Leidenschaftliche Jägerin nach guten Bildern

- Claudia Thoma - das Porträt einer erfolgreichen Frau und Mutter von drei Kindern - Zwei Bücher illustriert mit ihren Fotos -

Claudia Thoma verwirklichte ihren Lebenstraum und wurde eine erfolgreiche Fotografen-Meisterin.

Mode ist schon immer ihr Thema und das berufliche Ziel steht fest. Claudia Thoma will Designerin werden. Der Weg darin führt über eine Schneiderlehre. Doch dann spielt der Körper nicht mit. Claudia bekommt eine Allergie und orientiert sich neu. Etwas Künstlerisches muss es sein! Eine Fotolehre! Ihr Lehrmeister ist sehr streng, erkennt jedoch ihr Talent und fördert sie. Ein paar Jahre später bietet er ihr die Führung einer eigenen Filiale an. Claudia ist mittlerweile 28 Jahre alt und verheiratet. Kurz vor der Eröffnung wird sie schwanger. Aus der Traum von der eigenen Filiale, doch Claudia fotografiert weiter. Kinder, Kinder, Kinder, das ist ihr Lieblingsmotiv. Ihre eigenen und fremde. Es werden immer besondere Bilder. Sie sucht die kleine Persönlichkeit, kitzelt heraus und bleibt dabei natürlich. Die Meisterprüfung ist das nächste Ziel. Und wieder gerät sie an einen Lehrmeister, der sie fordert und deren Sätze sie noch heute im Kopf hat. "Achte auf das Licht, das Licht ist für den Fotografen, wie der Pinsel für den Künstler..."

1987/88 gewinnt sie den in Deutschland von Kodak ausgeschriebenen Profi Porträt Wettbewerb und wird zum internationalen Treffen der Profifotografen nach Arles eingeladen. 1990, mit 30 Jahren, legt sie ihre Meisterprüfung ab, während ihr Mann den Säugling hütet. Dann wird ihr ein Angebot unterbreitet. Der Europa-Park wird ihr ans Herz gelegt. Sie soll ihn fotografieren. Den Park, die Besucher, die Promis, die Veranstaltungen. Bilder für die Broschüren, die Bücher, die Plakate... einfach alles.
Keine Frage, ein Traumjob, werden Sie jetzt sagen. Doch auch einer mit großer Verantwortung und die Herausforderung schlechthin. Denn der Europa-Park bedeutet Familie. Ihr Chef wird Roland Mack, ihr Schwager, verheiratet mit Marianne Mack, ihrer älteren Schwester. "Natürlich ist das ein Vorteil", sagt sie, "doch arbeiten muss man genauso, ja eigentlich noch besser, denn die Anspruchshaltung an die eigene Familie ist viel höher".
Claudia nimmt an und fotografiert alles, was im Park vor sich geht. Sämtliche Großveranstaltungen, Angela Merkel, Gerhard Schröder, Stars, Sportler... die Liste ist lang und wird bis heute von Monat zu Monat länger...
Das zweite Kind kommt und das dritte. Der Spagat zwischen den drei K's, Kinder, Kirche, Küche beginnt. Alles ist ihr wichtig. Die Familie, der Beruf, die Aufgabe. Sie will die perfekte Mutter sein, die jeden Mittag ein vernünftiges Mittagessen kocht und die Kinder versorgt. Gearbeitet wird abends, wenn die Kinder im Bett sind. Sie hält durch, bis das dritte Kind kommt, dann geht es nicht mehr ohne Hilfe.
Von dem, was sie verdient, kauft Claudia eine Ausrüstung. Der Hausflur wird ihr erstes Fotostudio. Sie fängt mit zwei Lampen an, die sie schnell wieder wegräumen kann. Inspiriert durch einen Aufenthalt im Kloster entsteht ihr erstes Buch mit dem Titel: "Sich selbst finden in der Stille" (Mosaik Verlag). Und in 2007 "Sind sie nicht alle Engel...", ein Fotoband, das die Einzigartigkeit unserer Kinder zeigt.
Heute ist das Fotostudio im Hausflur längst Vergangenheit. Claudia hat mittlerweile in

Waldkirch ein eigenes Studio. Sie ist jetzt Ende vierzig weiß genau, was sie will. Die Modefotografie ist bis heute eines ihr bevorzugten Themen. Claudia liebt starke Frauen und hasst es, wenn Frauen diskriminiert werden. Es ist ihr wichtig, sie so darzustellen wie sie sind. Eine Miss Germany ist einfach mehr als nur sexy. Sie hat auch noch eine zweite Haut, hat Begabungen, hat Stärken. Das dauert dann auch ein Weilchen, um das zu erkennen. Manchmal braucht Claudia drei, vier Stunden, ehe sie zufrieden ist. Manchmal arbeitet sie drei Tage durch, schießt etliche Bilder, bis es auf einmal da ist - das Bild, das genau das ausdrückt, was sie empfindet. "Das kannst Du nicht lernen", sagt sie, "das musst Du erspüren". Das ist einfach Intuition und Begabung.
Claudia hat Erfolg. Immer mehr! Ihre Auftraggeber kommen aus der Kosmetikbranche, sind Modezeitschriften und manchmal Menschen, die das besondere Bild möchten. "Fotos sind wertvoll und können nicht billig sein", sagt Claudia in Zeiten der digitalen Heimfotografie. Da wird für das Hoch-zeitsessen eine Menge Geld ausgegeben, aber für das Hochzeitsfoto, also für etwas, das bleibt, ist nichts übrig. Das versteht sie einfach nicht. Doch dann passieren so wundervolle Dinge, die ihr das Herz aufgehen lassen. Dann besucht sie Freunde und sieht ein Bild, das sie fotografiert hat, an der Wand hängen. "Das ist einfach wunderbar, dann bin ich richtig glücklich", sagt sie, das sei viel wichtiger als das Geld. Claudia ist ein Familienmensch. Ihre Kinder, ihr Mann, die enge Verbindung zur Mutter, zur Schwester und deren Familie, sind extrem wichtig. Als junge Frau hat Claudia schon gewusst, dass sie etwas Bleibendes im Leben machen will. Sie hat es geschafft. In Verantwortung ihrer Rolle als dreifache Mutter und Ehefrau. Und jetzt, wo die Kinder aus dem gröbsten sind, gibt sie richtig Gas. Jetzt lebt sie ihren Traum. Und sollten Sie gerade eine Modezeitschrift gekauft haben, schauen Sie doch mal nach, wer da die Fotos gemacht hat - vielleicht ist es ja Claudia Thoma.

Barbara Dickmann