Themen aus der Fülle des Lebens

- "typisch frau" feiert das Zehnjährige - Erinnerungen -

Die ganz privaten Kraftquellen für "typisch frau": Bei Barbara Dickmann Bücherlesen...

Erinnerung ist die Veranlassung eines Innewerdens. Erinnerungsvermögen ist das Zurückrufen von sonst Vergessenem ins Gedächtnis. Und "Erinnerungen" muss oft als Titel für diverse Autobiographien herhalten. Erinnerungskultur ist der Versuch, Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen. Es gibt eine private und eine öffentliche Erinnerungskultur, so steht es im Wikipedia. Ihr Familienalbum mit den ganz persönlichen Bildern, oder Ihre Ahnenforschung ist zum Beispiel eine ganz private Erinnnerungskultur.
Eine öffentliche dagegen, zeichnet sich meist durch eine Entpersonalisierung aus, steht also nur in indirektem Bezug zur Person des Erinnernden. Die Archivierung von Informationen, wissenschaftliche Aufarbeitung, öffentliche Dokumentation, aber auch Gedenkstätten, Gedenktage und Denkmale sind Ausdruck der öffentlichen Erinnerungskultur.
Eine öffentliche dagegen, zeichnet sich meist durch eine Entpersonalisierung aus, steht also nur in indirektem Bezug zur Person des Erinnernden. Die Archivierung von Informationen, wissenschaftliche Aufarbeitung, öffentliche Dokumentation, aber auch Gedenkstätten, Gedenktage und Denkmale sind Ausdruck der öffentlichen Erinnerungskultur.
Auch wir haben eine Erinnerungskultur! Eine ganz besondere! Denn sie ist öffentlich wie persönlich. Ganz persönlich von Sabine und mir und ganz öffentlich von Ihnen zu uns - von Frau zu Frau und von Frau zu Mann und manchmal auch von Mann zu Frau! Sie ist archiviert in zehn dicken Ordnern und steht in Sabines Arbeitszimmer (leider nur in ihrem, denn ich hab ungefähr die Hälfte verschlampt).
Zehn Ordner bedeuten (fast) zehn Jahre "typisch frau". Bedeuten über 500 Seiten, über 1.000 Reportagen! Bedeuten den Dialog zwischen Ihnen und uns. Bedeuten Begegnungen bei Selbsthilfegruppen, Treffs, Vorträge. Bedeuten intensive Gespräche, das Austauschen der unterschiedlichsten Ansichten und Meinungen. Zugegeben, unsere ganz persönliche - ganz öffentliche - gemeinsame Erinnerungskultur ist kurz.
Doch ist sie das nicht sowieso? Frauen, die Geschichte schreiben, gibt es einfach nicht. Frauen sind unsichtbar und werden übersehen. Warum? Historiker haben kein

und bei Sabine Przewolka ihre Pferde. Bilder: S. Przewolka

Interesse an Frauen. Sie sind einfach unwichtig. Erst 1901 wird Baden das erste Land, in dem Mädchen höhere Jungenschulen besuchen dürfen, 1918 erhalten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Doch 1934 wird eine Erwerbseinschränkung für Frauen beschlossen und für Studentinnen der "Numerus clausus" eingeführt, nicht für Studenten. Dann aber geht es Schlag auf Schlag: 1949 Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz, 1952 Mutterschutzgesetz, 1957 Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des Bürgerlichen Rechts - ändert vor allen das Familienrecht. 1961 wird erstmals eine Frau und zwar Elisabeth Schwarzhaupt, Familienministerin. 1972 mit Annemarie Renger, wird erstmals eine Frau Bundestagspräsidentin. 1975 öffnet die Bundeswehr die Laufbahn des Sanitätsdienstes-Offiziers für Frauen.
1997 Beschluss des Europäischen Rates in Amsterdam. Zielsetzung der Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern wird in Art. 2 und 3 EG-Vertrag festgeschrieben. In Art. 199 EG-Vertrag wird der Grundsatz des gleichen Entgelts bei gleicher und gleichwertiger Arbeit erweitert. Zum Ende des 20. Jahrhunderts sind wir also gleichberechtigt geworden und unser Bauch gehört uns. Und dann erscheint am 13. Juli 1998 die erste "typisch frau" im SÜDKURIER! Umstritten vom ersten Tag! Eine Ghetto-Seite! Was soll das? Fragen etliche Kolleginnen und Kollegen. Ist frau nun gleichberechtigt oder nicht? Tja, diese Frage zu beantworten, überlassen wir Ihnen.
Erinnerungskultur ist der Versuch, etwas Vergangenes in Erinnerung zu behalten. Und das fällt mir heute schwer, denn "typisch frau" ist nicht vergangen, "typisch frau" ist genauso lebendig wie am ersten Tag. Es gibt kein ,,weißt Du noch, damals... Es gibt kein wehmütiges Erinnern, es gibt nur spannende Momente, traurige Augenblicke, manchmal ein wenig Innehalten, viel Freude und Erfahrung.
Es gibt die Erinnerung an die allererste Seite. "Ein neues Gesicht für Simone" berichtet über eine gewaltige Operation, die aus einem selbstbewussten, jungen, intelligenten Mädchen mit einem gewaltigen Kinn, ein selbstbewusstes, junges, intelligentes Mädchen mit einem ganz normalen Kinn macht. Simone

