Ulla Schwarz, die Mutter von Hannes, Finalist bei "Supertalent 2009", einer Fernsehsendung von RTL.
Bild: B. Dickmann
Eigentlich sind Fernsehshows sind nicht gerade das, was sie vom Hocker reißt. Doch seit einem knappen Jahr kennt sie sich aus. Ulla Schwarz aus Triberg, Mutter dreier Söhne, saß schon neben Dieter Bohlen, Sylvie van der Vaart oder Bruce Darnell und weiß genau, wie es hinter den Kulissen von "Das Supertalent 2009" aussieht.
Schuld daran ist Hannes, der mittlere ihrer drei Söhne, der es bis ins Finale am 19. Dezember 2009 schafft. Nicht als Sänger, sondern mit einer absolut irren, aufwendigen Feuershow vom feinsten.
"Dieses Element hat ihn schon als Kind fasziniert, " sagt Ulla Schwarz, "ständig spielte er mit Feuer." Hannes ist gerade mal fünf Jahre alt, als seine Mutter ihm im Garten einen besonderen Platz zum Zündeln einrichtet - mit einer nicht brennbaren Unterlage und einem Eimer Wasser im Rücken. Als er älter wird kauft er an Silvester jede Menge Knaller, die denn das ganze Jahr reichen sollen. "Doch das klappte nicht, " erzählt Ulla Schwarz und Hannes beginnt, sich selbst irgendwelche Knaller zusammen zu bauen. Seine Mitschüler finden das einfach super und Hannes hat dann die Anleitung zum Selbstbauen von Knallern einfach an das "Schwarze Brett" seiner Schule gehängt, was wiederum die Lehrer nicht so begeistert hat. Die Folge: Ihr Sohn darf zwei Wochen den Hof der Realschule kehren. Hannes absolviert seine Ausbildung als Schreiner, danach will er Heim- und Jugenderzieher werden. "Da hat er schon mit Feuerspucken und Feuerakrobatik angefangen. Hannes hat im Garten geübt und einigen Pflanzen ist das gar nicht gut bekommen."
Mit zwanzig absolviert er sein Anerkennungsjahr in Triberg und hat seine ersten Auftritte in Discotheken. "Mit ganz einfachen Sachen. Hannes hat gerade mal einen Stab und präpariert ihn selbst", erinnert sich die Mutter. Als der Triberger Weihnachtszauber in 2004 startet, sieht ihn zum ersten Mal ein großes Publikum. Mit dabei sind Jugendliche aus der Gehörlosenschule, denen er das Jonglieren

mit Feuer beigebracht hat. Hannes wird immer professioneller, entwickelt eine richtige Bühnenshow und wird engagiert. Der eine Stab wird Vergangenheit, Hannes kauft jetzt professionelles Material. Immer mehr wird aus dem Hobby-Feuerspucker, ein Profi. Irgendwann kippt die ganze Geschichte und Hannes muss sich entscheiden - entweder Jugendarbeit oder Feuershow. Hannes entschließt sich für die Feuershow. Er ist jung, blutjung und nur dann schafft man diese ernorme körperliche Anstrengung.
Tja, und dann kommt der Sommer 2009. Hannes bewirbt sich bei "Das Supertalent". "Er suchte einfach nach Möglichkeiten um zu zeigen was er drauf hat, " erinnert sich seine Mutter. Die Vorausentscheidungen werden nicht übertragen. Doch dann geht es los: Hannes ist im Fernsehen. Hannes begeistert! Die Familie rückt auf einmal im Vordergrund. RTL steht auf der Matte, will im Haus drehen und einfach alles wissen. "Eigentlich haben wir das nicht so gerne und mein Mann erst recht nicht, " sagt Ulla, doch für Hannes ist es einfach wichtig. Und dann wird es auch für Ulla interessant. Von Auftritt zu Auftritt wird Hannes immer besser, seine Shows immer aufwendiger und kostenintensiver. Hinter der Bühne steht immer ein ganzer Feuerwehrzug. Stress pur! Kurz vor Beginn einer Life-Show will die Feuerwehr Hannes nicht auftreten lassen. Es sei kein Arzt im Haus, sagen die Verantwortlichen. Doch das Problem kann gelöst werden, denn der Arzt ist schon auf der Autobahn und im Anmarsch - es ist Hannes Vater, der seit vielen Jahren in Triberg niedergelassen ist. "Es ist unglaublich, was für ein Aufwand hinter einer Show steckt, " sagt Ulla Schwarz und baut auch so manches Vorurteil ab. Zum Beispiel Dieter Bohlen, der zwar viel mehr Falten hat als man im Fernsehen sieht, doch einfach total nett ist und geduldig Autogramme gibt. "Ich glaube, er spielt nur diese A-Rolle," meint Ulla. Doch das größte Glück ist Hannes glücklich zu sehen. Eine aufwendige Feuershow zu präsentieren, sich immer wieder neue Effekte auszudenken, ist
einfach seine Welt. Hannes schafft es bis ins Finale und das hätte seine Mutter nie gedacht. Heute ist Hannes 26 Jahre alt, `das Supertalent` ist Schnee vom gestern, doch seine Feuershow wird nach wie vor gebucht. Hannes kann davon leben. Wie lange das noch läuft kann keiner sagen. Für Hannes ist der Weg klar - er macht es so lange wie er Spaß daran hat und danach will er wieder als Jugend- und Heimerzieher arbeiten. Im Augenblick liegt eine Einladung nach Moskau auf den Tisch, dort sucht man auch `das Supertalent `und Hannes wird als Gast auftreten.
"Um Hannes mache ich mir keine Sorgen, " sagt seine Mutter, " er wird immer auf die Füße fallen". In ihrem Leben ist wieder Ruhe eingekehrt. Die Fernsehteams sind abgezogen und Hannes ist einfach Hannes geblieben. Oft kommt er nach Hause und packt sofort mit an. Hannes - der Superstar der Familie mit jede Menge Starallüren? Keine Spur und Ulla Schwarz lacht, " dann hätte er von mir auch einen gewaltigen Tritt bekommen".
Kinder ohne Schablone
Haben Sie ein Kind, das in keine Schablone passt? Ulla Schwarz, die Mutter von Hannes, dem Finalisten des "Supertalent 2009" berichtet: "Im zweiten Schuljahr meinte Hannes Lehrer, dass er wohl die weiterführende Schule nicht schaffen würde. Ich habe ihn in einer Beratungsstelle testen lassen. Das Ergebnis: Der Berater beglückwünschte mich zu meinem hochintelligenten Sohn, dessen einziges Problem war, dass er nicht in unser System passte - einfach auffällig war. Warum fördern wir nicht Kinder, die ganz andere Begabungen haben, in denen etwas Außergewöhnliches steckt? Denn Kinder, die immer brav sind und immer gute Noten bringen, schaffen so etwas nicht. Für mich war dann klar, dass Hannes einen Weg gehen würde, der eben anders ist als Schule, Studium, Beruf, Familie... und ich ihn nicht daran hindern darf, sondern einfach nur aufpassen muss, dass es nicht gefährlich wird. Hannes hat sein Ventil gefunden. Die Feuershows fordern seine ganze Energie. Doch er ist sehr überlegt, vorsichtig und geht kein Risiko ein. Das beruhigt mich, ich habe keine Angst und irgendetwas passieren kann überall. Das wichtigste ist doch, dass unsere Kinder glücklich werden und nicht angepasst".
Barbara Dickmann
