe können sie dazu bewegen, wieder in ihr Stammkloster zurück-zukehren. Teresa vom Herzen Jesu, wie sie sich nun nennt, war wohl die erste Hausbesetzerin. Der Grund: Sie wollte das Luxusleben im Karmelitenkloster von Avila nicht mehr leben, sondern in Armut und durch Gebete Gott nahe sein.
Teresa gründet um die 20 Reformklöster, schreibt mystische Schriften und ungefähr 15000 Briefe. Sie ist ungeheuer aktiv, ungeheuer schlau und schafft es immer,

der Inquisition zu entwischen. 1582 stirbt sie, 1614 wird sie selig gesprochen, 1617 zur Schutzpatronin von Spanien ernannt und 1622 heilig gesprochen. 1970 ernennt Papst Paul VI sie zur Kirchenlehrerin. Auch heute noch wird Teresa von Avila als große Heilige verehrt und gilt als wegweisende Theologin und als die Vorreiterin der christlichen Meditation. Und die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir bezeichnete Teresa sogar als die Wegbereiterin der modernen Frauen-Emanzipation. Eines ihrer bekanntesten Gebete finden Sie im nebenstehenden Bericht. Dass es einige hundert Jahre alt ist, ist kaum zu glauben!

Gebet ans Alter:
Oh Herr, bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein. Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu, und die Lust sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir oh Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Teresa von Avila (1515-1582).

Barbara Dickmann