An die Spritzen fertig los.....

Kritische Anmerkungen zum Thema Falten von Birgit Wager

Nach zwei Reportagen in ,typisch frau` über Faltenunterspritzung und Bio-Facelifting möchte Birgit Wager, Fachfrau für angewandte Kosmetik, Inhaberin einer Hauptpflegepraxis in Villingen-Schwenningen (Tel. 07720-32878) und bekannte ,typisch frau`-Referentin, das Thema Anti-Aging aus anderer Sicht aufgreifen.
Hier ihre Meinung: ,, Eigentlich bin ich entsetzt, wenn ich sehe, welche Blüten der Jugendwahn in den letzten Jahren treibt.
Noch vor 50 Jahren bezeichnete ein bekannter Mediziner die Haut als ,,Einwickelpapier" der inneren Organe. Heute ist anerkannt, dass die Haut unser größtes Organ ist und vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat. Die Haut steht mit allen unseren Organen in engem Kontakt und Austausch. Systeme, die den Gesamtorganismus regeln und beeinflussen, wie das Nervensystem, das Hormonsystem und das Immunsystem haben in der Haut einen wichtigen Platz. Die Aufgabe einer sinnvollen Hauptpflege besteht darin, die natürliche Funktion der Haut so lange wie möglich gesund und aktiv zu erhalten!
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Haut. Hautalterung beginnt nicht erst dann, wenn sie an der Hautoberfläche sichtbar ist, sondern bereits ungefähr zwanzig Jahre früher. Dann nämlich, wenn die körperlichen Funktionen wieder rückläufig sind, was ungefähr ab dem 25. Lebensjahr

der Fall ist. Außerdem gibt es zwei Arten von Hautalterung. Das intrinsische Altern ist das biologische Altern, das genetisch vorgegeben ist. Das Extrinsische Altern sind Schäden, die durch innere und äußere Einflüsse verursacht werden. Zum Beispiel durch UV-Strahlung, Rauchen, einseitige Diäten oder Stress.
Um Fältchen ohne Nebenwirkungen zu mildern, werden wasserspeichernde Substanzen wie Hyaluronsäure, Aminosäurekomplexe, Natriumsalz der Milchsäure und Aloe Vera eingesetzt. Sie quellen die Fältchen auf physikalische Weise auf und geben der Haut ein pralleres, jugendlicheres Aussehen. Aus meiner Sicht ist hiermit das Repertoire sinnvoller Wirkstoffe weitgehend erschöpft, auch bei einer Faltenunterspritzung.
Wirkstoffe, wie zum Beispiel beim Bio-Facelifting, die mit Hilfe einer Immunabwehrreaktion Falten verschwinden lassen sollen, halte ich für Unsinn. Dabei wird ausgenutzt, dass unser Immunsystem besonders stark auf Fremdeiweiß reagiert. Der Prozess läuft folgendermaßen ab: Trifft ein Fremdeiweiß, wie zum Beispiel Rinderzellenextrakt, Thymusextrakt oder Kollagen auf die direkt unter der Hornschicht stationierten Langer-hanszellen, schnappen sich diese den Ein- dringling und bringen ihn zum nächsten Lymphknoten. Damit lösen sie eine

Immunreaktion aus, die ein Plus an Gewebewasser (Quaddel) am Ort des Geschehens verursacht. Eine allergieähnliche Reaktion findet statt! Ähnlich wirken auch Fruchtsäuren. Durch die ätzende Wirkung der Säuren wird hauteigenes Eiweiß so verändert, dass es von den Langerhanszellen als fremd erkannt wird.
Das Nervengift Botox hingegen lähmt die Gesichtsmuskulatur. Macht es Sinn Muskeln außer Gefecht zu setzen? Würden Sie das auch anderen Organen zumuten? So betrachtet halte ich eine konsequente Hautpflege mit Produkten, die die natürlichen Funktionen und Abwehrmechanismen der Haut berücksichtigen, für sinnvoller. Die eingesetzten Wirkstoffe sollten mit den hauteigenen Substanzen identisch sein. Das macht sie wesentlich verträglicher als Stoffe, die der Haut nicht bekannt sind. Um sie tief in die Haut zu transportieren, gibt es wesentlich sanftere Maßnahmen als die Nadel." Was nun, was tun? Lassen wir spritzen oder nicht, wenn wir das nötige Kleingeld haben? Oder kaufen wir schon mit dreißig teure Pflegeprodukte in der Hoffnung, dass der (Falten-) Kelch an uns vorübergeht? Oder stehen wir einfach zu unseren Lachfalten, auch wenn sie eher wie Tränensäcke aussehen? Was meinen Sie dazu? Auf ihre Meinung freuen sich die beiden ,typisch frau`- Autorinnen

Barbara Dickmann