studiert heute und hat einen netten Freund, was ohne Frage so oder so passiert wäre. Doch was in Erinnerung geblieben ist, ist folgendes: Entweder schafft man es, oder man schafft es nicht! Es gibt die Erinnerung an unseren ersten Vortrag mit Rosita Le Maire, Farb- und Stilberaterin aus Schwenningen. Es war ihr erster Vortrag und auch unserer... wir haben es alle drei geschafft.
Wo ist die Zeit geblieben? Werden Sie jetzt fragen? Keine Frage, wir haben sie gelebt. Gemeinsam und Woche für Woche und Monat für Monat. Mit Themen aus der Fülle des Lebens. Und wir haben gelernt. Von Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, denn viele Männer greifen Montags zu "typisch frau". Zugegeben, es hat sich auch so einiges verändert. Meine Haare sind nur noch Dank der segensreichen Erfindung von Farbe und Wasserstoff noch so wunderbar schwarz. Die Lachfalten sind heute wesentlich intensiver als vor zehn Jahren und Kleidergröße 38 ist tatsächlich nur noch eine wehmütige Erinnerung. Unsere Familien sind um zwei weitere Kinder gewachsen - bei Sabine sind es die eigenen, bei mir sind es die Enkel. Und wir haben eine Kanzlerin.
Doch Erinnerungskultur bedeutet auch Verpflichtung für die Zukunft. Was soll sie also bringen? Sollen wir etwas verändern an "typisch frau"? Sollen wir etwas verändern an "typisch frau"? Sollen wir kritischer, politischer, sozialer werden? Oder vielleicht fraulicher, modebewusster und Ihnen den neuesten Klatsch aus der Region präsentieren.
Oder sollen wir einfach so weitermachen wie bisher - mit Themen aus der Bandbreite des Lebens. Mit Themen, die wir für wichtig halten oder die einfach wichtig sind? Was meinen Sie? Erinnerungskultur bedeutet Verpflichtung für die Zukunft. Unsere Verpflichtung lautet: Wir machen gerne weiter, solange man uns lässt, solange wir können...

Zitate für Frauen
- Ausgesucht zum Mut machen -
"Eine Frau, gleichgestellt, wird überlegen" (Sokrates, 470 - 399 v.Chr.) "Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte" (Käthe Strobel, 1907 - 1996, deutsche SPD-Politikerin, ehem. Bundesministerin). "Die Emanzipation ist erst dann vollendet, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist"(Heidi Kabel, deutsche Volks- und Bühnenschauspielerin und Schriftstellerin). "Die Mitarbeiter lassen sich lieber von einer Frau überzeugen, als von einem Mann anschreien" (Annette Winkler, deutsche Unternehmerin und Industriemanagerin). "Ist die Frau weniger wert als der Mann? Wer diese Frage beantwortet, kann auch sagen, ob Feuer mehr wert ist als Wasser" (Carl Ludwig Schleich, deutscher Arzt, Erfinder Anästhesie und Schriftsteller). "Die Frau ist das Kamel, das uns hilft, die Wüste des Lebens zu durchqueren" (David Ben Gurion, israelischer Premierminister). "Wenn eine Frau, die hinter einem erfolgreichen Mann steht, vorwärts kommen will, muss sie ihm den Rücken zukehren" (Maria Sukop, Mutter, Familienmanagerin, Kabarettistin, Dichterin).

Barbara Dickmann